Maſchinen zur Bearbeitung der Metalle.
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Werkzeugmafchinen baute, die allen Anforderungen entſprachen und den Bezug derfelben von England unnöthig machten Zimmermann hielt fich in Allem an gute englifche Vorbilder, die er in confequenter Weife nach feinem Style umformte oder, wenn man fo fagen darf, überfetzte, und erreichte dadurch, fowie durch ausgezeichnete Ordnung in feinem Gefchäfte grofsartige Erfolge. Ferner müffen wir hier noch Richard Hartmann in Chemnitz nennen, welcher zwar fchon früher Werkzeugmafchinen gebaut hatte, diefes Gefchäft jedoch erft nach Zimmermann's glücklichem Auftreten zur bewussten Specialität ausbildete und fo zu deffen weiterer Entwicklung beitrug.
Es ift ganz natürlich, dafs fich alsbald zahlreiche Nachahmer fanden, welche fich jedoch nicht damit begnügten, den Bau von Werkzeugmafchinen, die ein gefuchter Artikel geworden waren, bei fich einzuführen und nach eigenem Wiffen und Können weiter auszubilden, fondern meift foweit gingen, geradezu die couranten Chemnitzer Modelle zu copiren, fo dafs fich eine förmliche Schule bildete, welche wir die Chemnitzer Schule nennen wollen.
Diefe ift über einen grofsen Theil von Nord- und Mitteldeutfchland verbreitet und nur wenige gröfsere Firmen bewegen fich in mehr felbftftändiger Richtung, wie z. B. Collet& Engelhard in Offenbach, Gfchwindt& Co. in Carlsruhe und Heilmann Ducommun& Steinlen in Mühlhaufen. Alle übrigen ftehen mehr oder weniger unter dem Einfluffe deffen, was in Chemnitz gemacht wurde, und wir dürfen wohl der Befchreibung der deutfchen Werkzeug maſchinen einige Auseinanderfetzungen über die Chemnitzer Schule vorausfchicken.
Die Formen derfelben find durchwegs den beften englifchen Muſtern nachgebildet und ziemlich confequent ftylifirt, ohne jedoch die einfache, ungefuchte Eleganz ihrer Vorbilder zu erreichen. Sie find etwas fteif und entfchieden zu eckig fowohl im Verlauf ihrer Hauptlinien, als auch in den Querfchnitten. Die Maſchinen find durchwegs leichter gehalten, als die englifchen, und verrathen überall die Tendenz zu fparen. In der Conftruction haben fich nach und nach gewiffe Typen herausgebildet, von denen wir hier einige der wichtigften befpre
chen wollen.
Typen der Chemnitzer Schule.
Die Spindelftöcke der Drehbänke find faft ausfchliefslich fo conftruirt, wie wir fie fchon früher unter der Bezeichnung gewöhnliche Spindelftöcke mit konifchen Lagern" gefchildert haben und befitzen zum Aufftecken der Wechfelräder Reverfirvorrichtungen oder fefte Wechfelbolzen. Die Körner der Spindelund Reitftöcke find in langen, fchwach konifchen Bohrungen gehalten und haben an der Stelle, wo fie aus diefen hervortreten, feine Gewinde angefchnitten. Eine hierauf paffende Mutter, welche jeder Drehbank beigegeben wird, dient dazu, um die Körner aus ihren Sitzen hervorzuziehen, ohne dafs, wie diefs bei unordentlichen Leuten üblich ift, die Körner durch Hammerfchläge gelockert werden. Es iſt diefs eine höchft einfache Anordnung, welche allgemeine Nachahmung verdient.
Die Reitftöcke, faft durchgehends mit Vorrichtungen zum Verfchieben beim Konifchdrehen, ausgerüftet, haben eine von der englifchen abweichende Conftruction. Sie find charakterifirt durch die in gleicher Stärke verlaufenden Stöfse, welche fehr lang und an ihren rückwärtigen Enden mit dem zur Verftellung nöthigen Gewinde verfehen find. Das Muttergewinde ift in die Nabe des Handrades gefchnitten, welches durch einen eingreifenden zweitheiligen Deckel in einer Erweiterung am rückwärtigen Ende der Hülfe drehbar feftgehalten wird. Das Feftftellen des Stofses erfolgt durch Zufammenpreffen der am vorderen Ende einfeitig aufgefchlitzten Reitftockhülfe.
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