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Die Spinnerei-Maschinen : (Gruppe XIII, Section 2,a) ; Bericht ; Die Nähmaschinen, Strick- und Stickmaschinen : (Gruppe XIII, Section 2,b) ; Bericht / von Johann Zemann ; von Karl Cohn
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Die Spinnereimafchinen.

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Durch Aenderung zweier Wechfelrädchen in dem Rädertrieb für die beiden Tröge wird fowohl das Mifchungsverhältnifs, fowie der Zuflufs der Einfprengflüffig­keit nach Bedürfnifs regulirt.

Sämmtliche Theile der Mafchine find leicht zugänglich, was behufs forg­fältiger Reinigung derfelben nach jeder Partie Wolle von Belang ift.

Zur Bearbeitung feiner und mittlerer Wollen war ein Sortiment von drei Karden aufgeftellt. Die Reifskrempel zeigt den bekannten und viel verbreiteten Bolette'fchen Speifeapparat, von welchem die Wolle durch ein Vorreifswerk aus zwei Klettenwalzen an den Tambour zwar nicht direct, fondern durch eine Wender­walze abgegeben wird. Statt der Pelztrommel ift ein endlofes Pelztuch vorhanden. Auch die Mittelkarde wickelt das Wollvliefs auf ein doppeltes" Pelztuch von 14 Meter Länge auf.

Die Pelztücher erhalten jetzt ihre Spannung ftatt mittelft einer ftellbaren Führungswalze durch eine freie Gewichtswalze, ferner eine Gradführung über die Walzen im Geftelle durch eingenähte Querftäbe, welche knapp zwifchen die Geftellwände paffen.

Auf der Feinkarde werden durch den Martin'fchen Vorfpinnapparat 120 gute Fäden bei 15 Meter Befchlagbreite abgegeben. Wir haben uns fchon oben ausführlich über diefen Apparat ausgelaffen, deffen Vorzüge wohl nicht fchlagender ausgedrückt werden können, als durch den Hinweis auf deffen ungemein rafche Verbreitung feit der Londoner Specialausftellung im Jahre 1871, wo der Vliefs- Theilapparat zum erften Male vor die Oeffentlichkeit getreten ift.

Ein anderer Satz von zwei Krempeln für Kunft wolle und Woll­abgänge war durch den fchottifchen Bandlege- Apparat in Verbindung gefetzt. Ein­fach und zweckmäfsig ift hiebei die Anordnung des Balancegewichtes der auf- und niederfteigenden Bandführung, welche das Kardenband in den Wagen des Lege­apparates abgibt. Im Uebrigen können die Eigenthümlichkeiten der Martin'fchen Krempeln, insbefondere die Anwendung fehr fchwacher Wenderwalzen als bekannt vorausgefetzt werden.

Das gröfste Intereffe unter den Mafchinen diefes und fämmtlicher anderen Ausfteller diefer Branche beansprucht unftreitig die Streichgarn- Water­mafchine mit Martin's neuem Streckwerk.

Die Hauptfchwierigkelt beim continuirlichen Spinnen liegt in den Un­regelmässigkeiten des von den Krempeln kommenden Vorgefpinnftes, welche bisher nur auf Mulemaſchinen bis zu einem gewiffen Grade ausgeglichen werden konnten.

Durch die Mifserfolge der Streckwerke bei den Spinnmaschinen von Vimont und Sykes belehrt, erkannte Martin als erfte Nothwendigkeit eines guten Streichgarn- Streckwerks die getrennte Behandlung jedes einzelnen Fadens, um durch ftärkere Verftreckung der dichteren Fadenftücke eine Ausgleichung in der ganzen Länge des Garnes thunlichft zu erreichen.

War diefe Regulirung des Verzuges, das ift Egalifirung der einzelnen Fäden in einer praktiſch brauchbaren Mafchine, ohne Rückficht auf die Zahl der Spindeln durchführbar, fo unterlag es keinem Zweifel, dafs bei der voraus­gegangenen Vervollkommnung der Vorfpinnkrempeln ein fchönes und gleich­förmiges Streichgarn auch auf feftftehenden Spinnmafchinen gefponnen werden könnte.

Einmal auf dem richtigen Wege und ermuthigt durch den aufserordent­lichen Erfolg feines Vorfpinnapparates, brachte Martin auch einen originellen Verzugsregulator im Streckwerk für jeden einzelnen Faden zu Stande; eine Erfin­dung, welche als weittragend begrüfst und behandelt werden mufs.

Es ift vorweg ausdrücklich zu bemerken, dafs diefer Vorzugsregulator nicht etwa die normal zwifchen den Streckcylindern herrfchende Streckung je nach der Dicke des eintretenden Vorgefpinnftes wechfelt, fondern der Regulator forgt nur für eine fchwächere Drehung dickerer Fadentheile; diefe können aber im Zuftand

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