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Maschinen zur Bearbeitung der Metalle : (Gruppe XIII, Section 2) ; Bericht / von Carl Pfaff
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Carl Pfaff.

Deutfchland.

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Deutfchland war im Mittelalter auf dem Gebiete der mechanifchen Künfte allen andern Ländern weit vorangeeilt. Durch die unglücklichen Kriege jener Epoche aber wurde es in feiner Entwicklung fo einfchneidend und nachhaltig geftört, dafs es von England überholt und auf dem Felde der Induftrie gänzlich in den Schatten geftellt werden konnte.

Die Vortheile, welche England in feiner politifchen Verfaffung, feinem Seehandel und in feinen Rohmaterialfchätzen befafs, ficherten ihm diefen Vor­fprung ganz entfchieden bis vor kurzem, und wir fehen heute, dafs Deutfchland in dem Maafse, als es fich ähnliche Vortheile errungen hat, auch den Kampf auf dem Gebiete der Induftrie mit Eifer und Beharrlichkeit aufnimmt.

Eine leitende Stelle wird es fich aber erft dann erringen können, wenn fich feine politifchen Verhältniffe bewähren und befeftigen, fein Handel fich ausdehnt und ihm nach und nach auch jener Reichthum zu Theil wird, den fich England durch feine Induftrie erworben hat.

Als innig befreundete und verbündete Nachbarn nehmen wir den wärm­ften Antheil an Deutſchlands induftriellen Beftrebungen, und indem wir uns fagen, dafs feine Wege hierin unbedingt auch die unferigen fein müffen, betrachten wir feine Erfolge mit dem gröfsten Intereffe.

Bei der Beurtheilung der ausgeftellten Mafchinen, müffen wir uns ftets gegenwärtig halten, dafs die Bedürfniffe, wenn wir fo fagen dürfen, die Vorwürfe zu den Conftructionen zumeift und in lebhaftefter Weife in England zu Tage treten und daher auch dort zuerft gelöft werden. Deutfchland empfängt dann fchon fertige Conftructionen und kann fie nur nachahmen, vervollkommnen und feinen Bedürfniffen anpaffen.

Diefs ift wenigftens die gegenwärtige Lage der Dinge. Es ist aber noch nicht zu lange her, dafs Deutſchland gezwungen war, nicht nur die Conftructionen, fondern fogar die fertigen Mafchinen von England zu beziehen, und wir müffen bei der Beurtheilung der heutigen deutſchen Maſchineninduftrie aufser diefen Umständen ihre verhältnifsmäfsige Jugend und ihr mühevolles Entſtehen berück­fichtigen und fchon ihr blofses Dafein als einen grofsen Fortfchritt betrachten.

Der jüngfte Zweig der deutfchen Mafchineninduftrie ift aber der als Speciali­tät betriebene Bau von Werkzeugmaschinen, mit denen wir es hier zu thun haben. Wenn auch fchon in früheren Jahren einzelne Firmen fich mit diefem Artikel befchäftigen, wie z. B. Haman in Berlin und Mannhardt in München, fo konnten fie es doch zu keiner rechten Entwicklung bringen, und es datirt der deutſche Werkzeugmafchinenbau erft von den Fünfziger Jahren unferes Säculums her.

Um diefe Zeit fand ein grofser Auffchwung der Eifen- und Mafchinen- Indu­ftrie in Deutſchland, namentlich in Weftphalen und Oberfchlefien ftatt, welcher den Impuls dazu gegeben haben mag, die nöthigen Werkzeuge im Lande felbft zu bauen. Hauptfächlich war es Chemnitz in Sachfen, wo man fich demfelben zuerſt hingab, und mufs wohl der dortige Maſchinenfabrikant Johann Zimmermann als derjenige genannt werden, der zuerft den Bau von Werkzeugsmaschinen als felbftftändige Specialität organifirte und, freilich nach englifchen Muftern, folche