Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel.
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Erfindung in die entlegenfte Urzeit hinaufreichen und vielleicht nicht viel jünger als die Erfindung des Feuerzündens, unter allen Umftänden aber der Erfindung der Speichenräder vorausgegangen fein.
Die Pfahlbauten- Funde haben durch Conftatirung des Ackerbaues bei den paläolitifchen Pfahlbauern damit auch die gleichzeitige Exiftenz des prähiftorifchen Fuhrwerkes nachgewiefen. Dafs die bisherigen Funde keine Fragmente von unzweifelhaften Wagenbeftandtheilen zu Tage gefördert haben, kann nicht dem abfoluten Abgange diefer Objecte überhaupt zugefchrieben werden, da die Pfahlbauten doch nur während einer verhältnifsmäfsig fehr kurzen Jahreszeit ihrem präfumtiven Zwecke entſprechen und in diefem Falle höchftens als Sommerfrifchen benützt werden konnten, während die eigentlichen Wirthschaftsgebäude mit den Ackergeräthen und Fuhrwerks- Utenfilien am Ufer ftunden.
Ueberdiefs fetzte der Bau der uns bekannt gewordenen Pfahlbauten an und für fich die Anwendung irgend eines wenn auch noch fo primitiven Fuhrwerkes voraus; diefes durfte namentlich nicht fehlen bei der den Pfahlbauten fo eigenthümlichen Dammanfchüttung im tiefen Waffer und mag auch das Geheimnifs diefes wichtigen Zweiges der Bautechnik von diefer fo entlegenen Urzeit herab durch eine wohlwollende mündliche Ueberlieferung bis auf die recenten Trieftiner Hafenbauten, wenn auch da mit weniger Erfolg verpflanzt worden fein.
Die erften beglaubigten hiftorifchen Documente über Wagen verdanken wir dem chamitifchen Menfchenftamme in Egypten, wo der Phra- on Khoufou ( Cheops) beim Bau feiner Pyramide 4230 bis 4200 Jahre vor unferer Zeitrechnung die Scheibenräder- Fuhrwerke, fowie bei feinen zahlreichen gegen die Mentus auf der finaitifchen Halbinfel unternommenen Feldzügen auch bereits die mit Speichenrädern verfehenen, durchwegs aus Metall conftruirten Streitwagen zur Anwendung brachte, wie diefs auf den bei Oudy- Maghera in Porphyrfelfen gehauenen und gegenwärtig noch wohl erhaltenen bildlichen Darftellungen erfichtlich fein foll.
Eine aufserordentlich wichtige Rolle ift dem Wagen in feiner Eigenfchaft als Kriegsmafchine bei den Indogermanen zugefallen und Niemand geringerer als Homer führt denfelben bei Belagerung von Ilium 1200 vor Chr. in die Gefchichte der verfchiedenen Völker diefes Stammes ein.
Die einzelnen, den hervorragendften Führern gehörigen, durchgehends aus Bronce und Eifen** hergeftellten und mit Speichenrädern verfehenen griechifchen und trojanifchen Streitwagen( die überwiegende, Mehrzahl davon war Diphros, nämlich mit zwei ausgemittelten Plätzen und zwar für den Streiter ὁπλίτης" und den danebenftehenden Fuhrmann παραβάτης") fowie das Material und die Verzierungen aller Wagenbeftandtheile werden in dem unfterblichen Epos mit grofser Gewiffenhaftigkeit der Nachwelt überliefert.
* Sollte die von Friedrich v. Hellwald in deffen neuefter Publication ,, Der vorgefchichtliche Menfch", Band I, Seite 229 und Band II, Seite 322 gebrachte Abbildung und Erläuterung nach dem Dafürhalten diefes ausgezeichneten Forfchers wirklich ein in den Pfahlbauten am Lago maggiore bei Mercurago gefundenes Wagen rad darftellen, fo wäre damit die Kenntnifs des Wagenbaues fowie der Gebrauch der Fuhrwerke bei den fubalpinen Pfahlbauern unwiderlegbar documentirt.
Da bei diefem aus Birkenholz conftruirten Wagenrad bereits der Anfatz zu einer Radnabe fowie zwei primitive Radfpeichen deutlich zum Vorfchein kommen follen, fo müfste in Folge diefes höchft intereffanten Fundes überdiefs angenommen werden, dafs der mühfame Uebergang von Scheiben- zu Speichenrädern fchon während der Pfahlbauten- Zeit begonnen habe.
** Das aus den Erzen fo fchwer zu gewinnende Eifen kommt verhältnifsmäfsig fehr frühzeitig bei den verfchiedenen Völkern zur Verwendung, wefswegen von competenten Forfchern die in unglaublichen Quantitäten während der Urzeit auf der Planetenoberfläche angefammelten Meteor- Eifenftücke als das allgemein benützte Eifenmagazin der Vorzeit angenommen werden. Diefs ift um fo wahrfcheinlicher, als ja vor nicht gar langer Zeit ein grofser Theil der Einwohner des Arvaer Comitates in Oberungarn den Eifenbedarf für Hufeifen, Radreifen u. f. w. mehrere Jahre hindurch einem ftattlichen bei Arva gefallenen Meteor- Eifenblocke zu entnehmen pflegte.