Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induftrie.
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In keinem Induftriezweige konnte die Brennftoff- Erfparnifs weitergehende, national- ökonomifche Vortheile bieten als gerade hier. Nimmt man fchätzungsweife die jährliche Leiftung eines der beftehenden Ringöfen nur mit 3 Millionen Steinen an( es gibt deren folche, die neun bis zwölf Millionen Ziegel im Jahre brennen, wie folche beifpielsweife in Inzersdorf bei Wien zu fehen find) und die BrennftoffErfparnifs per taufend Ziegel nur mit 600 Pfund Kohle, fo ergibt fich ein jährlicher Minderverbrauch von achtzehn Millionen Centner Kohlen im Werthe von neun bis zehn Millionen Gulden, welche jährlich für andere Induftriezweige disponibel gemacht werden.
In Oefterreich war es bekanntlich Heinrich v. Drafche, welcher, nachdem er die treffliche Wirkungsweife des Hoffmann'fchen Brennapparates erkannt, für die Einführung desfelben auf feinen grofsartigen Ziegeleien zu Wien und Peft mit allen Mitteln eintrat. In gleicher Weife gab feine Gefchäftsnachfolgerin, die Wienerberger Ziegelfabriks- und Baugefellſchaft dem Ringofen- Betrieb eine weitere, bis jetzt noch nirgends fonft erreichte Vollkommenheit. Mit der, in den letzten Jahren immer weiter um fich greifenden Anwendung der Ringöfen, hat die Ausbildung derfelben fowohl im Bau als auch im Betriebe gleichen Schritt gehalten.
Die urfprünglich kreisrunde Form des Ofenringes hat vielfach, nicht gerade principiell geänderten, aber durch locale Verhältniffe bedingten Grundrifs- Formen weichen müffen. Für Oefen in gröfseren Dimenfionen hat fich, angeregt durch die in den vereinigten Wienerberger Fabriken durchgeführten Verfuche, namentlich die langgeftreckte Form, fowie die Anwendung zweier hinter einander wandernder Feuer im Ofenringe feit einigen Jahren eingebürgert.
Die Conftruction von Glocken mit eingefetzten Kegeln zum Abſchluſs der Rauchcanäle anftatt der einfachen, urfprünglichen Glockenverfchlüffe, hat die exactefte Regulirung des Zuges ermöglicht und die Sicherheit des Betriebes damit wefentlich erhöht.
In vielen Fällen hat fich der Betrieb des Hoffmann'fchen Ofens auch unter Aufgeben des Principes der Continuität bewährt, natürlich aber unter Beibehal tung der demfelben eigenthümlichen Befeuerungsweife.
So vollkommen der Ringofen als Brennapparat angefehen werden mufs, fo find doch an demfelben noch Wärmeverlufte zu beobachten, deren Vermeidung wünfchenswerth erfcheint. Die auf der Weltausftellung vorgeführten RingofenModelle Hoffmann's veranfchaulichen die Art und Weife, wie diefe Verlufte künftig in der Praxis zu umgehen find.
Befonders find es zwei neue Organe des Ringofens, welche in diefer Richtung Erwähnung verdienen der Schmauchcanal, um das Trocknen, Vorwärmen und Ausfchmauchen der Steine durch die warme, trockene, den zu entleerenden Kammern entftrömende Luft zu bewerkstelligen, und die Trockenkammern, um das, durch Strahlung aus den Ofenwänden entweichende Wärme quantum zum Trocknen von Steinen zu benützen, und zwar in derfelben continuirlichen Weife, wie es beim Brennen gefchieht, und mit diefem Schritt haltend.
Der Schmauchcanal geftattet unter Anwendung dreier Schieber zur Sper rung des Ofencanales neben einem Gewinn von Wärme, die Ziegel in einem nicht ganz trockenen Zuftande einzubringen, ohne dafs fie namentlich in ihrer Farbe leiden, da fie während des Beginnes des Schma uchproceffes von den mit Wafferdämpfen gefchwängerten Feuergafen abgefchloffen find. Der Schmauchcanal hat in befriedigendfter Weife das Problem gelöft, auch zartere Objecte, wie Verblendfteine und Bauornamente fehlerfrei zu brennen.
Die Trockenkammern geftatten den Betrieb einer Ziegelei räumlich und in Bezug auf Handarbeit auf ein Minimum zu reduciren. Eine Reihe von Vorfchlägen Hoffmann's, die Vortheile des Ringofen- Betriebes auch auf andere keramifche Proceffe als das Brennen von Ziegeln zu übertragen, wie das Auffchmelzen von Glafuren, die Erzeugung gefalzener Steinzeug- Röhren, fchwarz gedämpfter Ziegel,