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Strassen-Fuhrwerke und andere Transportmittel : (Gruppe XIII, Section 5) ; Bericht / von M. B. Rideli, Ing. in Wien
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Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel.

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Die Befchreibung jenes Wagens, deffen fich der altersfchwache König Priamos und deffen Prinzeffinen während der langwierigen Belagerung von Ilium bei ihren Ausflügen oder beim Revuepaffiren der trojanifchen Truppen bedienten, und welcher von Homer fo häufig unter der Benennung Apene erwähnt wird, pafst ziemlich vollständig auf die in Wien ausgeftellt gewefene Araba.

Diefe Befchreibung konnte fich allerdings auf den zu diefem Fuhrwerke gehörigen und mitausgeftellten 2 Meter langen, 20 Millimeter dicken Spiefs, welcher gegenwärtig in Kleinafien zum Behufe der Aufmunterung des Büffel­gefpannes in Verwendung fteht, noch nicht erftrecken, indem zu jener Zeit die Alten das Ochfen- und Büffelgefpann ihrer Fuhrwerke durch das Gebell von fpeciell zu diefem Zwecke dreffirten Haushunden zum eifrigen Vorwärtsfchreiten anzutreiben pflegten. Namentlich waren es Mopse und Bulldoggen, welchen auf antiken Münzen und Sculpturen diefe Rolle zugedacht erfcheint, und wobei die Vermuthung berechtigt ift, dafs vielleicht der heutige Stallpintfcher( Canis Gryphus) das letzte, diefem einft fo allgemeinen Gebrauche zu Grunde liegende Ueber­lebfel fein könnte.

Die ausgeftellte Araba wurde in Conftantinopel von den Zöglingen der dortigen türkifchen Gewerbefchule mit viel Sorgfalt ausgeführt und ift diefelbe von einem englifchen Muſeum käuflich erworben worden. Es fteht daher zu erwarten, dafs diefelbe eheftens in irgend einer modificirten Geftalt vervielfältigt werden dürfte, nachdem bereits ein Beftandtheil derfelben, nämlich die zum Hinauffteigen der Damen beftimmte Leiter vorläufig bei mehreren in Wien aus­geftellt gewefenen englifchen Luxus- Fuhrwerken, wenn auch nicht in der hier vor­gelegenen zierlichen Form, in Verwendung genommen worden ift.

Rufsland. Ein aufmerkfamer Zeitgenoffe der Wiener Weltausftellung der, vom fernen Often aus feine Wanderungen beginnend, zur fucceffiven Berei­cherung feiner Kenntniffe nach entgegengefetzter Richtung feine weiteren Schritte, gelenkt hatte, mufste in Bezug auf die Fabrication von Strafsen- Fuhrwerken, da Japan, China und die Türkei fowie auch Perfien nur verhältnifsmäfsig fehr fpärlich vertreten waren, zuerft in der Mafchinenhalle auf Rufsland als jenes Reich ftofsen, wo diefer Fabricationszweig nicht nur fehr ausgebildet, fondern auch, um eine von der Tagesliteratur allgemein adoptirte, leider durch zu häufigen Gebrauch beinahe fchon ganz unwirkfam gewordene Phrafe zu gebrauchen, ganz auf der Höhe der Zeit" ftehend erfcheint.

Die Parifer Ausftellung 1867 wurde von Rufsland mit acht Fuhrwerken, wovon fieben Wagen und ein Schlitten, befchickt, während in Wien 17 Luxuswagen und vier Schlitten von Rufsland zur Ausftellung gebracht worden find.

Es wurde fchon oben bei Befprechung des Szeklerwagens, als Repräfen­tanten der in Centralafien noch gegenwärtig üblichen turanifchen Fuhrwerke, erwähnt, dafs die conftitutiven Beftandtheile der gegenwärtig auf beiden Hemi fphären in Gebrauch ftehenden Strafsenfuhrwerke bis auf ein einziges Element fich bereits bei diefem Wagen nachweifen laffen, und dafs diefes eine Element von der elaftifchen Wagenfeder gebildet wird.

Diefem Elemente kommt aber in der That eine fo wichtige Rolle zu, dafs es faft unmöglich erfcheint, die fucceffive Entwicklung desfelben zum Behufe der Beurtheilung des gegenwärtigen Standes des Wagenbaues mit Stillfchweigen zu übergehen.

Wenn die elaftifche Wagenfeder als eine Vorrichtung aufgefafst wird, welche den Zweck hat, die bei der Vorwärtsbewegung eines Fuhrwerkes auf die Räder und mittelbar auf die Wagenachfe wirkenden Stöfse entweder ganz aufzu­heben oder nur bedeutend vermindert zum Wagenkaften und deffen Inhalt gelangen zu laffen, fo mufs nach vielen fruchtlofen Verfuchen zur Habhaftwerdung von Gegengründen angenommen werden, dafs diefe Wirkung der elaftifchen Wagen­feder den Alten vollkommen unbekannt geblieben ift.

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