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Strassen-Fuhrwerke und andere Transportmittel : (Gruppe XIII, Section 5) ; Bericht / von M. B. Rideli, Ing. in Wien
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Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel.

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mittelft zweier über den Achfen placirter Riemen- Winden höher oder tiefer gefpannt werden konnten, einzuhängen, die Sänfte aber überdiefs, um das feitliche Um­kippen zu verhindern, an die zwei Schrotleitern in der Mitte anzufchnallen.

Die fo entstandene Chaife war bekanntlich während der lezten zwei Jahr­hunderte ganz allgemein gebräuchlich. In den k. k. Hofwagen- Remifen befindet fich eine grofse Anzahl von in Riemen hängenden, fehr gut confervirten Hof- und Staatswagen diefer Art, aus jener Periode ftammend, in Aufbewahrung. Auch der berühmte, für Kaifer Carl VI. gebaute und im Jahre 1867 als Krönungswagen benützte Rubens- Wagen hat gar keine Federn, es hängt vielmehr der mit den bekannten unvergleichlichen Gemälden decorirte Kaften in mehreren breiten mit purpurrothem Sammt überzogenen Riemen, wenn auch für diefen fpeciellen Fall die fonft üblich gewefene Einrichtung der Riemenwinden bei diefen ebenfo kunft­voll als reich verzierten Prachtwagen entsprechend modificirt erfcheint.

Einen fehr lehrreichen Beitrag zur Gefchichte der Wagen- Baukunft hat während der Wiener Weltausftellung die kaiferlich deutfche Reichspoft geboten, von welcher neben vielen anderen inftructiven Sammlungen auch eine Collection von 28 ausgezeichnet modellirten, in den verfchiedenften Zeitepochen in Gebrauch geftandenen Poftwagen ausgeftellt war. Darunter befand fich auch das Modell eines im XVIII. Jahrhunderte gebrauchten königlich preufsifchen Poftwagens, welcher als Uebergangsglied zwifchen der Riemen- und Federeinhängung ange­nommen werden kann und welcher in Fig. 5 dargeftellt erfcheint.

Fig. 5.

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Königl. preufsifcher Poftwagen.( XVIII. Jahrhundert.)

Wie aus Fig. 5 deutlich erfichtlich, wurde die Schrotleiter diefes gedeckten, mit einem gewöhnlichen Untergeftelle verbundenen Wagenkaftens mittelft Ketten an aufrechtftehende über der Achfe angebrachte Holzpfoften eingehängt. Obgleich nun diefe Einhängungsart in Bezug auf Elafticität Manches zu wünfchen übrig liefs, hat diefelbe im Wagenbaue dennoch einige wichtige Veränderungen zur Folge gehabt.

Der Schloffermeifter Mr. Dlême in Paris verfertigte nämlich ftatt der höl­zernen Ständer 4 aus mehreren elaftifchen Stahlblättern beftehende Packete, welche je in die Form eines aufrechtftehenden S gebracht, mit dem unteren Theile paar­weife an jede Achfe gefchmiedet wurden, während im oberen ausgebogenen Theile der Packete die mit dem Wagenkaften feftverbundenen Riemen die Einhängung