Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel.
39
fpecificirten Vortheile in Betrieb gefetzt werden könnten, in welchem Falle jedoch der Gebrauch diefes Fuhrwerkes allerdings nur auf das innerhalb der Wendekreife gelegene geographifche Verbreitungsgebiet diefer neuen Zugthiere befchränkt bleiben müfste.
Die blos in kurzen eifernen Zapfen laufenden, unter der Bezeichnung ,, roues à vouffoir" bekannten Räder wurden übrigens bereits im Jahre 1825 wegen der denfelben damals fchon zugemutheten Eigenfchaft, fortan jedes Umwerfen unmöglich zu machen, von dem Parifer Wagenfabrikanten Mr. Leim gruber zur Conftruirung von ganz neuartigen Kutfchen, den fogenannten ,, Inversables", benützt, deren Gebrauch jedoch in Folge von mehrfach vorgekommenen Unglücksfällen behördlich unterfagt werden mufste.
Bei diefem Leimgruber'fchen Wagenfyfteme wurde aber geltend gemacht, dafs bereits im Jahre 1763 von einem ficheren Mr. Fagott ein Patent dafür erwirkt worden war, und da dasfelbe Project, wenn auch in modificirter Form, in gewiffen Zwifchenräumen ftets wieder aufzutauchen pflegt, fo wird vielleicht die Erwähnung am Platze fein, dafs ein Pendelwagen bereits im Jahre 500 vor Chr. beim Bau des weltberühmten Tempels der Diana zu Ephefus in Verwendung kam.
Da diefes für einen fpeciellen Fall vom Tempel- Baumeifter Metagenes conftruirte Fuhrwerk nicht nur feinen damaligen Zweck vollſtändig erfüllte, fondern auch gegenwärtig von unferen modernen Baumaterial- Gefellſchaften bei der mit Vortheil demnächftigen Wiederaufnahme der Bau- Arbeiten vielleicht angewendet werden könnte, fo erlaubt man fich dasfelbe in Fig. 15, wenn auch in ganz primitiven Umriffen, anfchaulich zu machen.
Fig. 15
b
Pendelwagen des Metagenes.
Der berühmte römifche Kriegs Baumeifter M. Vitruvius Pollio berichtet nämlich in feiner für den Triumvir Octavius Caesar( nachmaligen Kaifer Auguftus) verfafsten Abhandlung ,, de Architectura" über diefes Fuhrwerk, dafs, nachdem alle 128 Säulen des Diana- Tempels aufgeftellt worden waren, und nunmehr zum Herbeifchaffen und Auffetzen des Architravs gefchritten werden musste, der ephefifche Baumeifter Metagenes genöthigt war, für den Transport der koloffalen Architravtheile eine ähnliche Vorrichtung herzuftellen, wie deffen Vorgänger Cherfiphron für das Ueberführen der 60 Fufs hohen Säulenfchäfte. Metagenes conftruirte fonach zu diefem Zwecke Räder von 12 Fufs Durchmeffer, und nachdem er in die Stirnfeiten der Architravtheile eiferne Zapfen eingelaffen und die letzteren in den Radnaben eingefchloffen hatte, fo mufsten die Zapfen der als Achsftöcke fungirenden Architrave beim Anziehen des Ochfengefpanns die continuirliche Umdrehung der Räder bewirken, auf welche Weife der Archi