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Dr. Emil Teirich.
zarter Ornamente und dergl. haben endlich auch noch zu Conftructions weifen feines Ofens geführt, auf die einzugehen wir uns hier verfagen müffen.
Die durch die Bemühungen einer beutegierigen Concurrenz leider in Preufsen und in Oefterreich durchgefetzte Aufhebung des Hoffmann'fchen Privilegiums kurz vor deffen nahe bevorstehendem Ausgang hat in technifchen und juridifchen Kreifen viel Staub aufgewirbelt. Und mit Recht, denn nie wurde gröfseres Verdienft in fchnöderer Weife mifsachtet, nie wohlerworbene Rechte rückfichtslofer mit Füssen getreten als bei diefem, in der Gefchichte der Privilegien zum Glücke beiſpiellofen Proceffe.
Zu den vielen Nachbildungen, welche der Hoffmann'fche Ofen erfahren hat, und die ihr Entftehen urfprünglich nur dem Bemühen verdanken, das feinerzeit noch beftandene Privilegium zu umgehen, ift auch jener Ofen von Paul Loeff, Baumeifter in Berlin, zu erwähnen, dem wir auf der Ausftellung begegneten.
Der Form fowie den Details in der Ofenconftruction nach find Hoffmann's Ideen völlig beibehalten und die von Loeff angewandten Abänderungen der Hoffmann'fchen Bauweife gereichen dem ganzen Apparate kaum zum Vortheile. Hier wie dort treffen wir auf den continuirlichen Ofencanal den beweglichen eifernen Schieber zur Trennung der Kammern, die Abzugscanäle nach einem gemeinfamen Rauchfammler, der nach einem ifolirt ftehenden Schornftein führt. Die Grundform des Ofenringes ift die Oblonge, die Heizung gefchieht durch Oeffnungen im Gewölbe der Kammern ohne befondere Feuerftelle. Was wir aber an Loeff's Ofen vermiffen, das ift die äufserft folide, conftructiv fo fehr durchdachte Bauart Hoffmann's, die Wärmeverlufte durch Strahlung und Mittheilung vermeiden läfst und den ganzen Brennapparat vor den zerftörenden Wirkungen des fortwährenden grellen Temperaturwechfels fchützt.
Mit einem Worte, wir halten Loeff's Ofen für einen unvollkommenen Hoffmann'fchen Ringofen, deffen Herftellungskoften vielleicht um weniges verringert wurden, ein Vortheil, der fich jedenfalls theuer genug bezahlt macht, wenn nach kurzer Betriebszeit koftfpielige und durchgreifende Reparaturen nöthig werden.
Zum guten Theile gilt das eben Gefagte auch von dem Ringofen von Benno Schneider in Berlin, der fich womöglich noch enger an den Hoffmann'fchen Ofen anfchliefst. Auch hier haben wir alle wefentlichen Beftandtheile des Originales gefunden. Der Ofen ift 18kammerig, jede Kammer mit einem Kuppelgewölbe gefchloffen und von der nächften mittelft durchbrochener Scheidewände getrennt, unter denen aufserdem ein Canal die Communication der Feuergafe vermittelt, wenn die Gitterwand durch Sandfchieber abgefchloffen wird. Der Rauchfammler ift getheilt in zwei, oben am Ofen liegende Canäle und fteht durch ebenfolche mit jeder Kammer in Verbindung. Der Schornftein ſteht in Mitten des Ofens. Die Feuerung gefchieht feitlich mittelft Roften, welche vertieft unter der Ofenfohle liegen. Jede Kammer hat eine einzige Feuerftelle. Ein Exemplar diefes Ofens fteht in Baden bei Wien im Betriebe.
Auch von diefer Conftructionsweife ift wenig mehr zu erwarten als von allen anderen mit ähnlicher Feuerung. Keinesfalls ift diefe, dem Hoffmann'fchen Ofen gegenüber fogar complicirtere Anordnung als ein Fortfchritt in unferer Ofenbaukunft anzufehen. Die bei Wien mit dem Ofen erzielten Refultate find, wenn auch nicht geradezu ungünftig, doch auch wieder nicht fo encouragirend, dafs wir die Anlage diefes Syftemes befürworten könnten.
Ein ganz eigenthümlicher und von den bisher behandelten völlig verfchiedener Brennapparat ift jener von A. Morand in Broocklyn U. S. A.
Eine Reihe von 5 bis 6 Kammern ſteht durch je zwei Längscanäle unter dem Boden und zwei ebenfolche ober dem Gewölbe mit einander fo in Verbindung, dafs durch die oberen Canäle aus jeder Kammer die feuchten Schmauchgafe und Rauch nach dem Schornfteine feparat abgeführt werden können, während die unteren dazu dienen, einerfeits die heifsen Feuergafe nach demfelben zu bringen,