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Strassen-Fuhrwerke und andere Transportmittel : (Gruppe XIII, Section 5) ; Bericht / von M. B. Rideli, Ing. in Wien
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M. B. Rideli.

zum Preife von 700 Rubeln, fowie einen blauen, mit blauem Tuche ausgefchlagenen Phaeton, deffen blaues Untergeftelle roth befchnitten und wofür ein Preis von 700 Rubel ausgefetzt war.

Befonderen Anwerth fand das ausgezeichnete Fabricat von Brüder Mar­koff aus Moskau, beftehend aus einer grünen Victoria, mit grünem, lichtgrün befchnittenen Untergeftelle, grüner Maroquingarnitur und einem Rückfitz verfehen, durchgehends mit Druckfedern, zum Preife von 900 Rubeln; ferner ein blauer Clarence, ausgeftellt vom Wagenfabrikanten H. Schwartz in Sct. Petersburg. Das blaze Untergeftelle des letzteren Wagens war gelb befchnitten und das Innere mit blauem Atlas ausgelegt. Die Seitenfenfter, fowie die runden, vorderen Wagenfenfter waren mit Mécanique verfehen. Preis 1000 Rubel.

In der Ausftellung des Sct. Petersburger Wagenfabrikanten C. Nellis war namentlich ein grüner Herrenphaeton bemerkbar, der die feit einiger Zeit in Aufnahme gekommene Verdopplung der Anzahl der Wagenfedern zur Anfchauung brachte. Auf die gewöhnlichen Druckfedern werden in diefem Falle auch noch Schneckenfedern aufgefetzt, wobei der wieder auftauchende Langbaum bedeu­tenden Krümmungen unterworfen werden mut. ,, um einestheils die Gefammtlänge des Wagens nicht übermäfsig zu fteigern und auch die Manövrirfähigkeit des Vordergeftelles nicht zu alteriren. Bei dem letzteren find dann die Schnecken­federn mit dem oberen Felgenkranz und dem Kutfchbocke in fefter Verbindung, während die Druckfedern wie früher unmittelbar auf der Achfe fitzen.

Diefe ,, Voitures à huit refforts" bilden gegenwärtig das non plus ultra in der Wagenfabrication, und es gibt namentlich in Paris Wagenbau- Anftalten, die fich ausfchliesslich mit deren Erzeugung befaffen.

Die darin befindlichen Infaffen find allerdings gegen die Unbilden des Schüttelns und des Stoffens viel mehr gefichert, als in einem blos mit vier Federn verfehenen Wagen, müffen fich jedoch die beinahe doppelt fo hohen Anfchaffungs­koften auch gefallen laffen.

Aus Warfchau find von drei Wagenfabrikanten fechs Wagen zur Ausftel­lung gelangt, darunter von J. Rentel ein elegantes braunes Coupé, Untergeftell lichtbraun, fchwarz befchnitten, mit röthlichbraunem Atlas garnirt, und ein blauer Herrenphaeton mit blauem Chagrinleder ausgelegt. Aufserdem ftellte derfelbe Fabrikant vier gufseiferne Radnaben eigener Conftruction aus, die bei den in feiner Anftalt fabricirten Rädern zur Verwendung kommen.

Aus der Wagenfabrik von W. Romanowski kam ein blaues, mit blauem Atlas garnirtes Coupé zum Preife von 900 Rubel, fowie eine grüne, mit grünem Chagrin ausgelegte Victoria zur Ausftellung.

Erwähnenswerth find ferner in der ruffifchen Ausftellung fehr gut aus­geführte, von Leonhard Loofchen, Techniker für Wagenbau in Sct. Peters­burg, herrührende Zeichnungen von vier Luxuswagen und zwar von einem Coupé und einer Victoria mit je vier Federn, fowie von einer Kalefche und einem Gala­wagen à huit refforts.

Eine mit dem Wagenbau innig verbundene Ausftellung wurde von Nico­laus Lopatine in Sct. Petersburg ins Werk gefetzt, beftehend aus Kumeten, Pferdegefchirren, Zäumen und der Duga für das Mittelpferd im ruffifchen Drei­gefpann, wobei die ruffifchen Juchtenriemen mit vergoldeten und filberplattirten Verzierungen reich und gefchmackvoll ausgeftattet waren. Aufserdem find in der Abtheilung für ruffifche Landwirthfchaft Wagenbeftandtheile aus Eichenholz als: Speichen, Felgen, fowie eine Nabe von 0.200 Meter Durchmeffer für eine ruffifche " Telega" zur Ausftellung gelangt.

In der Samojedenhütte waren die zur Locomotion der Samojeden* dien­lichen Rennthier- Schlitten durch zwei Exemplare vertreten, beide mit Schlitten­

* Samo- jed bedeutet in der ruffifchen Sprache fo viel als ,, Selbft effer" und werden damit anthropophagifche Gelüfte diefer Völkerfchaften wohl mit Unrecht in Verbindung gebracht.