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Strassen-Fuhrwerke und andere Transportmittel : (Gruppe XIII, Section 5) ; Bericht / von M. B. Rideli, Ing. in Wien
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M. B. Rideli.

Der Baldachin konnte auch durch einen Handgriff mit fammt der Stütze entfernt und in ein Parapluifutteral gefteckt oder auch fogleich als Regenfchirm verwendet werden. Das während der ganzen Dauer der Ausftellung der jedes­maligen ,, performance" diefes practical joke" feitens der mitunter aus hohen Würdenträgern beftehenden grofsbritannifchen Befucher dargebrachte Intereffe mufs als ein ganz aufserordentliches bezeichnet werden.

Vom Fabrikanten und Hoflieferanten John Ward in London find ebenfo zahlreiche als vortrefflich ausgeführte Tragfeffel, Kinderwagen, Rollwagen für Kranke und Invaliden ausgeftellt worden.

In Bezug auf die Ausstellung von Rädern, Achfen, Federn und anderen Wagen- Beftandtheilen haben fich diefsmal die grofsen englifchen Fabrikanten beinahe gar nicht betheiligt; blofs die ,, Kirkstall Forge Company" bei Leeds hat fieben Paar Wagenachfen fammt Büchfen und Muttern, fowie einige Befchläge für Vorder- Trains zur Ausftellung gefchickt.

Von der Firma Homes& Hickton in Halefowen bei Birmingham war eine Sammlung von Hufeifen- Nägeln angelangt.com

Der Londoner Fabrikant H. Hopton& Son betheiligte fich mit einer reichhaltigen Ausftellung von Radfpeichen, Naben, Felgen, Kothflügeln, Deichfeln Stangenarmen u. f. w. in den verfchiedenften Holzarten.

Die Situation der englifchen Wagenfabrication ift bekanntlich die aller­günftigfte in ganz Europa.

Die Anfchaffungskoften der Rohmaterialien find die denkbar niedrigften, fo kommt einem englifchen Wagenbauer die für einen kleinen Wagen benöthigte Stahlquantität auf höchftens 16 Francs zu ftehen, während für einen Wagen mit doppelter Federeinhängung kaum 50 Francs für Federftahl ausgegeben werden. Die ausländifchen Werkhölzer, worunter aufser Mahagony, Hickorynufs, amerikanifcher Akazie gegenwärtig auch ziemlich viel Teakholz( Tectona grandis), Ebenholz( Diospyros Melanoxylon), Paliffanderholz( Jacaranda brasiliensis) u. f. w. in Verwendung kommt, finden fich alle entweder in Oftindien oder auf den engli fchen Colonien und kommt der Ankaufspreis davon den englifchen Wagenbauern noch immer um circa 30 Percent billiger als den franzöfifchen Wagenfabrikanten zu ftehen.

In Bezug auf den feinften Kutfchenlack find die fämmtlichen europäiſchen Wagenbauer auf die englifchen Fabrikanten angewiefen, ebenfo wie hinfichtlich der Farben, wovon fogar die Franzofen gegenwärtig noch immer die, Vermillons" und die Verts" aus England zu beziehen gezwungen find.

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Trotzdem find theils in Folge der höheren Arbeitslöhne, theils in Folge des Umftandes, dafs beinahe jeder vermögliche Engländer eine eigene Wagen­fpecialität für fich beanfprucht, alle complicirter conftruirten englifchen Wagen, namentlich die unzähligen Voitures de fantaifie" viel theuerer als felbft in Frank­reich, während jene grofsen englifchen Wagenbau- Anftalten, welche in ihrem Outillage allein über 300.000 Francs zu inveftiren pflegen, fehr grofse Mengen von Wagen nach einem einzigen Modelle fabriciren, daher auch ungemein billige Preife machen können.

Solche billige Wagen find unter der Benennung ,, Articles de Southampton" meift für den überfeeifchen Transport beftimmt und follen in letzterer Zeit von Entdeckungsreifenden im Innern von Afrika und auch auf den Südfee- Infeln mitunter nicht unbeträchtliche Quantitäten von diefen englifchen Artikeln bereits vorgefunden worden fein, wo diefe Objecte wahrfcheinlich im Wege des Taufch­handels gegen die dortigen Landesproducte in die Hände der bedauernswerthen Eingeborenen gelangt fein mögen.

Nordamerika. Die Wagenfabrikanten der Vereinigten Staaten von Nordamerika betheiligten fich an der Wiener Weltausftellung mit zwei Fuhr­werken, während diefelben in Paris 1867 mit drei Stück figurirten.