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Carl Pfaff.
Wange befindet fich ganz diefelbe Scheere mit Bolzen zur Aufnahme verfchiedener Wechfelräder, wie fie fonft nur für die Leitfpindel angewendet und in der That auch am vorderen Ende des Bettes vorhanden ift. Von dem Scheerenlager aus erftrect fich, nur durch eine Reverfirvorrichtung mit konifchen Rädern unterbrochen, eine genuthete Welle längs der Rückfeite des Bettes bis an den Ausfchnitt desfelben, und fteuert durch die gewöhnliche Schneckenüberfetzung den Suport der Quere nach. Die Bewegung wird von der Leitfpindel entnommen, welche in diefem Falle als Transmiffionswelle functionirt. Es kann nun mit diefer Einrichtung Plan gedreht werden, wenn die Verbindung zwifchen Schlitten und Leitfpindel aufgehoben, erfterer feſtgeſtellt und der Schneckenantrieb eingelöft ift. Ebenfo gut kann aber auch konifch gedreht werden, wenn beide Bewegungen gleichzeitig ftattfinden und der Grad der Conicität wird fich ftets nach dem Ueberfetzungsverhältniffe der rückwärts aufgefteckten Wechfelräder richten, woraus umgekehrt der Vortheil refultirt, dafs durch Anwendung der gleichen Räder ftets die gleiche Conicität erzielt wird.
Im Uebrigen haben wir von der vorliegenden Drehbank noch zu fagen, dats die Schlofsmutter halb, aber fehr lang ausgeführt und die Leitfpindel zur Aufnahme des hieraus entſtehenden Seitendruckes durch öftere Lagerung und halbkreisförmige Unterſtützungen verfteift ift. Der Handtransport des Schlittens gefchieht durch ein in die Leitfpindel eingreifendes Getriebe. Der Reitftock zeigt die ältere englifche Form und hat Arretirung des Stofses durch Zufammenpreffen der einfeitig gefchlitzten Hülfe.
Der Ausfchnitt des Bettes hat keine Platte zur Ausfüllung oder Ueberbrückung, fondern der Suportfchlitten ift fo lang und kräftig gehalten und die Breite des Ausfchnittes fo gewählt, dafs der Suport bis ganz nahe an die Plan fcheibe heran gebracht werden kann, ohne feine gute Führung zu verlieren.
Horizontalbohrmaſchine.
Die ausgeftellte fchöne Horizontalbohrmaschine finden wir in Fig. 104 und 105( Taf. XLI) dargestellt. Zu diefer Mafchine gehören noch eine breite und lange Platte, welche zum Auffpannen der Arbeitsftücke dient und zwei Lagerftänder zur Unterſtützung der Bohrfpindel. Sie waren jedoch nicht mit ausgeftellt, weil fie als einfache Stücke kein Intereffe erregen, fondern nur den Platz verftellen konnten. Die Platte, deren Anfang wir in Fig. 104 zeigen, wird mit dem Anfatz des Bettes verbunden und mit diefem auf gemeinfchaftlichem gemauerten Fundament niedergefchraubt. Die Mafchine felbft befitzt einen Bohrftänder, welcher fich auf einem langen Bette hin- und herfchieben läfst. An dem Ständer ift der Bohrzeugträger vertical verftellbar und durch beide Bewegungen kann die Bohrfpindel in alle Punkte innerhalb eines Rechteckes von beiläufig 4000 Millimeter Länge und 1500 Millimeter Höhe gebracht und dort betrieben werden, fo dafs es möglich ift, die Arbeitsftücke direct und ohne Unterlagen aufzufpannen und die Bohrfpindel in das Mittel der zu machenden Bohrung einzuftellen.
Gegenüber den Syftemen, Lager am Arbeitsftücke felbft anzufchrauben und in diefen die Bohrfpindel auszurichten, oder die Arbeitsftücke nach eingelagerten Bohrfpindeln aufzufpannen, hat das der vorliegenden Mafchine den Vortheil der rafchen und leichten Einftellung, aber auch noch den gröfserer Präzision, weil bei den erfteren die ftets veränderlichen Holzunterlagen kaum vermieden werden können.
Unfere Mafchine kann in zweierlei Weife betrieben werden, und zwar als Bohrmafchine, wobei die horizontalen und verticalen Verfchiebungen nur zum Einftellen der Bohrfpindel benützt werden oder als Fraismafchine, wobei eine der beiden Verfchiebungen gleichzeitig mit der Drehung der Bohrfpindel in Thätigkeit ift. Beim Bohren fteht alfo das Mittel der Bohrfpindel ftill, und diefe wird