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Die Telegraphen-Apparate : (Gruppe 14, Section 2) ; Bericht / von Leander Ditscheiner
Entstehung
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Telegraphen- Apparate.

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gebenden oder empfangenden Station gewechfelt werden, alfo mit wechfelnden oder gleichgerichteten Strömen gearbeitet werden. Bei Anwendung diefes Syftemes ift die Translation fehr leicht auszuführen, da die Manipulateure der Translations­ftation nicht fynchron zu fein brauchen und nur die Schreibapparate die Ein­richtung der Arbeitstafter zu bekommen haben. Ferner kann die Translations­ftation mit beiden Endftationen der Partialkette in Correfpondenz treten, trotzdem gleichzeitig die beiden Endftationen im directen Verkehre ftehen. Die Schreib­apparate find Morfe- Relief- oder Farbfchreiber. Die Leiftungsfähigkeit diefes Syftemes hängt von der Fertigkeit des Manipulirenden ab und können bei vier­bis achtfacher Ausnutzung 80 bis 160 Depefchen per Stunde angenommen werden. Beim dependenten Morfe- Syfteme( Morfe- Druckapparat Bauer) können ebenfalls vier bis acht Manipulanten gleichzeitig arbeiten. Als Nebenapparate fungiren als Zeichengeber eine Claviatur von 7 Taften mit dem Grundzeichen''' 0 ( o entspricht der Blanc- Tafte), und als Zeichen empfänger ein polarifirtes Relais und ein Typenrad mit obigen Grundzeichen. Diefe Morfe- Zeichen werden mittelft des Typenrades, das durch den Manipulateur fynchron bewegt wird, auf den Papier­ftreifen abgedruckt und können fodann abgelefen werden. Bei diefem Syſteme ift für jedes Zeichen nur ein Strom nothwendig, da die Länge und Kürze durch die Grundzeichen des Typenrades felbft gegeben werden. Ein eigenes Lernen des Spieles ift nicht nothwendig, da jede Tafte einzeln oder alle einen Buchstaben bildenden zufammen niedergedrückt werden können; ebenfowenig braucht ein gewiffer Tact eingehalten zu werden. Sämmtliche Buchftaben, mit Ausnahme von h, v und j, fowie der Zahlen o bis 9 können mit einer Umdrehung des Typenrades gegeben werden, fo dafs das Telegraphiren äufserft rafch vor fich geht. Da das Typenrad bei einer vierfachen Ausnützung zwei Umdrehungen in der Secunde macht, fo können auf jedem Apparate zwei Buchstaben per Secunde gedruckt werden. Nimmt man eine Depefche mit 20 Worten, das Wort im Durchschnitte zu fieben Buchftaben an, fo ergibt diefs 140 Buchftaben, alfo 57 Secunden. Im Mittel kann man alfo eine Depefche per Minute geben, was für einen Apparat 60, für vier Apparate 240 Depefchen per Stunde gibt. Beim independenten Druckfyfteme ( freies Hughes- Spiel) können zwei Manipulanten mittelft des Hughes Apparates unabhängig auf einer Linie arbeiten. Die Leiftungsfähigkeit ift durch die Hughes­Apparate beftimmt. Beim dependenten Druckfyfteme( Typen- Druckapparat Bauer) können vier Manipulanten gleichzeitig auf einer Linie arbeiten und mittelft einer Claviatur für jeden Buchftaben einen Strom geben, wobei fie beliebig viele Buch­ftaben, wie fie in unmittelbarer Reihe aufeinanderfolgen, auf einmal greifen und geben können. Die mittelft der Claviatur gegebenen Buchftaben werden durch Typen­räder auf den Papierftreifen abgedruckt. Die Empfangsapparate mit den Typen­rädern haben kein fynchrones Uhrwerk, fondern werden durch den Manipulateur fynchron bewegt. Die Leiftungsfähigkeit beträgt bei diefem Syfteme bei vierfacher Ausnützung der Leitung ebenfalls 240 Stück Depefchen per Stunde, wobei jedoch die Depefchen fchon vollſtändig in Lettern gedruckt werden und nicht erft nieder­gefchrieben werden müffen.*

Die grofse Verbreitung, welche die elektriſchen Einrichtungen für die Herftellung einer Verftändigung von verfchiedenen Räumlichkeiten aus gefunden haben, in Hotels, Fabriken u. f. w. fowohl wie in den einfachften Wohnungen,

* Die angeführten Notizen über den Bauer'fchen Illimit- Telegraphen verdanke ich der Freundlichkeit des Herrn Bauer felbft. Sie find fo niedergefchrieben worden, wie fie mir gegeben wurden, da der auf der Ausftellung felbft befindliche Apparat noch nicht vollständig fertig war, alfo auch nicht in Thätigkeit gefetzt werden konnte, wodurch felbftverſtändlich ein Studium feiner Theile und ihres Zufammenwirkens nicht möglich war. Ausserdem ift es begreiflich, dafs Herr A. Bauer vor der gänzlichen Vollendung feines Apparates eine detaillirte Befchreibung nicht wünſcht, da fonft vielleicht die Patentirung in einigen Ländern erfchwert würde. Wenn auch der Apparat dem Anfehen nach complicirter erfcheint als der Meyer'fche, fo wäre es doch möglich, dafs er diefem Apparate in der Wirkung gleichgeftellt werden könnte. Die Jury ertheilte Herrn Bauer die Fortfchrittsmedaillc, Herrn Meyer aber das Ehrendiplom.