Strafsenfuhrwerke und andere Transport mittel.
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Diefe Calefche hatte keinen Kutfchbock, und war zum Fahren à la Daumont eingerichtet.
Vom Wagenfabrikanten Benedict Flamm in Kempten kam ein Schlitten zur Ausstellung, deffen mit rothem Plüfch ausgefchlagener Kaften blau lackirt und goldbefchniften war. Der vordere breite Kothflügel fowie die eifernen Schlittenkuffen hatten einen rothen Anftrich, gold und fchwarz befchnitten. Die kunftvoll ausgeführten, den Kaften mit den Kuffen verbindenden Stützen waren aus bronzirtem Eifen, während der rückwärts angebrachte, fehr hohe Kutfcherfitz mit einem Wolfspelz- Spritzleder verfehen war.
A. Feldtau aus Freiburg( Schlefien) ftellte einen braunen, fowie einen Korbgeflecht- Phaeton aus, beide mit Refforts à pincettes, aufserdem einen mit blauer Seide ausgefchlagenen, blaulackirten Clarence.
Von den fämmtlichen Berliner Wagenbauern gelangten 6 Stück Luxuswagen zur Ausftellung. Es befand fich darunter vom Hofwagen- Fabrikanten C. Siewert ein fehr elegantes Huit- Refforts- Coupé fchwarz lackirt, roth befchnitten, inwendig eine fchwarze Seidengarnitur mit rothen Knöpfen und Gallonen; die Radreife waren mit 20 Millimeter ftarken Kautfchukringen verfehen.
G. Stolle in Berlin war durch ein fchwarzes, gelb befchnittenes, mit grüner Seide gefüttertes, auf gewöhnlichen Druckfedern ruhendes Coupé vertreten, wobei die Radreifen ebenfalls mit Kautfchukringen montirt waren.
Der Hoflieferaut E. Kühlftein in Berlin brachte ein Huit- Refforts. Coupé, deffen mit gelbem Atlas ausgefchlagener Kaften fchwarz lackirt war, während das Untergeftelle eine gelbe Farbe mit fchwarzem Befchnitt aufzuweifen hatte.
Die Berliner Actiengeſellſchaft für Wagenbau( vormals Jofef Neufs) brachte zwei Wagen zur Ausftellung, worunter ein blaues Coupé auf Druckfedern, mit blauer Sammtgarnitur und Kautfchukringen an den Radreifen, aufserdem eine Calefche mit blauem Kaften und lichtgrauer Seidengarnitur. Der Kaften diefer Calefche war in gewöhnliche Druckfedern gehängt, es folgte jedoch noch ein weiterer Aufputz von darüber angebrachten Schneckenfedern, um eine Aehnlichkeit mit den modern gewordenen, Huit- Refforts hervorzubringen. Selbſtverſtändlich ift bei einer derart maskirten Aufhängung ein Langbaum gar nicht nothwendig und wird nur das Eigengewicht des Wagens fowie der Preis desfelben durch Anbringung von diefen unwirkfamen Schneckenfedern unnützer Weife vermehrt.
E. Lipowfky fowie Fifcher& Comp. in Heidelberg haben fehr zweckmässig conftruirte Trag- und Rollfeffel zur Ausftellung gebracht.
Aus dem Königreiche Sachfen kamen zwar keine fertigen Luxus- Fuhrwerke zur Ausftellung, dafür wurde diefelbe vom Hof- Schmiedmeifter H. Hildebrandt in Dresden mit einem von diefem Fabrikanten patentirten Wagenrade, deffen Speichen und Felgen aus gefirnifsten Efchen beftanden, die Nabe hingegen aus Schmiedeeifen ausgeführt war, befchickt.
Da in Bezug auf die Conftruction von ſchmiedeeifernen Naben für Strafsen- Fuhrwerke diefes mit grofser Präcifion und Eleganz ausgeführte Wagenrad ohne Zweifel der Löfung diefer Aufgabe am beften entſprach, fo erlaubt man fich dasfelbe in Fig. 16 zur Anfchauung zu bringen.
Zum Schmieren der Achsfchenkel mufs das Rad von denfelben losgezogen werden. Zu diefem Zwecke wird zunächft die äufsere fein polirte Meffingkapfel, welche mit rechtsgängigem Gewinde verfehen auf die Nabe aufgefchraubt ift, losgenommen. Ilierauf wird der in der Achfe feftfitzende Vorftecker entfernt und darauf die zwei mit entgegengefetzt laufenden Gewinden verfehenen MeffingAchsmuttern abgefchraubt. Durch Abziehen des Rades löft fich der nur aufgefchobene letzte Ring von felbft los und man hat nur die in der Meffingbüchfe eingedrehte Oelkammer mit Oel zu füllen und fämmtliche Beftandtheile in gehöriger Ordnung wieder zu befeftigen.
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