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Die Telegraphen-Apparate : (Gruppe 14, Section 2) ; Bericht / von Leander Ditscheiner
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Dr. Leander Ditfcheiner.

fich dazu als zu fchwach erwiefen und bei ihrer alleinigen Anwendung blieb die Ent­ladung unvollſtändig, fo dafs ein grofser Theil des Rückftromes durch A', refpective AA, hindurchging. Namentlich, wenn man trockenes Wetter und eine gute Ifolirung vorausfetzt, leiftet die Linie einen grofsen Widerftand. Die Linien­ftröme find in Folge deffen in Paris ziemlich fchwach, die Ladung der Linie erreicht aber in diefem Falle ihr Maximum. Wenn nun die Entladungsrelais nur durch den Linienftrom durchfloffen find, fo wird gerade dann die Bewegung ihrer Anker am fchwächften, wenn die Rückftröme am kräftigften find, wo fie alfo mit aller Sorgfalt verhütet werden follen. Mit der Localbatterie erhält man aber im Gegentheil einen Strom von conftanter Stärke und die Bewegung der Anker findet in allen Fällen mit derfelben Genauigkeit, Stärke und Schnelligkeit ftatt. Damit der Telegraphenbeamte leicht und praktifch die Regulirung der Relais mit der Hand ausführen könne, z. B. in den Relais AA, Fig. 5, und nicht erft die Anker mit den Schrauben Vund T verftellen und fie fo dem einen oder dem anderen Arme des Elektromagnetes nähern mufs, fo begrenzt man ein für alle­mal die Bewegung des Ankers zwifchen den beiden Schrauben und es ift begreiflich, dafs diefe Bewegung in fo enge Grenzen als nur immer möglich eingefchloffen fein mufs, und dann macht man die Wirkung des einen oder anderen Armes auf den Anker gröfser oder kleiner, indem man eine grofse eiferne Schraube mehr oder weniger tief in den einen Arm des Elektromagnetes eindringen läfst. Diefe Schraube ift auf der linken Seite des Relais AA mit ihrem Schraubenkopfe dar­geftellt. Der Beamte hat dann nur diefen Schraubenkopf paffend zu drehen, um den richtigen Gang des Relais herbeizuführen. Ebenfo regulirt man das Relais A¹A¹. Um den richtigen Gang des Ankers R des Relais BB herzuftellen, braucht man nur mit dem Finger den Anker N des Sprechapparates fo hin- und herzubewegen, dafs die Localbatterie abwechselnd gefchloffen und geöffnet wird und der Strom durch die Spulen von BB fliefst oder nicht. Man dreht mit der anderen Hand die Schraube, welche man links von BB bemerkt, fo dafs der Anker R die gewöhnlichen Hin und Herbewegungen macht wie beim Relais AA; dann hat man nur noch paffend an derfelben Schraube zu drehen, damit R nur eine Hin­und Herbewegung beim Oeffnen des Stromes ausführt. Selbſtverſtändlich regulirt man B1B1 ebenfo. Diefes Relaisfyftem hat die Schwierigkeiten der Uebertragung auf mehreren Kabeln des Canals und der Nordfee überwunden, und führt feit mehr als einem Jahre mit grofser Regelmäfsigkeit den directen Dienft zwifchen Marfeille und London. Von Seite Oefterreichs ift ein folches Relais in Bregenz feit einigen Monaten, zur Uebertragung von Wien nach Paris, in Thätigkeit und ent­fpricht auch auf diefer Linie vollkommen.

Eine Reihe von Commutatoren und Umfchaltern finden fich felbft­verſtändlich ihrer grofsen Wichtigkeit wegen für den Linienwechfel; fie find aber zumeift älterer Conftruction( Stöpfelumfchalter). Die von Siemens und Halske ausgeftellten Kurbelum fchalter zeigen eine neue Einrichtung zur gröfseren Sicherftellung eines guten Contactes. Die Kurbel ift nämlich mittelft eines Schlitzes auf die Kurbelachfe aufgefteckt, fodafs fie fich gegen diefe ein ziem­liches Stück verfchieben kann; in den leeren Raum des Schlitzes ift aber eine Spiralfeder eingelegt, welche fich mit dem einen Ende gegen die Achfe, mit dem anderen gegen die innere Wand des Schlitzes anlegt und fomit die Kurbel mit dem entgegengefetzten Ende des Schlitzes feft an die Achfe zieht. Wenn fich nun die Kurbel an den feftliegenden, zum Theile auch federnden Contacten hin­bewegt, fo wird durch deren Druck gegen die Kurbel die Spiralfeder zufammen. gedrückt, die Kurbel gibt nach und wird endlich in ihrer richtigen Stellung feft­gehalten. Während der ganzen Bewegung aber erhält die Feder einen ficheren Contact zwifchen der Kurbel und ihrer Achfe. Aufser Siemens und Halske nennen wir hier noch die Handels- und Induftriegefellfchaft in Liffabon, welche mehrere Commutatoren, unter anderen jenen des Benoides ausftellte, Ch. Devos bei Brüffel u. f. w.