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Johann Zeman.
Wege, den Stuhl durch Auslöfung der Falle am Schlofsrad
dem bekannten
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fofort einzu
Zahnrad an der Hauptwelle des Schönherr'fchen Webſtuhles ftellen, ehe noch die Lade ihren Vorgang und die Schäfte das Fach zu wechfeln beginnen.
Das doppelte Abfchiefsen der Schützen, wenn zwei in gegenüber liegenden Zellen ftecken würden, ift durch die Schlagvorrichtung felbft hintangehalten. Bei Anwendung des vorftehenden Nadel- Schufswächters wird aber in einem folchen Falle der Stuhl auch fofort abgeftellt und jeder Zeit- und Arbeitsverluft vermieden.
Bevor wir weiterfchreiten, wollen wir noch über die neue und fehr hübfche Anordnung zum Feft halten der Spule in der Schütze referiren, welche die Sächfifche Webftuhl- Fabrik ebenfalls exponirt hatte.
Statt des fonft üblichen federnden Scharnierftückes am Spulenhalter ( Zwecke oder Seele) ift um ein Scharnierband drehbar ein Keil in eine Nuth der Spulenzwecke eingelaffen in folcher Weife, dafs in aufgeklappter Stellung derfelben die Spule ungehindert auf- oder abgefchoben werden kann. Schlägt man aber den Spulenhalter mit der Spule in die Schütze nieder, fo wird durch das Scharnierband in Folge der gegenseitigen Lage der Drehachfe des Scharniers und der Spulenzwecke der Keil fo weit aufwärts getrieben, dafs die Spule ftets mit grofser Sicherheit feftgehalten wird, während bisher das allmälige Schlaffwerden der Feder mancherlei Störung verurfachen konnte.*
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Ein Tuchftuhl nach Schönherr's Syftem war in der öfterreichifchen Abtheilung durch die Firma Sternikel und Gülcher in Biala, welche das Ausführungsrecht für Oefterreich erworben hat, ausgeftellt. Inwieweit die Combination diefes Stuhlfyſtems mit der Crompton'fchen Schaftmafchine, auf welche diefe Firma Patente erhoben hat, mehr als eine locale Bedeutung erlangen wird, mag die Erfahrung lehren.
Max Strakofch in Brünn hatte ebenfalls einen Buckskinftuhl mit modificirter Crompton- Schaftmafchine exponirt, welcher indefs nur einen Uebergang zu einem gründlich umgeftalteten Syftem bilden follte, mit dem fich diefer gefchickte Conftructeur feit längerer Zeit fchon befchäftigt.
Erwähnten wir die beiden letzten Ausfteller in diefem Berichte nur, um die befcheidene Betheiligung unferes Landes nicht ganz zu übergehen, fo müffen wir noch den Tuch- und Buckskinftuhl der Maschinenfabrik für mechanifche Weberei von Möhring& Comp. in Berlin wegen feiner Einfachheit und mancher gelungenen Conftructions details einer näheren Beachtung würdigen.**
Die Ladenbewegung erfolgt durch Excenter, und die Regulirung der Aufwindung durch einen Schneckenregulator. Die Schützen werden durch eine nahe dem Boden ausgeftreckte Spiralfeder abgefchnellt.
Der Schützenwechfel gefchieht in bekannter alter Weife durch Hebung der Wechſelkäften mittelft je einer neben der Stuhlwand angebrachten Mufterkette.
Sinnreich und für uns neu ift die Schaftmafchine eingerichtet. Je ein Flügel hängt oben und unten zwifchen zwei Schafthebeln, deren jeder mit einer Platine, welche rücklings aneinander geftellt werden, verbunden ift. Durch Anwendung von zwei nach entgegengefetzten Richtungen fich bewegenden Mefferrahmen wird ein volles offenes und reines Fach gebildet rein, da die Meffer in Folge der an den Mefferrahmen angebrachten Verzahnung und darin eingreifenden feften Getrieben eine geneigte Lage annehmen und die hinteren Schäfte höher heben.
Einen würdigen Abfchlufs diefer allerdings lückenhaft, aber nach dem vorliegenden Berichte denn doch nicht ganz fo dürftig befchickten Maſchinenclaffe,
* Beschreibung mit Abbild. in Dingler's polytechn. Journal, 1873, Bd. CCX, S. 338. ** Bis auf die Schaftmafchine und eine etwas veränderte Schützenbewegung findet fich diefer Stuhl von Dr. H. Grothe befchrieben und abgebildet in der Zeitfchrift des Vereins der Wollintereffenten Deutfchlands", 1870, Seite 121 und Tafel VI.