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Ferdinand Lippich.
verfchoben. Diefer Schlitten trägt zwei horizontale Arme, die bis an jenen Durchmeffer der Scheibe reichen, welcher der Schraubenachfe parallel liegt. Am Ende der Arme find zwei Schreibftifte fchief und nahe gegen einander geftellt angebracht, fo dafs fie beim Rotiren der Scheibe eine doppellinige Spirale aufzeichnen. Die Arme werden durch Elektromagnete nach links und rechts gezogen und es gibt der eine Stift die Secunden, der andere die Marken des zu regiftrirenden Zeitmomentes. Durch Stromfchlufs kann das Uhrwerk rafch angehalten werden und ebenfo nimmt es, in Bewegung gefetzt, fehr bald die conftante Grenzgefchwindigkeit an. Diefer Chronograph ift zunächft für aftronomifche Zwecke beftimmt, kann aber auch zur Meffung fehr kleiner Zeiten dienen, wenn die Zeitmarken durch überfpringende Funken erzeugt werden.
Von Jaspar in Lüttich war der fchon feit längerer Zeit bekannte Chronograph von Le Boulengé* ausgeftellt. Aus der Fallhöhe während der zu beftimmenden Zeit wird auf diefe gefchloffen. An einer verticalen Säule find zu beiden Seiten und in verfchiedenen Höhen zwei Elektromagnete befeftigt. Jeder hält bei vorhandenem elektrifchen Strome einen cylindrifchen Anker feft, von denen der eine an dem höher liegenden Elektromagnet mit Papier überzogen wird und zur Aufnahme der Zeitmarken dient. Diefe werden durch einen Hebel erzeugt, der mit einer Schneide gegen den fallenden Cylinder fchnellt und diefer Hebel wird ausgelöft durch das Herabfallen des anderen Ankers. Damit die Anker bei Unterbrechung des Stromes fofort abfallen, wird der remanente Magnetismus durch einen Zweigftrom compenfirt. Läfst man zuerft denfelben Strom um beide Elektromagnete gehen und unterbricht ihn, fo erhält man eine Marke, die als Ausgangspunkt dient. Gehen aber durch die Magnetifirungsfpiralen verfchiedene Strome, die zu verfchiedenen Zeiten unterbrochen werden, fo erhält man andere Marken, aus deren Lage die Zeit gefunden werden kann, die zwifchen der Unterbrechung des einen und des anderen Stromes verfloffen ift. Der Apparat hat fich bei Beftimmung der Gefchwindigkeiten von Gefchoffen fehr gut bewährt.
Auch das wohlbekannte Chronofkop von Hipp in Neuenburg war durch ein Exemplar vertreten. Der Grundidee nach von Wheatfton herrührend, erhielt es erft durch Hipp jenen Grad von Vollkommenheit, die es zu exacten Meffungen tauglich machte. Diefes Uhrchronofkop gibt noch 1/1000 Secunde an und wird noch heutzutage in vielen Unterfuchungen mit Vortheil angewendet.
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Barometer. Das Queckfilber Barometer ift zwar in letzter Zeit bei vielfachen Anwendungen durch die Dofenbarometer verdrängt worden, in feiner wichtigften Bedeutung als wiffenfchaftliches Mefsinftrument bleibt es nach wie vor unberührt und es ift die Grundlage, der auch die Aneroide nicht entbehren können, wenn fie bei gewiffen Operationen mit einiger Zuverläffigkeit dem Queckfilberbarometer fubftituirt werden follen.
Queckfilberbarometer als Präcifionsinftrumente find in Oefterreich nur von L. J. Kappeller in Wien ausgeftellt worden. Dafür war aber auch das Gebotene an Reichhaltigkeit und Ausführung bedeutend genug, um Oefterreich in diefer Richtung eine hervorragende Stellung zu fichern. Der Name Kappeller hat fich auch bereits einen fo guten Klang verfchafft, dafs man nur Treffliches erwarten konnte. Wir heben hervor:
Ein Normalheber- Barometer in Meffing gefafst, die Röhre nahe an 15 Millimeter weit, mit beweglicher, auf Silber getheilter Scala; die Einftellung gefchieht mittelft Mikroikope. Beim Nichtgebrauch ift das Inftrument in geneigter Stellung fixirt und wird erft vor der Ablefung in verticaler Lage befeftigt. Die Scala, in halbe Millimeter getheilt, geftattet, mit Nonius noch o'o1 Millimeter abzulefen. Reifeheber Barometer in Holzkaften und Fortin'fcher Schneideeinftellung.
* Bulletins de l'Académie Royale des sciences de Belgique, vol. XVII. 2, p. 92.