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Carl Pfaff.
verurtheilt werden. Ueberhaupt bietet die Abnahme folcher feft aufgekeilter Kuppelungen, zu denen meift nur auf fchwankenden Gerüften zu gelangen ift, fo grofse Schwierigkeiten, dafs man in neuerer Zeit fyftematifch darauf verzichtet und lieber alle Riemenfcheiben, Räder etc. aus zwei Theilen macht, um fie ohne Weiteres auf die Wellen bringen oder abnehmen zu können.
Die Kuppelung von Sellers hat keinen der erwähnten Nachtheile, fie macht auch keine folchen Anfprüche an die Ausführung, fondern verbindet fogar zwei Wellen, deren Enden nicht genau gleiche Durchmeffer haben, vollkommen feft und concentrifch. Sie ist in den Fig. 171 und 172 dargestellt und befteht aus
Fig. 171
einer äufserlich cylindrifchen Hülfe, welche innen von beiden Seiten her kegelförmig ausgedreht ift. In diefe Hülfe paffen zwei kegelförmig abgedrehte Büchfen, die nach dem Wellendurchmeffer cylindrifch gebohrt find und deren jede ein Wellenende aufnimmt. Durch die äufsere Hülfe und die kegelförmigen Büchfen gehen drei rechteckige Nuthen, in denen ebenfolche Bolzen liegen, die auf der einen Seite in einen Kopf, auf der anderen in ein Schraubengewinde auslaufen und durch Muttern gezogen werden können. Eine der drei Nuthen in jeder Büchfe ift vollends bis zum Grunde fortgefetzt und bildet einen offenen Schlitz, durch deffen Vorhandenfein die Büchfe zu einer federnden wird. Ift nun in jede Büchfe ein Wellenende gebracht und werden die Schraubenmuttern der Bolzen angezogen, fo werden auch die Büchfen etwas zufammengeprefst und halten die Wellen feft. Damit aber nicht die ganze Wirkung durch das Anpreffen erfolgen mufs, ift noch auf jeder Seite ein Keil angebracht, der aber nur an den fchmalen Seitenflächen und nicht an den breiten Flächen oben und unten anliegt.
Wie das Schliefsen,
fo erfolgt auch das Löfen einer folchen Kuppelung ohne jeden Hammerfchlag. Nachdem die Muttern gelöft und die Bolzen herausgenommen find, wird in der Mitte eine Schraube in die äufsere Hülfe eingeführt, deren fchlank konifche Spitze zwifchen die Büchfen eindringt und fie aus einander fchiebt,
Fig. 172.
worauf alle Theile mit der Hand abgenommen werden können. Man kann eine derartige Kuppelung beliebig oft löfen und wieder fchliefsen, immer wird fie ihre urfprüngliche Bedingungen wieder erfüllen und die Wellen feft und concentrifch verbinden.
Aus diefem Grunde ift es auch nicht nöthig bei ihrer Anwendung die Lager mit einfeitigen Armen zu machen, da man alle Wellen leicht durchziehen kann; ebenfo ift es möglich, Riemenfcheiben oder Räder im Ganzen aufzubringen. Letztere kommen nun allerdings in Amerika bei Transmiffionen faft gar nicht vor, da alle Antriebe und Ueberfetzungen durch Riemen beforgt werden. Wir würden auch für diejenigen Theile, welche durch Räderwerk betrieben werden müffen, und welche ja doch nur an den beffer befeftigten Punkten vorkommen und als Ausgangsftellen betrachtet werden können, nicht die Sellers'fchen Lager, fondern gewöhnliche fefte anwenden, dagegen alle weiteren Fortfetzungen nur nach Sellers' Syftem ausführen.
Die Riemenfcheiben bringt Sellers im Ganzen auf und befeftigt fie nicht mit Keilen, fondern mit Stellfchrauben. Ihre Kränze find fehr dünn, die Arme gerade und von ovalem Querfchnitt, das Ganze, Fig. 173, fehr leicht und gefällig.