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Ferdinand Lippich.
unterfucht und die Genauigkeit auf o'or Millimeter beftimmt worden. Die von diefem Inftitute erzeugten Längenmafse verdienen daher befonderes Vertrauen. Ausgeftellt waren ein Normalmeter aus Meffing und ein Normal Doppelmeter aus Stahl, die erften Decimeter in Millimeter getheilt. Sie waren nach den Vorfchriften der Aichämter in Baden und Deutfchland ausgeführt. Die Feinheit und Gleichmäfsigkeit der Theilftriche läfst kaum etwas zu wünfchen übrig. Indem wir diefen Abfchnitt fchliefsen, wollen wir noch der Zeichnungs- Mafsftäbe von Pillifcher in London und der Werk- Mafsftäbe aus Holz fowie der Mefsbänder von Rabone in Birmingham anerkennend erwähnen.
Längen- Mefsapparate. Die fämmtlichen Vorrichtungen zum Meffen von Längen, wie gewöhnliche Zirkel, Stangen und Dickenzirkel, Schublehren etc., welche faft von allen Fabrikanten, die Mafsftäbe aus Metall verfertigen, ausgeftellt waren, wollen wir nicht namentlich anführen, fondern unfere Aufmerkfamkeit auf jene Apparate richten, welche, zum wiffenfchaftlichen Gebrauche beftimmt, einen höheren Grad von Genauigkeit geftatten.
In diefer Beziehung nennen wir zuerft Stollenreuter's Comparator. Diefer ift zum Vergleichen von Etalons a bout und fpeciell für jene Form des Urmeters eingerichtet, wie fie in Deutſchland und Oefterreich nach dem Vorfchlage von Steinheil acceptirt wurden. Diefe Urmeter find aus möglichft hartem Glafe in Form von breiten Lamellen hergeftellt. Die Enden der Lamellen find nach einer Kugel abgefchliffen, die ihren Mittelpunkt in der Mitte des Stabes hat. Von diefer Kugelfläche find an den beiden Endflächen nur kleine Stücke übrig gelaffen, indem erftere noch durch Kugelflächen von kleinerem Radius facettirt werden. Der Durchmeffer der erfteren Kugel gibt die Länge des Meters, wenn der Stab die Temperatur o Grad Celfius befitzt. Der Apparat von Stollenreuter ift eine Abänderung des von Steinheil bei feinen Vergleichungen der Urmafse benützten Comparators, welche der Hauptfache nach auf der Poggendorff'fchen Spiegelablefung bafirt. Auf einer maffiven Unterlage ift eine plane Glasplatte, deren Stellung durch Schrauben corrigirt werden kann, vertical befeftigt. Diefer gegenüber in der Entfernung von etwa einem Meter befindet fich eine zweite plane Glasplatte, die durch einen längeren Arm mit einem zu ihr parallelen Spiegel verbunden ift, um eine horizontale Achfe drehbar. Die Drehachfe ift parallel den beiden einander zugekehrten Glasflächen und fteht fenkrecht auf der Längsrichtung des Apparates. Nahezu in der Höhe der Drehachfe ift die eine Glasfchiene horizontal geftellt, auf welche mehrere gläferne cylindrifche Walzen gebracht werden. Einer der zu vergleichenden Etalons wird auf diefelben gelegt und durch eine entsprechende Schlittenvorrichtung die drehbare Glasplatte herangefchoben und mittelft eines verftellbaren Gewichtes an dem fie tragenden Meffingarme fanft gegen die Endflächen des Etalons gedrückt. Die Manipulation ift zwar ähnlich wie beim Steinheil'fchen Comparator, fcheint uns aber weniger einfach und ficher. Eine Blechwanne umgibt den Etalon und die beiden ihn berührenden Glasplatten. Der Apparat kann natürlich auch zur Beftimmung von Ausdehnungscoëfficienten benützt werden.
Verticale Abftände, namentlich die Höhendifferenz zweier Quecksilberniveaun oder Höhenänderungen eines Niveaus mit gröfstmöglicher Genauigkeit und unter Vermeidung der durch die Nähe des Beobachters bedingten Fehlerquellen zu meffen, ift eine Aufgabe, die Phyfiker wie Chemiker häufig zu löfen haben. Das zu diefem Zwecke urfprünglich von Dulong und Petit erfonnene, durch Puillet, namentlich aber durch die berühmten Arbeiten von Regnault allgemeiner bekannt gewordene Kathetometer war denn auch in der Ausftellung im Vergleiche zu anderen Präcifionsinftrumenten für Längenmeffungen,
* Sitzungsberichte der königl. baierifchen Akademie der Wiffenfchaften zu München. 186 3. I p. 329.