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Strassen-Fuhrwerke und andere Transportmittel : (Gruppe XIII, Section 5) ; Bericht / von M. B. Rideli, Ing. in Wien
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M. B. Rideli.

Vorwärtsbewegung der erften prähiftorifchen Wagen durch Anfchieben von rück­wärts ftattfinden mufste, wobei der Herr der Schöpfung in Perfon oder durch feine Familienangehörigen die lebendige Kraft während einer ftattlichen Reihe von Jahrtaufenden beizuftellen bemüffigt war. Die Langwied" dürfte dem­nach bei einem vierrädrigen Wagen ein viel höheres Alter haben als die­,, Deichfelft ange".

Diefe Sachlage mufste auf die Länge fehr drückend und befchwerlich geworden fein, wie diefs aus dem grofsen in Griechenland entstandenen Jubel hervorgeht, als es Prometheus gelang, die erften Pferde vor den Wagen zu fpannen. Durch Zuführung diefes ebenfo ftarken als fleifsigen und an Nützlichkeit: nur dem fpäter gebändigten Rinde nachftehenden Mitarbeiters hat diefer im Alterthum fo hoch gefeierte Heroe unferen viel geplagten Urahnen nicht viel weniger Erleichterung verfchafft als durch feine, allerdings bei weitem wichtigere Erfindung des Feuerzündens.

Prometheus fcheint anfänglich blofs zwei Roffe vorgefpannt zu haben, denn es entſtand ein weiterer Jubel, als Erichtonius bei den Panathäneifchen. Spielen zuerft mit einer Quadriga erfchien und den Preis gewann.

Primus Erichthonius currus et quatuor aufus

Jungere equos rapidisque rotis infiftere victor. ( Virg. III Georg.)

Die darüber entstandene Freude war fo allgemein, dafs Erichthonius, wahrfcheinlich in Ermanglung einer einträglichen vacanten Sinecure bei einer Transportgefellſchaft, mit der damals üblichen höchften Auszeichnung", deren. Vorrath gegenwärtig leider fchon erfchöpft ift, beehrt und unter die Sterne ver­fetzt wurde, wo er als ,, Auriga" ohne Zweifel noch manche Conceffionsdauer überleben dürfte.

Die beliebtefte, von den Vornehmen des Alterthums bei ihren fo vielfälti­gen Wagen benützte Befpannung war unftreitig die Quadriga; nur bei weiten Reifen wurde fie in Folge eines tief eingewurzelten Aberglaubens beinahe nie angewendet, indem es da nicht rathfam erfchien, durch ein allzulange andauerndes. Nebeneinanderfpannen von vier Pferden das Aufpicium jugi zu provociren. Diefes Aufpicium war aber von der allerbedenklichften Vorbedeutung und trat fofort ein, wenn die Quadriga gleichzeitig miftete.

Es wurde daher bei längeren Reifen die gallifche Befpannungsart, nämlich. je zwei Pferde voreinander zur Anwendung gebracht.

Das Zweigefpann( Biga) war, wie diefs auch heutzutage der Fall it, am häufigften gebraucht, minder häufig war das Dreigefpann( Triga, woraus die ruf­fifche Trojka) wobei dem mittleren im Joche ziehenden Pferde die Leitung zufiel, zum Unterfchied von dem keilförmigen aus der Tartarei ftammenden Dreigefpann, welches gegenwärtig in Wien bei den Omnibus- und Tramway Fuhrwerken zur Ueberwindung der Betriebsfchwierigkeiten bei gröfseren Steigungen oder bei Befahrung der Praterfümpfe ganz allgemein in Aufnahme zu kommen fcheint.

Das Zehngefpann, Decemjuga, wurde zuerft von Kaifer Nero während der olympifchen Spiele beim Wagenrennen gebraucht. Der Kaifer wurde zwar gleich am Anfang des Rennens aus dem Wagen gefchleudert, nichts destoweniger aber mit dem erften Preife bedacht.**

* Aeschylos läfst ihn in der Trilogie ,, die Prometheide" ausrufen: Ich der erfte habe ,, die gebifstragenden Roffe an den Wagen gefpannt". Πρῶτος ὑφ᾽ ἅρματ' ἤγαγον ψιληνίους

" IRROUS

** ,, Eburneis quadrigis quotidie in abaco lufit.- Aurigavit quoque plurifariam. Olym ,, piis vero etiam decemjugem. Sed excuffus curru ac rurfus repofitus, cum perdurare non poffet, ,, deftitit aute decurfum, nec eo fecius coronatus eft". Suetonius. Liber VI, C. I. 24.

Die Pferde wurden im Alterthum allgemein ins Joch gefpannt; bei der Quadriga war diefs namentlich bei den zwei inneren Deichfelpferden der Fall, während die äufseren zwei Pferde fiei an Strängen zogen und defswegen equi funales hiefsen.