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Musikalische Instrumente : (Gruppe XV) ; Bericht / von Eduard Schelle
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Mufikalifche Inftrumente.

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Seraphine, bald Aeolophon und Aeolomufikon genannt. Unter allen diefen Benen­nungen hat gegenwärtig der Name Harmonium das Bürgerrecht gewonnen, und an ihn knüpft das letzte Stadium der Bildung, welche das Inftrument in feiner kurzen Gefchichte erreicht hat. Seine rafche Beförderung zu diefem Stadium verdankte in Wien das Harmonium zunächft Deutfchmann, dann aber ganz insbefondere dem in diefem Jahre leider durch den Tod der Kunft zu früh entriffenen Titz. Der Erfte hatte die Erfindung Häckel's übernommen und diefelbe durch eine Einrichtung bereichert und vervollkommnet, mittelft welcher eine Beständigkeit in der Wind­richtung und zugleich die Möglichkeit, die letztere durch zwei Druckbälge nach Belieben zu lenken, erzielt wurde. In Paris erwarb fich Martin mit der bereits erwähn­ten Percuffion, welche die Firma Alexandre weidlich auszunützen verftand, und neben. ihm Debain ein grofses Verdienft um diefes Inftrument. Mit ganz befonderer Vorliebe cultiviren es gegenwärtig die Amerikaner. Sie haben ein ganz neues Syftem eingeführt, indem fie ftatt der Stofsbälge, die bei uns üblich find, Saug­bälge anwenden. Die Windftrömung erhält in Folge deffen die entgegengeſetzte Richtung, welche natürlich auf den Ton zurückwirkt und diefem eine mildere Klangfarbe verleiht. Den erften fabriksmäfsigen Betrieb des Harmoniums im grofsen Mafsftabe rief in Deutfchland die Firma J. und P. Schiedmayer in Stuttgart ins Leben und hat für die Verbefferung und Verbreitung des Inftrumentes ungemein Erfpriefsliches geleiftet.

In der That waren die Harmoniums am zahlreichften in der öfterreichifchen und deutfchen Abtheilung vertreten, und dürfte man aus der Anzahl der Firmen auf den Betrieb in den Ländern, denen fie angehören, fchliefsen, fo würden Oefterreich und Deutfchland die erfte Stelle einnehmen. So führte die öfter­reichifche Abtheilung drei Firmen vor, nämlich Titz, Deutfchmann, Klein, unter denen auf Titz allein 9, auf die beiden andern 2 Inftrumente kamen. Aus dem deutfchen Reiche und zwar aus Stuttgart haben die Ausftellung befchickt: J. und P. Schiedmayer mit 6 Inftrumenten, Rietheimer mit 4, dann Ph. J. Frayfer& Comp. mit 3, Trefz& Feuchtl mit I, E. Kraus mit 2, J. G. Gfchwind mit 2. Zu diefen gefellt fich noch die Firma G. F. Stein­meyer& Comp. aus Oettingen in Baiern, welche 2 Harmoniums brachte. Deutfch­land lieferte alfo im Ganzen 7 Ausfteller mit 20 Harmoniums. Aus Frankreich hatte fich nur Alexandremit 6 eingefunden. Sehr bedauerlich ift es, dafs der geniale Debain, wie es fcheint, verhindert war, ans von feinen von feinen neueften Leiftungen eine Probe vorzuführen. In der italienifchen Abtheilung haben nur die Gebrüder Vittino aus Centallo( Cuxeo) 1, Mola Giuſeppe aus Turin 3 derartige Werke geftellt. Die 3 Harmoniums, als deren Ausfteller Dr. Tubi Graziano im Kataloge figurirt, konnten wir nicht entdecken. Aus Schweden hat fich A. G. Wilgren in Stockholm mit einem kleinen Harmonium eingefunden. Ueberdiefs traf man auch noch im fchwedifchen Schulhaufe auf ein Harmonium, von gleichen Dimen­fionen. In der amerikanifchen Abtheilung repräfentirten fich die weltberühmte Firma Mafon& Hamlin mit 8 und Eft ey& Comp. aus Bratleboro( Vermont), mit ebenfoviel Harmoniums.

Doch nicht allein an Quantität der Production ragen Oefterreich und Deutfchland gegenüber den angeführten ausftellenden Staaten auf diefem Gebiete hervor, fondern ihre Inftrumente dürfen auch im Grofsen und Ganzen, was Klang­wefen und Mechanik anbelangt, die höchfte Anerkennung beanfpruchen. Als wahre Mufterleiftungen empfehlen fich zunächft in der öfterreichifchen Abtheilung unter den Harmoniums von Titz zwei Werke, deren eines nicht weniger als 7 volle Spiele mit einer einzigen Taftatur von 5 Octaven aufweift. Die Percuffion ift nicht ifolirt, fondern, wie es die Regel mit fich bringt, mit der Flöte verbunden. ein grofses Unter den 27 Regiftern befinden fich auf zweien Prolongements, zur Linken, und ein kleines, das letztere in 4 Züge, 2 zur Rechten und 2 getheilt. Diefes Prolongement ift eine Erfindung, die man Titz verdankt. Der Vortheil der Prolongements befteht darin, dafs der Ton forthallt, was namentlich

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