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Maschinen zur Bearbeitung der Metalle : (Gruppe XIII, Section 2) ; Bericht / von Carl Pfaff
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Carl Pfaff.

schnittlichen Charakter ihrer Producte nicht täufchen, denn ebenfo wie wir aus der Art eines Feiertagsgewandes und der Manier, wie es getragen wird, auf den Alltagsanzug eines Menfchen ſchliefsen, thun wir diefs auch aus der Ausftellungs­arbeit auf die gewöhnliche einer Fabrik.

Von keinem der bisher befprochenen Ausfteller können wir behaupten, dafs er nicht ebenfogut das herkömmliche Plus für die Ausftellung gethan, wie die Chemnitzer Werkzeugmafchinenfabrik, und dürfen, unter gebüh­render Berücksichtigung des eben Gefagten, ihre Ausführung den beften unferer Zeit anreihen.

Unter den ausgeftellten Mafchinen nahm eine grofse Mafchine zum Hobeln von Stirn- und Schrägrädern den erften Platz ein. Sie ist jedoch fo grofs, dafs fie nur in wenigen Fällen zur Anwendung kommen kann und überdiefs in Armen­goud's Publications induftrielles fo ausführlich dargeftellt und befchrieben, dafs wir füglich auf diefe Quelle verweifen können.

Räderdrehbank.

Die Räderdrehbank, Fig. 94( Taf. XXXIV), ift für Wagen und Tenderräder beftimmt und hat 660 Millimeter Spitzenhöhe. Das Bett ift nicht fehr ftark und hat zur Befestigung der Spindelftöcke und Suportplatten ftatt der in England üblichen förmigen Schlitze vorfpringende Leiften, welche von hakenförmigen Schraubenköpfen umfafst werden. Diefe Anordnung läfst fich mit weniger Mate­rial und geringerer Arbeit durchführen, als die engliſche, ſteht ihr aber im prakti­fchen Werthe nach.

Der fefte Spindelftock hat die vollſtändige Einrichtung eines gewöhnlichen, für die mittelgrofsen Drehbänke üblichen, mit Stufenfcheibe und Räderüberfetzung. Von der nicht auslösbaren Vorgelegewelle aus kann durch ein kleines Getriebe und ein verfchiebbares Zwifchenrad die Bewegung auf das Ueberfetzungsrad der durchgehenden Bodenwelle übertragen werden, welche mittels ihrer Getriebe die beiden Zahnkranzplanfcheiben antreibt. Von den Getrieben der Bodenwelle ift nur das im feften Spindelftocke auslösbar, das im lofen aber nicht, indem feine Bewegung durch Verſchieben des fchon erwähnten Zwifchenrades fiftirt werden kann. Die Zahnkränze der Planfcheiben find angefchraubt und nicht angegoffen, welch letzteres wir allerdings vorziehen würden. Aus der gefchilderten Einrichtung der Räderüberfetzungen geht hervor, dafs unfere Räderdrehbank drei verfchiedene Ueberfetzungsverhältniffe für das Arbeiten darbietet, und da die Stufenfcheibe fünf Abfätze hat, im Ganzen 15 Gefchwindigkeiten, welche es geftatten, alle vor­kommenden Arbeiten vortheilhaft auszuführen. Dabei ift es auch möglich, nicht nur beide Planfcheiben mit gleichen, fondern auch mit verfchiedenen Gefchwin­digkeiten gleichzeitig laufen zu laffen, oder eine von ihnen gänzlich abzuftellen. Nur die Abftellung der Planfcheibe des lofen Spindelftockes ift unmöglich, wenn die des feften gleichzeitig mit der kleinften Gefchwindigkeit laufen foll.

Die Stufenfcheibe des feften Spindelftockes ift direct auf der Hauptfpindel desfelben angebracht und kann diefe ohne Räderüberfetzung treiben, wobei das Getriebe auf der Vorgelegewelle durch Verfchieben aufser Eingriff gebracht wird, diefs gibt die gröfste Gefchwindigkeit, an welcher der lofe Spindelftock jedoch nicht theilnehmen kann. Ebenfo kann die Spindel des feften allein durch die Stufenfcheibe und eingelöfte Räderüberfetzung betrieben werden. Beide Ge­fchwindigkeiten dienen zum Reguliren von Achfen und Ausbohren von Radnaben und functionirt bei erfterer der lofe Spindelftock nur als Reitftock, bei letzterer ift er entweder aufser Gebrauch oder wird mit geringerer Tourenzahl zum Aus­drehen von Tyres etc. betrieben Die kleinften, zum Abdrehen der Räder nöthi­gen Gefchwindigkeiten werden durch die zuerft erwähnte Ueberfetzung und die Bodenwelle auf beide Planfcheiben zugleich übertragen. Der lofe Spindelftock