Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente.
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Seitenlänge, von welchem ein Eckpunkt M den Kreis vom Radius a befchreibt, ein anderer Eckpunkt N und der zu ihm bezüglich N fymmetriſche N" aber immer auf dem Kreife vom Radius b bleiben. Es genügt alfo M mit A durch einen Stab von der Länge a, N und N" durch zwei Stäbe von den Längen 6 mit B als fixe Drehungspunkte zu verbinden, in den übrigen Knotenpunkten der Figur die zufammentreffenden Stäbe um Charniere beweglich zu machen. Man fieht, der Lipkin'fche Apparat löft die geftellte Aufgabe in ebenfo einfacher wie präcifer
Weife.
Theilmafchinen. Wie in früheren Ausftellungen, fo nahmen auch diefsmal die von L. G. Perreaux in Paris ausgeftellten Theilmafchinen einen hervorragenden Platz ein. In der That verdanken diefe wichtigen Inftrumente Herrn Perreaux manche wefentliche Verbefferungen fo wohl bezüglich der automatifchen Regulirung der Länge der Theilftriche, wie auch namentlich bezüglich des von Ramsden an feiner Kreis- Theilmafchine in Anwendung gebrachten Principes behufs Fractionirung der Schraubenbewegung. Die exponirten Mafchinen zeigten in ihrer Bauart und Anordnung keine wefentlichen Abweichungen von der früheren Form. Sie waren vertreten durch eine grofse Theilmafchine, deren Mikrometerfchraube mehr als I Meter Länge hatte und durch zwei kleinere mit Schrauben von nahe 12 und 13 Meter Länge.
Ganz Aufserordentliches leiftet die mikrometifche Theilmafchine diefes Künftlers. Die Ganghöhe der etwa 2 Centimeter langen Mikrometerfchraube beträgt nur o'I Millimeter. Am Umfange des Zahnrades, durch welches mittelft Sperrklinke die Bewegung der Kurbel auf die Schraube übertragen wird, find 300 Zähne angebracht. Diefe Mafchine vermag alfo noch 3000 Linien auf die Länge eines Millimeters zu ziehen. Die Theilung gefchieht auf Glas mittelft. eines Diamantenfplitters. Ein Uhrwerk bewegt die Kurbel und beforgt während des Stillftehens der Schraube das Auffetzen des Diamanten, feine Bewegung und das Abheben desfelben mit äufserfter Zartheit. Der Druck des Diamanten gegen die Glasplatte wird durch ein Gewicht regulirt. Schon bei feinen Theilungen an Normal Längenmafsen werden, wie z. B. von Froment und der Société Génevoife automatifch bewegte Theilmafchinen in Anwendung gebracht, um den fchädlichen Einflufs der Körperwärme, der nothwendig eintretenden Ermüdung in Folge der gefpannten Aufmerkfamkeit, zu vermeiden. Umfo mehr begreift man die Nothwendigkeit der automatifchen Bewegung bei diefem kleinen Meifterſtück der Präcifionsmechanik. Dasfelbe ift befchrieben in Dingler's Journal Band CLXXXVI, p. 330.
Bei einer kleineren Kreis- Theilmafchine von nahe 15 Centimeter Durchmeffer war die Bewegung des Grabftichels und der Schraube wie an den LängenTheilmafchinen eingerichtet.
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Eine kleinere Längen Theilmafchine, im Wefentlichen nach dem von Perreaux adoptirten Syfteme gebaut und von der berühmten Firma Dumoulin Froment in Paris ausgeftellt, hatte eine Mikrometerfchraube von etwas mehr als 2 Meter Länge. An diefer war die zweckmäfsige Einrichtung getroffen, dafs die Platte, welche den zu theilenden Gegenſtand trägt, parallel zur Schraubenachfe verfchoben werden kann.
In Deutfchland war von Stollenreuter in München eine gröfsere Theilmafchine von Meter Länge aufgeftellt. Das Einſtellen, entſprechend den Winkeldrehungen von gleichen Intervallen gefchieht auf die gewöhnliche Weife mittelft der Theilung am Kopfe der Schraube. Die Tifchplatte war mit verftellbaren Mikrofkopen verfehen, von denen einem ein Fadenmikrometer beigegeben war, zu dem Zwecke, um gröfsere Längen durch Anftofsen theilen zu können.
Die Schrauben- Theilmafchine für Glasmikrometer von Voigt& Hochgerang in Göttingen war durch fchöne und folide Bauart ausgezeichnet. Sie geftattet I Millimeter noch in 400 gleiche Theile mit Sicherheit zu theilen. Das