Webereimafchinen.
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wohl gerechtfertigt erfcheint. Derfelbe functionirt in Verbindung mit jener Abftellvorrichtung, welche felbftthätig beim Steckenbleiben der Schütze im Fach
einfetzt.
Der von der Schützenfpindel ablaufende Schufs paffirt vor dem Heraustreten aus der Schütze das Oehr eines zweiarmigen Hebels, welcher in Folge deffen auf diefer Seite durch die Fadenfpannung entgegen feinem Uebergewichte in gehobener Stellung gehalten wird; der andere Arm verfchliefst hierbei in feiner gefenkten Lage ein Loch in der Schützenwand, wodurch das Eintreten eines Stiftes an dem federnden Backen der Schütze verhütet wird.
Fehlt jedoch der Schufsfaden, fo fällt die Oehrfeite des Wächterhebels herab, und das Loch in der Schützenwand wird frei. Kommt daher die Schütze mit abgelaufenem oder abgeriffenem Schufs in den Kaften, fo drückt die Kaftenklappe den federnden Backen an der Schütze zufammen, und der Stuhl rückt aus gerade fo, als ob keine Schütze in dem Schützenkaften angekommen wäre.* Wie oben fchon erwähnt wurde, fpringt bei diefer Ausrückung die Lade fo weit zurück, dafs ohne weiters- alfo ohne Zurückdrehen der Lade der Schufsfaden eingelegt werden kann.
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Die Erfchütterungen während des Laufes der Schütze fichern beim Fehlen des Schuffes das Niederfenken des Wächterhebels, wenn derfelbe nicht gerade durch Staub oder verharztes Oel feftgehalten ift. Darum ift bei diefem SchützenSchufswächter auf die Reinhaltung befonders zu achten, wenn der Apparat feinen Dienft nicht verfagen foll.
Bei geringem, kurzfaferigem Eintrag verlegt fich nun allerdings der Wäch terhebel fehr leicht, wogegen der von der Sächfifchen Web ftuhl- Fabrik ( vormals Louis Schönherr) gelieferte Nadel- Schufswächter einem folchen Vorwurfe nicht ausgefetzt ift. Derfelbe repräfentirt eine ganz neue, finnreiche und bereits vollkommen ausgebildete Erfindung in der Webereibranche, der wir hier keine zweite zur Seite zu ftellen vermögen.
Schönherr's Nadel- Schufswächter ift( wie der Gabel- Schufswächter) nach dem Fühlerfyfteme eingerichtet, d. h. derfelbe fühlt nach dem Vorhandenfein des Schuffes, um bei deffen Ausbleiben fofort die Einftellung des Stuhles hervorzurufen. Dabei unterfcheidet er fich höchft vortheilhaft vom Gabel- Schufswächter und vom Schützen- Schufswächter, dafs er bei mangelndem Einfchlag während des Laufes der Schütze durch das offene Fach und im Vergleiche zum Gabel- Schufswächter auch noch ohne Rückficht auf die Zahl der von einer Seite hintereinander abgehenden Schützen abftellt. Zugleich ift der Schön herr'fche Schufswächter auch an beiden Seiten des Gewebes wirkfam und feine Einrichtung bei allem fo einfach und verläfslich, dafs er mit Recht die Aufmerkfamkeit und Anerkennung aller Sachverständigen auf fich gelenkt hat.
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Um diefe fchöne Erfindung hier wenigftens anzudeuten,** fo befindet fich auf jeder Seite des Gewebes eine nach zwei Richtungen drehbar aufgehängte, etwa 30 Millimeter von den äufserften Leiftenfäden entfernte Nadel aus fchwach gekrümmtem Stahldraht, welche während des Rückganges der Lade und vor Abgang der Schütze durch einen Mechanismus von der Hauptwelle aus fo geftellt wird, dafs der abgefchoffene Eintrag fich um die Nadel umlegen und dadurch diefelbe mit fortziehend bis zur Gewebeleifte hin verdrehen muſs.
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Gefchieht diefs, fo findet der Ausrückhebel ein Hindernifs, um den Stuhl in Stillftand zu fetzen. Fehlt aber der Schufs oder ift derfelbe zu kurz, alfo der Zug des übrig bleibenden Fadenftückes zu fchwach, um die Verdrehung der Nadel zur Gewebeleifte auszuführen fo fteht dem Ausrückhebel nunmehr nichts im
als
* Näher befchrieben und abgebildet in Dingler's polytechnifchem Journal, 1872, Band CCIII, Seite 4.
** Bezüglich der näheren Ausführung verweife ich auf meine unter den ,, Notizen aus der Wiener Weltausftellung" in Dingler's polytechnifchem Journal, 1873, Band CCX, Seite 241 u. ff. mit ausführlichen Abbildungen mitgetheilte Befchreibung. J. Z.