Dokument 
Strassen-Fuhrwerke und andere Transportmittel : (Gruppe XIII, Section 5) ; Bericht / von M. B. Rideli, Ing. in Wien
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen

Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel.

7

Der berühmtefte monumentale Wagen des Alterthums war unftreitig der Leichenwagen Alexander des Grofsen, deffen Conftruction zwei volle Jahre in Anfpruch nahm. Diefer königliche mit orientalifch- griechifcher Pracht aus­geftattete Leichenwagen wurde an vier Deichfelftangen von nicht weniger als 64 hochgewachfenen in vier Reihen im Joch gefpannten Maulthieren unter glän­zender Begleitung im Jahre 321 vor Chr. von Babylon nach Alexandrien in Egypten geführt und die Ueberrefte des grofsen Eroberers in der letzteren von ihm gegründeten Stadt in einem eigens zu diefem Zwecke erbauten Tempel beigefetzt. Zur Befpannung des Wagens wurden nach Emancipation des Menfchen vom Wagenfchieben, von Alters her die verfchiedenartigften Zugthiere verwendet, von denen traditionsmäffig bei öffentlichen Feften und Spielen die unterfchied­lichen Fuhrwerke gezogen wurden und wobei neben dem ehrwürdigen Gaul und dem Maulthier, der Wolf, Bock, Ochfe, Büffel und mehrere Andere nicht fehlen durften.

die Nach der Unterjochung der Welt durch die Römer wurden, um fouveräne plebs ftets bei guter Laune zu erhalten, von den jeweiligen Macht­habern nach und nach Bären, Tiger, Löwen, Elephanten u. f. w. bei den Triumph­und anderen feftlichen Umzügen als Gefpann vorgeführt. Der jugendliche Kaifer Heliogabal hat fpäter in der Abficht, den überfättigten Römern ,, Etwas noch nicht Dagewefenes" zu produciren, fogar das von ihm neuerfundene Pampillum", gezogen von einem Viergefpann junger Mädchen bei den Baalsfeften zur Ver­wendung gebracht und fich nicht entblödet, durch Prägung von darauf Bezug habenden Münzen und Medaillen die tugendhaften Lebensanfchauungen einer fpäten Nachwelt auf das Empfindlichfte zu kränken.

In der Auffindung von ganz neuen Zugkräften hat jedoch erft die neuere Zeit das bei Weitem Unglaublichfte geleiftet.

Als nämlich im vorigen Jahrhunderte bei einem europäiſchen Infulaner die beforgnifserregenden Symptome einer mehr oder weniger angeborenen Gemüthsdispofition in einem ftarren Hinblicken auf einen fiedenden Theekeffel Ausdruck fanden, wurde durch eine wohlthätige Erregung der lebhaften Phantafie des Patienten nicht nur deffen theilweife Heilung bewirkt, fondern auch das vollkommen unerwartete und höchft merkwürdige Naturgefetz entdeckt, wonach die Veränderung des Aggregatzuftandes des Waffers unter gewiffen Um­ftänden als bewegende Kraft verwendet und bei Fortfchaffung von Laften und Fuhrwerken anftatt der Büffel und Ochfen ausgenüzt werden könnte.*

Die mit vollem Rechte ganz allgemein angenommenen Vorausfetzungen, dafs das auf der ganzen Erdoberfläche in unerfchöpflichen Maffen frei vor­kommende, daher ungemein billige Subftrat diefer neuen Zugkraft, namentlich bei forgfältiger Aufserachtlaffung des fogenannten Wafferreinigungs- Apparates von Mr. Bérenger, eine ftetige Herabminderung der von den Spurbahnen ab­geforderten Fahrpreife nach fich ziehen würde, find leider nicht in Erfüllung gegangen. Diefs zeigen nur zu deutlich die gegenwärtig in den fo unleidigen Tarif­angelegenheiten permanent auf der Tagesordnung ftehenden Enqueten, Commiffio­nen und Petitionen, wobei noch immer fraglich ift adhuc sub judice lis est ob die ungerechtfertigte Ueberhandnahme diefes troftlofen Zuftandes von der Koft­

--

* Das wirklich Unerwartete diefer Erfindung wird nur durch die Perplexität des durch die plötzlich eingetretenen berühmten Bologneter Profeffors überboten, als diefer heftigen Zuckungen eines vollkommen verblichenen Batrachiers in Entfetzen verfiel, jedoch nach ruhigerer Erwägung und nach zweifellofer Conftat rung der bei diefem Vorfall wirken­den Naturgefetze der Urheber des gegenwärtig beide Hemisphären verbindenden Telegraphen geworden ift. Durch die Ausnützung diefer neuentdeckten Naturkräfte find feitdem in beiden Fällen die erfpriefslichften Refultate errungen worden, die nur durch den höchft unmässigen auch bei den unpaffendften Gelegenheiten wiederkehrenden Gebrauch von ſtereotypen auf um fo diefen Fortfchritt Bezug habenden Redewendungen beeinträchtigt erfcheinen, was bedauerlicher ift, als diefe monotonen rhetorifchen Behelfe zumeift von Perfonen und Corporationen herrühren, die in gar keinen irgendwie wahrnehmbaren Zufammenhang mit diefen Neuerungen gebracht werden können.