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Strassen-Fuhrwerke und andere Transportmittel : (Gruppe XIII, Section 5) ; Bericht / von M. B. Rideli, Ing. in Wien
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M. B. Rideli.

Da aber für die oberen Extremitäten der Paffagiere diefes Fuhrwerkes gar keine Stützpunkte innerhalb des Wagenkaftens ausgemittelt worden waren, fo müfsten während der Locomotion die durch die Fufsbewegungen unvermeidlich gewordenen energifchen Schwankungen des Oberkörpers auf die Gefammtentwick­lung der lebendigen Kraft fehr ftörend wirken, ja es könnte bei diefem Vehikel fogar hin und wieder der Fall eintreten, dafs in Folge der gegenfeitigen erheb­lichen Befchädigungen der Reifetheilnehmer auf die Anwendung diefes Rotations­fyftemes momentan verzichtet werden müfste.

Diefe und mehrere andere diefem Syfteme anhaften den Unzukömmlichkeiten werden vielleicht deffen Einführung noch einige Zeit verzögern, umfomehr als dasfelbe ein zu weites Gebiet zu umfaffen fich vorgenommen hatte.

Im Gegenfatze dazu ift mit der Ausftellung des vom k. k. Staatsanwalte in Brünn Theodor Tomafchek conftruirten" Pendelwagens" lediglich eine Anregung zur Umgeftaltung des gegenwärtig üblichen Baues von Fracht- und Luxuswagen beabfichtigt worden.

Das grün angeftrichene, einer Achfe vollkommen entbehrende Wagengeftelle ruht hiebei fammt der aufzunehmenden Laft zwifchen zwei Rädern von 2 Meter Durchmeffer auf den Achsftummeln wie ein Pendel, mufs kraft der eigenen Schwere die perpendiculäre Lage allezeit fefthalten und, aus ihr geftört, felbe wieder zu gewinnen fuchen.

Nach weiterer Angabe des Herrn Ausftellers kann diefes Pendelfahrzeug nie umftürzen, bietet Vortheile beim Aufladen fchwerer, nicht voluminöfer Laften* und kann auch vierrädrig conftruirt werden.

Einen integrirenden Beftandtheil diefer Ausftellung bildeten tadellos aus­geführte, mit erläutern dem Texte verfehene graphifche Darstellungen einiger Gravi­tationsgefetze, welche, die weiteren Vortheile diefes Fuhrwerkes entwickelnd, den Beweis liefern follten, dafs durch die in bedeutender Höhe über der Achfe ange­brachten Angriffspunkte der Zugkraft eine namhafte Erfparnifs der letzteren bewirkt werden müfste, eine Eigenfchaft, die übrigens mehr oder weniger die fämmtlichen im Prater zur Ausftellung gelangten Strafsen- und Eifenbahn- Fuhr­werke mit dem Pendelwagen" gemeinſam hatten.

Eine fchwache Seite diefes Fuhrwerkes wird jedoch ftets der Abgang einer Achfe bilden, welchem Wagenbeftandtheile bekanntlich nicht nur die Vermittlung der Vorwärtsbewegung zukommt, dadurch vielmehr, abgefehen von der Tragfähig. keit, auch die Feftigkeit eines jeden Fahrzeuges bedingt wird, der vorliegende Pendelwagen hingegen wegen Mangels einer entſprechend ftarken Achfe im Strafsenverkehre fchon in Folge unbedeutender Seitenftöfse in Trümmer gelegt werden könnte.

Der Tomafchek'fche Pendelwagen hatte die weitere Eigenthümlichkeit, dafs durch Vermittlung einer Querftange, welche mit den zwei in bedeutender Höhe über den Achsftummeln am oberen Theile des Geftelles angebrachten Zugftangen in fester Verbindung ftand, in normaler Lage die zwei Pendelwagen­Räder vollständig gebremft werden mufsten und der Wagen nur dann von der Stelle zu bringen war, wenn die zwei Brancards bis zu einer erftaunlichen Höhe gelüftet worden waren.

Unter diefen Umftänden müfste aber die mit der Einführung des Pendel­wagens beabsichtigte Wagenbau- Umwälzung unbedingt auch auf das gegenwärtig übliche Befpannungsfyftem ausgedehnt und abnorm hochgewachſene mit entfpre­chend conformirten Schulterblättern verfehene Zugthiere zur Domefticirung herangezogen werden, von denen derartige Pendelwagen unter Entwicklung der

* Diefem fpeciellen Zwecke entgegen war in Folge eines Mifsverftändniffes der hutfchen­artige Behälter diefes Pendelwagens während der Ausftellung nicht mit derlei fchweren Gegen­ftänden beladen, feine Belaftung beftand vielmehr neben einigen Gypsfiguren und Gypsornamen­ten zeitweilig noch aus einem voluminöfen Album, enthaltend die bekannten ,, Accidents de chaffe" von unferem launigen vaterländifchen Künftler Tony Strafsgfchwandtner.