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Dr. Leander Ditfcheiner.
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In der deutfchen Abtheilung fanden wir Morfe Apparate in gröfserer Zahl bei der internationalen Telegraphenbau Anftalt in Berlin, und zwar Morfe Farbfchreiber in gewöhnlicher Einrichtung und folche für Ruheund Arbeitsftrom mit der Wiehl'fchen Modification des Schreibhebels; ferner von Wiefenthal& Comp. in Aachen, namentlich aber wieder bei Siemens& Halske in Berlin. Wir fanden dort einen kleinen und einen grofsen fogenannten Kaften- Morfe, letzteren mit Doppelmagnet, einen gufseifernen Relieffchreiber und einen Submarinefchreiber. Ferner fanden wir unter den Namen Normalfarb- Schreiber und Normalrelief- Schreiberjene Formen der Morfe Schreiber, wie fie jetzt von der deutfchen Reichsverwaltung angenommen find. Bei der grofsen Verbreitung, welche diefe MorfeApparate finden, find die einzelnen Theile fabriksmäfsig hergeftellt und ift die Handarbeit fo viel als möglich vermieden. In einem Glaskaften fanden wir auch eine vollſtändige Zufammenftellung diefer einzelnen Theile. Das Schreibrädchen des Farbfchreibers wird, wie auch früher, durch das Triebrad umgedreht, aber es ift das Univerfalgelenk vermieden. Die Papierrolle liegt unter dem Apparate in einem Kaften, bei welcher Anordnung die Papierführung einfacher ift. Die Elektromagnetkerne laffen fich durch eine Schraube auf- und abbewegen, fo dafs ihre Stellung gegen den Anker nach der gröfseren oder geringeren Stromftärke regulirt werden kann. Die Stiftfchreiber haben die Papierrolle immer oben, und zwar entweder eine einfache Rolle, wie gewöhnlich, oder eine mit ihrem Fufse in eine Führung am Apparatkaften einfchiebbare doppelte Papierrolle, welche eine fchnellere und leichtere Einführung eines neuen Papierftreifens geftattet, wenn jener der erften Rolle zu Ende geht. Die beiden Rollen fitzen dann am oberen Ende des aufrechtſtehenden Trägers. Der obere Theil des Trägers aber ift felbft um eine verticale Achfe drehbar, fchnappt jedoch in den beiden richtigen Stellungen der erften und zweiten Rolle durch fein Gewicht ein. In den Zwifchenftellungen bleibt er aber nicht ftehen. Beide Normalfchreiber find mit einem fich felbft regulirenden Windflügel ausgerüftet.
Morfe- Apparate fanden fich namentlich auch bei Siemens Brothers in London, und zwar in einer gröfseren Zahl von verfchiedenen Einrichtungen; bei Digney, frères& Comp. ein Farbfchreiber nach Digney, bei L. Deschiens in Paris ein Morfe Apparat nach dem Syftem Rault& Chaffan, bei M. Hipp in Neuenburg( auch folche ohne Relais und Localbatterien nach Hipp's Angaben), bei E. H. Holft in Kopenhagen, und, zwar ein Stiftfchreiber mit feitlichem Arm, ähnlich wie bei der Siemens'fchen Conftruction, bei Dr. C. Frommhold, Auguft Weyrich und Wilhelm Weimer, fämmtlich in Peft; bei De Vos Charles, SaintJoffe ten- Noode bei Brüffel, bei der Ausftellung des Handels- und Gewerbeinftitutes in Liffabon, bei Voronzoff- Velianikoff in Warfchau und vielen Anderen. In Bezug auf die completen Morfe- Telegrapheneinrichtungen, welche übrigens bei vielen Firmen zumeift lediglich als eine bequeme Zuſammenftellung der hiehergehörigen Apparate aufzufaffen ift, fpielt auch wieder die Firma Siemens& Halske in Berlin die erfte Rolle. Wir fanden dort einen completen Kriegstelegraphen fammt allem Zugehör in leicht transportabler Verpackung. Zahlreicher aber waren die Eifenbahn- Morfe- Einrichtungen exponirt. Bei den Morte'fchen Eifenbahnftations- Telegraphen find die zu einer Station gehörigen Apparate( Farb oder Stiftfchreiber, Relais, Tafter, Galvanofkop, Blitzableiter) auf einem gemeinfchaftlichen Grundbrete feftgefchraubt, welches in eine Vertiefung des Apparattifches eingeſetzt wird. Dabei find behufs einer fchnelleren und einfacheren Auswechslung eines folchen Apparatfatzes die Leitungsdrähte nicht unmittelbar nach Klemmfchrauben an den einzelnen Apparaten geführt, fondern mit fcheidenförmigen, in jener Vertiefung des Tifches befindlichen Ständern verbunden, auf welche fich beim Einfetzen des Grundbretes in die Vertiefung die fogenannten Frifchen'fchen Federfchlufs- Klemmen auflegen