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Mathematische und physikalische Instrumente : (Gruppe XIV, Section 1 und 2) ; Bericht / von Ferdinand Lippich ...
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Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente.

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Es erübrigt noch eine Pumpe ausführlicher zu befprechen, die leider nur durch Zeichnungen und Photographien illuftrirt war, nämlich die neue Queck filber- Luftpumpe oder, wie fie der Erfinder nennt, die Barometer Luft­pumpe" von Kravogl in Wilten bei Innsbruck. Die Conftruction derfelben datirt aus dem Jahre 1872; fie konnte defshalb nicht ausgeftellt werden, weil ihre fofortige Verfendung nach Amerika bedungen war und der Verfertiger, ohne Gehilfen arbeitend, eine Vervielfältigung feiner Inftrumente nur langfam zu Stande bringen kann.

Kravogel hatte auf der Parifer Weltausftellung für eine Quecksilber. Luftpumpe eine Auszeichnung erhalten; die neue Pumpe ift eigentlich nicht als eine Vervollkommnung diefer früheren zu betrachten, denn fie bafirt auf einem anderen Principe. Sie ift überdiefs doppeltwirkend und geftattet die Anwendung des Babinet'fchen Hahnes. Wir wollen verfuchen, ihre Einrichtung verftändlich zu machen.

Zwei hohle gufseiferne Röhren( nahe 5 Meter lang) find vertical geftellt, an ihren oberen Enden fchüffelförmig erweitert, an ihren unteren gefchloffen. Sie umgeben jedes einen maffiven Eifencylinder, der etwas kürzer als fein Mantel oben conifch ausläuft. Zwifchen dem Mantel und dem Kern bleibt demnach ein Hohlraum von ringförmigem Querfchnitt, der unten gefchloffen ift. In diefen fchiebt fich von oben her ein anderer Hohlcylinder von faft gleicher Länge wie die feften Kerne und oben conifch fich verengend. Diefe beweglichen Cylinder haben die Bedeutung der Stiefel einer gewöhnlichen Pumpe und die Kerne erfetzen die Kolben. Die beiden erftgenannten Röhren werden mit Queckfilber gefüllt, deffen Menge fo bemeffen ift, daſs, wenn die Stiefel die tieffte Stellung haben und der Raum zwifchen Stiefel und Kolben ganz mit Queckfilber ausgefüllt ist, dasfelbe aufserhalb der Stiefel bis in die fchüffelförmigen Erweiterungen reicht; wenn fie aber die höchfte Stellung einnehmen, dürfen ihre unteren Ränder nicht aus dem Queckfilber, deffen Niveau dann in der Röhre tiefer gerückt ift, heraustreten. In den oberen Theil eines jeden Stiefels münden zwei Röhren, die mit dem inneren Raume des Stiefels vermittelft eines um die verticale Achfe deffelben drehbaren Hahnes in Communication treten können. Die eine diefer Röhren führt durch einen biegfamen Schlauch zum Recipienten, die andere in die freie Atmoſphäre. Die Bohrungen, welche vom Hahne zu den Röhren leiten, enthalten Stöpfelventile, deren cylindrifche Stöpfel beim Eindringen des Queckfilbers in die Bohrungen gehoben und gegen die flafchenhalsförmig fich verengenden Wandungen des Ven­tilraumes gedrückt werden. Das Eintreten des Queckfilbers in die Röhren ift hiedurch verhindert.

Die Art und Weife, wie die Pumpe functionirt, ift nun leicht einzufehen. Der Stiefel habe feine tieffte Stellung; im Recipienten fei bereits ein gewiffer Grad der Verdünnung vorhanden und durch den Hahn der Recipienten canal mit dem Stiefelraum in Communication gefetzt. Wird der Stiefel gehoben, fo bleibt er anfänglich mit Queckfilber gefüllt, bis durch das Sinken desfelben aufserhalb des Stiefels die Queckfilber- Höhe über diefem Niveau der Druckdifferenz zwifchen äufserer Atmoſphäre und dem Recipienten entſpricht. In diefem Momente öffnet fich das Ventil und es tritt die Luft aus dem Recipienten in die fich ver-, gröfsernde Luftkammer des Stiefels. Hat diefer feine gröfste Höhe erreicht, fo wird die Communication mit der äufseren Atmoſphäre hergeftellt, der Recipienten­canal ift abgefperrt und beim Niedergehen wird die Luft wieder ausgetrieben, bis das Ventil durch das herantretende Quecksilber wieder gefchloffen wird. Der zweite Stiefel macht natürlich gleichzeitig die entgegengefetzte Bewegung.

Diefe Pumpe befitzt keinen fchädlichen Raum; denn der ganze Stiefel und die Bohrung im Hahne, welche zum Ausblaferohr führte, find im Momente der Drehung gegen das Recipientenventil vollſtändig mit Queckfilber ausgefüllt. Auch mufs die Oeffnung des Recipientenventils bei jeder Spannung der Luft im Recipienten, felbft wenn fie Null wäre, erfolgen. Trotz der Ventile und Hähne