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M. B. Rideli.
Diefe Neigung äufsert fich auch beim Gebrauche der Luxuswagen, in Folge deffen die früher nach chinefifcher Sitte allgemein üblich gewefenen Sänften, wovon einige Modelle auch zur Ausftellung gelangten, nach und nach in der letzteren Zeit bei Seite gefchoben worden find, um den europäifchen Equipagen Platz
zu machen.
Die Japaner haben jedoch nicht die geringfte Abficht, diefe Objecte von Europa in ihr Land zu importiren; es find im Gegentheil viele Anzeichen vorhanden, dafs fie in den errichteten Wagenbau- Anftalten nicht nur ihren eigenen Bedarf an Wagen zu decken wünſchen, als vielmehr die Engländer und Holländer nachahmend, durch Export derfelben erkleckliche Summen ins Verdienen zu bringen hoffen.
Die in der Japanefifchen Abtheilung zur Ausstellung gekommenen Eifenerze und die daraus gewonnenen Hüttenproducte geftatten die Annahme, dafs die zur Wagenfabrication nothwendigen Eifen- und Stahl- Beftandtheile im Ueberfluffe und aufserdem von einer fehr guten Qualität im Lande felbft vorhanden find.
Die reichhaltige japaniſche Holzausftellung hat aufser den bei der Con ftruction der Wagencarcaffe verwenbaren, in den gröfsten Quantitäten vorkom. menden gemeinen Holzgattungen auch die vortrefflichften Werkhölzer vorgeführt, worunter beiſpielsweife Taxus cuspidata ein lebhaft fleifchrothes, Liviftona chinensis ein ausgezeichnet getigertes, Dyftilium racemosum ein dunkel violettes, ungemein dichtes Material liefern, wodurch fowohl das Mahagony- als das Nufsholz bei der Verkleidung des Wagenkaftens mit viel Vortheil erfetzt werden kann.
Da überdiefs der feiner Zeit nach Europa aus China introducirte feinfte Kutfchenlack", fowie auch vieux lacq" gegenwärtig in Japan noch immer viel beffer als in Europa nachgeahmt wird und in diefem Fabrikationszweige felbft Nobles& Hoare in England den Japanefen nachftehen, auch die zur inneren Ausftattung mitunter verwendeten fchweren Seidenftoffe nicht nothwendigerweife aus Lyon bezogen werden müffen und fchliefslich für die in Europa gegenwärtig übliche Zeichnung des Kaftenprofils am Ende die japanefifchen Künftler recht gut auch ohne fremde Beihilfe aufkommen dürften, fo kann der japanefifchen Wagenfabrication ein ganz günftiges Horofkop für die Zukunft geftellt werden.
Durch diefe und ähnliche andere Umftände wird aber auch erklärlich, warum von gewiffer Seite feit einiger Zeit der aufserordentlichen Gelehrigkeit der Japanefen nur mit getheilten Freudegefühlen Erwähnung gefchieht und die früher fonft allgemein üblich gewefenen Ausbrüche der höchften Bewunderung nur in Begleitung einer dämpfenden Sourdine zum Ausdrucke gelangen können.
China. Die Ausftellung von China war in Anbetracht der Wichtigkeit diefes mächtigften afatifchen Reiches, welches um 150 Millionen Einwohner mehr zählt, als alle europäiſchen Staaten zufammengenommen, diefen Verhältniffen nicht im Entfernteften adäquat und auch nur von dritten Perfonen, unter Ausfchlufs von wirklichen Chinefen, befchickt.
Nachftehend folgt in Fig. 4 der in einem Theile diefes ebenfo grofsen als ehrwürdigen Reiches der Mitte gebräuchliche Schubkarren, wovon zwei ziemlich gleiche Exemplare zur Ausftellung gelangten.
Das o 900 Meter im Durchmeffer haltende Schubkarrenrad war nach obenzu durch einen aus horizontalen Stäben gebildeten Korb gefchützt, der ftark genug fchien, um darüber etwa in Säcken verpackte Transportobjecte ausbreiten zu können. Dem Korbe und gleichzeitig der Radachfe, diente die zur weiteren Aufnahme der Laft taugliche Plattform zur Stütze, deren Handhaben bei einer Länge von 2 Meter, am äufserften Ende 1 Meter von einander abftanden und durch diefes bedeutende Ecartement dem Arbeiter das. Erhalten der Laft im Gleichgewichte wefentlich erleichterten.