Dokument 
Mathematische und physikalische Instrumente : (Gruppe XIV, Section 1 und 2) ; Bericht / von Ferdinand Lippich ...
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen

Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente.

23

Schneiden auf Steinlager ruhend und dreifacher Arretirung mit Gabelcontact. Abgefehen von der äufseren Ausftattung, fcheint fie mit Gefchick conftruirt zu fein. Im Allgemeinen jedoch haben fich die bedeutenden Fortfchritte, welche in Italien die Präcifionsmechanik gemacht hat, noch nicht in gleichem Grade auf die Fabrication von Wagen erftreckt.

Wir erwähnen noch in Spanien Vich's Schnellwage; in den Nieder­landen Olland in Utrecht, der eine chemifche Wage zeigte; die Tafelwagen von Hoas in Chriftiania und Berg in Kopenhagen; endlich K aftrup's( Kopenhagen) Centefimal- Zeigerwagen. Berg's Tafelwagen( Syftem Roberval) verdienen wegen ihrer fchönen und guten Arbeit hervorgehoben zu werden. Die Tafeln aus Stein­platten und nahe an einander geftellt liegen in der Gleichgewichtslage genau in einer Ebene; eine Zunge wird überflüffig.

Chronographe und Chronofkope. Chronographe, wie die von Siemens, Hipp, Hasler etc., die fpeciell zum Zwecke der Regulirung nament­lich aftronomifcher Beobachtungen conftruirt find, werden in einem anderen Berichte befprochen; wir haben es hier nur mit jenen Apparaten zu thun, welche die Zeitdauer gewiffer Phänome zu meffen geftatten, an welchen wir direct den Moment des Beginnes und des Endes nicht mehr oder doch nicht ficher genug zu unterfcheiden vermögen.

Die meiſten der neueren Chronographe benützen die mechanifche Wirkung des elektrifchen Stromes zur Erzeugung der Zeitmarken in Verbindung mit einer gleichförmigen oder fchwingenden Bewegung.

In letztere Kategorie gehört das einfache und leicht zu handhabende elektrifche Vibrations chronofkop von W. Beetz, welches Edelmann in München ausgeftellt hat. Eine fchwingende Stimmgabel, die, an einem Schlitten befeftigt, mit der Hand rafch verfchoben wird, zeichnet mit der einen Zinke eine Wellenlinie etwa auf Papier, während durch einen mit der Gabel gleichzeitig mitbewegten Stift, ganz nahe an dem fchreibenden Zinkenende, der überspringende Funke einer Leydener Flafche Anfang und Ende der zu meffenden Zeit markirt. Mit diefem Apparate ift es noch leicht 1/1000 Secunde zu meffen. Diefelbe Idee war fchon früher von Liffajons und Schulz an einem complicirteren, aber auch noch wirkfameren Apparate nur Ausführung gekommen.

Bei Hardy war der Chronograph von de Brettes** durch ein fchönes Exemplar vertreten. Ein conifches Pendel, cardanifch aufgehängt, ift zugleich Regulator eines durch Gewicht getriebenen Uhrwerkes und gibt einem hori­zontalen Zeiger eine gleichförmige Umdrehung. Concentrifch mit der verticalen Umdrehungs achfe ift ein Metall cylinder aufgeftellt, der mit Papier überzogen wird und gegen deffen Mantelfläche faft berührend eine mit dem Zeiger ver­bundene und verftellbare Spitze gerichtet ift. Ein Inductionsftrom wird durch die Pendelftange dem Zeiger zugeleitet und der zum Cylinder überfpringende Funke gibt die Zeitmarke. Damit viele aufeinander folgende Zeitmarken ver­zeichnet und abgelefen werden können, erhält der Cylinder eine mit der Achfe parallel fortfchreitende Bewegung, fo dafs die Zeitmarken in einer Spirale angeordnet erfcheinen. Bei den grofsen Apparaten ift der Weg des Zeigers in einer Secunde gleich zwei Meter und da noch Zeitmarken unterfchieden werden können, die um/ Millimeter abftehen, fo geftattet der Chronograph noch 1/10000 Secunde zu meffen.

Einen Chronograph nach dem Syfteme von Liais brachte E. Defchiens in Paris. Durch verftellbare Windflügel regulirt, dreht ein Uhrwerk eine hori­zontale, mit Papier überfpannte Scheibe um eine verticale Achfe. Durch dasfelbe Uhrwerk wird eine horizontale Schraube umgedreht und hiedurch ein Schlitten

* Kosmos, Band XX, p. 296.

** Comptes rendus, vol. LII, p. 667.