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Musikalische Instrumente : (Gruppe XV) ; Bericht / von Eduard Schelle
Entstehung
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Eduard Schelle.

die Ausführung orgelpunktartiger Sätze aufs Möglichfte erleichtert. Das zweite Inftrument enthält 5 Spiele mit 2 Manualen, deren jedes feinen eigenen Ton­charakter hat, und 17 Regifter. Beide Werke zeichnen fich durch foliden Bau, durch eine leichte, angenehme Spielweife, durch überaus präcife Anfprache der Zungen auch beim leifeften Wind und durch charakteriftifche Intonation der verfchiedenen Stimmen aus. Aufserdem lieferte die Firma noch I Harmonium mit 5 Octaven, von 6 Spielen, 23 Regiſtern mit einem kleinen Prolongement. Als Regifter von vorzüglicher Klangfchönheit find zu nennen: Clarinette, Flöte, Oboë; ferner I Harmonium mit 2 Octaven, 4% Spielen und 17 Regiftern, ein anderes mit 5 Octaven, 3 Spielen und 13 Regiftern. Alle die genannten Inftrumente find mit Percuffionsmechanik verfehen. An kleineren Werken diefer Art fanden fich noch vor I Harmonium mit 5 Octaven, 5 Regiftern und 1 Spiel, ein anderes mit 42 Octaven, I Regifter und I Spiel, dann I mit 5% Octaven, I Spiel und I Regifter. Der Preis der Inftrumente fteigt nach dem Unfange derfelben von 90 fl. bis 800 fl. öfterreichifcher Währung. Als befondere Vorzüge der Inftrumente aus diefer Fabrik find noch zu bezeichnen der ausgiebige Ton, welcher auch bei der gröfsten Windkraft feftſteht und gegenüber dem näfelnden Charakter anderer Inftrumente diefer Art eine ungemeine Klangfülle entfaltet, ferner die präcife, unhörbare Function der Mechanik, fo dafs kein Stofsen, kein Klopfen fich bemerk­lich macht. Das Gebläfe ift vorzüglich eingerichtet, die Bälge haben einen feften und doch leichten Gang, ebenfo die Regifter. Zu den Einführungen, durch welche fich Titz befonders um das Inftrument verdient gemacht hat, gehört auch der Plenotritt für fämmtliche Spiele, vermittelft deffen der Grandjeuzug entfällt und das Spiel nicht unterbrochen zu werden braucht; auch gebührt Titz die Priorität, den 32- Fufston im Harmonium verwendet zu haben. Aus den vorgeführten. Leiftungen läfst fich erwarten, dafs die Firma den guten Klang ihres Namens auch nach dem Ableben des Meifters bewahren und noch fteigern wird.

Das bereits erwähnte, von Klein ausgeftellte Harmonium ift mit einem Schreibtisch verbunden und empfiehlt fich durch ein elegantes Aeufsere. Das Trittwerk ift fo befchaffen, dafs es mit leichter Mühe zurückgefchoben werden kann. Das Werk felbft enthält 2 Spiele, 8 Regifter mit 5 Octaven. Das Harmo­nium von Deutfchmann entzieht fich aller Beurtheilung, weil es durchaus unzugänglich gewefen ift.

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Im deutfchen Reiche führt die fchon gedachte Firma J. und P. Schied­mayer in Stuttgart den Reigen an. Die Herren Julius und Paul Schied mayer ( Firma J.& P. Schiedmayer) find Söhne des Johann Lorenz Schiedmayer, aus Erlangen gebürtig, deffen Vater, Johann David Schiedmayer, kurfürftlicher Hof- Inftrumentenmacher dafelbft war und fpäter nach Nürnberg überfie delte und dort bis zu feinem Tode, 1806, fein Gefchäft mit gutem Erfolg betries. Johann Lorenz Schiedmayer etablirte fich im Jahre 1809 in Stuttgart, wo er als Gründer des Pianoforte- Baues profperirte und alsbald, durch feine allgemein anerkannten Beftrebungen dem Fortfchritte huldigend, feinen Namen in der Aufsen­welt bekannt machte. Er ftarb im Jahre 1860, indem er fein Gefchäft, mit den beften Mitteln und gutem Renommé ausgeftattet, feinen beiden älteften Söhnen Adolf und Hermann hinterliefs, welches unter der Firma Schiedmayer& Söhne fortbetrieben wird. Seine beiden jüngeren Söhne dagegen etablirten unter der Firma J.& P. Schiedmayer, im Jahre 1853 in Stuttgart eine Harmonium­fabrik, nachdem fie vorher diefen Zweig in den erften Werkstätten von Paris und London praktiſch, gründlich ftudirt hatten. Da diefe Induftrie vorzugsweife in Paris heimifch war und von da beziehungsweife den grofsen Weltmarkt beherrfchte, fo nahmen fie urfprünglich das von Debain und Alexandre verfolgte Syftem an, welches damals für das vollkommenfte galt. Die Vorliebe für das in Deutſchland bis dahin noch wenig anerkannte Harmonium, deffen Popularifirung ihnen zuzu­fchreiben ift, ihre raftlofe Thätigkeit, ihr Streben nach Vervollkommnung diefes gewiffermafsen als Stellvertreter der Orgel geltenden Inftrumentes erwarben der