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Strassen-Fuhrwerke und andere Transportmittel : (Gruppe XIII, Section 5) ; Bericht / von M. B. Rideli, Ing. in Wien
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Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel.

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zogenen Deckel, welcher mittelft einer Feder auf- und zugemacht werden konnte. Der Cab war für einen Einfpänner eingerichtet, und musste das betreffende Zug­thier während des Fahrens auch zum Tragen eines Gewichtsantheiles des Wagen­kaftens herangezogen werden.

Die von dem Londoner Wagenbauer und englifchen Hoflieferanten Thomas Peters& Sons ausgeftellten fünf Luxuswagen gehören unbedingt zu den gediegenften Fuhrwerken diefer Gattung, welche überhaupt während der Wiener Ausftellung zu fehen waren.

Aufser einem zweifitzigen Brougham auf vier Refforts à pincettes war von diefen Fabrikanten ein höchft elegantes Coupé d'Orfay à huits refforts ausgeftellt mit grün lackirtem, goldbefchnittenem Kaften, grüner Atlasgarnitur. Auf den Por­tièren war das kaiferlich öfterreichifche Wappen angebracht, die Thürklinken ftellten vergoldete öfterreichifche Doppeladler dar.

Als pièce de réfiftance der englifchen Wagenausftellung fungirte die eben­falls von T. Peters& Sons ausgeftellte für four in hands" eingerichtete, mit allem bei den Wettrennen erforderlichen Comfort ausgeftattete Mail- Coach, mit blau lackirtem Kaften, lichtrothem Geftelle und blauer Chagrin Garnitur.

Der Kaften fafs auf beiden Achfen, auf je 4 im Quarré geftellten fehr ftarken Tragfedern, wobei die zwei Achfen durch einen Langbaum von bedeu­tenden Dimenfionen verbunden waren. Die Vorderräder konnten wegen der Stellung des Langbaumes um die Wagenfpindel nicht durchlaufend pivotiren, wie denn auch bei diefem Wagen das Umwenden nicht im Scheibengeftelle, fondern mittelft des wohlbewährten alten und zu diefem fpeciellen Zwecke neuerfundenen Reibfcheites vor fich ging. Diefe Mail- Coach war aufser einer kräftigen Brems­vorrichtung auch mit einer, luncheon box" fowie mit ,, wine cifterns" überdiefs zum Behufe der Befteigung der höher gelegenen Wagenabtheilungen mit einer zerlegbaren Leiter verfehen, welche Vorrichtung übrigens auch bei den türkifchen Haremswagen vorkommt und von dort entlehnt zu fein fcheint.

Nicht minder comfortabel und elegant waren die von denfelben Fabri­kanten noch ausgeftellten weiteren zwei Wagen, nämlich eine Park Barouche à huit refforts und ein Mail- Char à banc ausgeführt.

Unter den vom Wagenfabrikanten C. T horn in Norwich ausgeftellten zwei Wagen war der zweirädrige ,, Lorne Car" infoferne bemerkenswerth, als er eine patentirte Vorrichtung zur beliebigen, der Länge des Pferdes angepassten Verkürzung oder Verlängerung der Brancards zur Anfchauung brachte und aufserdem ftatt einer Stange eine dreiblättrige Zugfeder in Verwendung hatte. Der zweite von C. Thorn ausgeftellte und vom Grafen Adlerberg ange­kaufte Wagen war ein zweirädriger Norfolk fhooting Cart" mit dos- à- dos Sitz. Der Kaften aus Korbgeflecht mit blaulackirtem Rahmen fafs auf zwei 1500 Meter langen Tragfedern, die auf der Achfe befeftigt waren.

Die Wagenfabrik von F.& R. Shanks in London ftellte drei vortrefflich ausgeführte Equipagen aus. Die eine hievon beftand aus einem ,, Four horfe Drag" mit einer Einrichtung, um das Viergefpann dichter neben einander zu halten. Der Kaften war blau, das Untergeftelle roth, inwendig blaue Chagringarnitur, fonft analog eingerichtet, wie die vorher erwähnte Mail- Coach. Aufser diefem Wagen ,, Driving ftellte diefer Fabrikant noch einen ,, Small Sociable Landau" und einen Phaëton with patent head" aus, welche Fuhrwerke mit der gröfsten Sorgfalt fabricirt worden waren.

Der Londoner Wagenfabrikant C. S. Windover ftellte zwei Wagen aus, darunter eine Victoria zum Selbftkutfchiren, mit grünem Sproffenkaften, grüner Chagringarnitur und rückwärts angebrachtem Bedientenfitze.

Ueber den fämmtlichen Sitzplätzen diefer Victoria war ein mit grünen Franfen verfehener Baldachin ausgebreitet, der einen einzigen im Kaftenrahmen angebrachten Stützpunkt hatte und mittelft eines Schnürchens in eine beliebige Lage gebracht werden konnte.