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Musikalische Instrumente : (Gruppe XV) ; Bericht / von Eduard Schelle
Entstehung
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Mufikalifche Inftrumente.

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Vervollſtändigung zwei Geigen zu erwähnen, angefertigt 1870 von einem Grafen Leopold Martini in Galliano. Beide zeichnen fich in der That durch eine fchlechte Bauart und nicht minder fchlechten Ton aus.

In der ungarifchen Abtheilung ragten auf dem Gebiete der Streichinftru­mente Wenzel Schunda und S. Nemeffanyes in Peft hervor. Schunda hat ein Streichquartett gebracht, das fich durch feine gediegene Qualität um fo mehr empfliehlt, als der Preis verhältnifsmäfsig fehr billig ift, nämlich nur 150 Gulden öfterreichifcher Währung beträgt; Nemeffany es zwei Violinen von fchöner Factur und edlem Ton.

In der deutfchen Abtheilung war es hauptfächlich die Firma Grimm in Berlin, welche zunächft durch ihren langbewährten Ruf die Aufmerkfamkeit feffelte. Grimm hat ausgeftellt: 1. Ein Quartett, zu 1000 Thaler. 2. Einen Doppelkaften mit zwei Violinen zu 400 Thaler. Die Geigen find von fchöner Form und gutem Holz; unter den Inftrumenten ift befonders die Viola als ganz vorzüglich hervor zuheben. Eine andere Berliner Firma, H. Knopf, brachte eine Violine zu 80 Thaler, Imitation, der Ton ift ftark und fchön.

Eine ganz befondere Beachtung hat Herr Schünemann aus Hamburg zu beanfpruchen, zumal er durch die Schuld feines Vertreters von der Jury ganz zur Seite gelaffen wurde. Derfelbe hat 3 Geigen und 1 Cello geliefert. Unter den erften machte fich die kleinfte Geige bemerkbar, die fich auf der Ausftellung befand. Die gröfste Länge des Inftrumentes beträgt nicht mehr als 20 Centimeter, die gröfste Breite nur 6 Centimeter und 7 Millimeter und dabei ift es durchaus correct und regelrecht gebaut. Einen künftlerifchen Werth hat es freilich nicht, aber es ftellt der Gefchicklichkeit des Meifters ein Ehrenzeugnifs aus. Die zwei Geigen, eine nach Giuſeppe Guarneri, die andere wie das Cello nach Stradivari, find von ganz vorzüglicher Arbeit; in Betreff der Kraft und Helligkeit des Tones hebt fich die nach Giuſeppe Guarneri gearbeitete Violine befonders hervor. Diefe Inftrumente gehören entfchieden zu dem Beften, was die Ausftellung auf diefem Gebiete auf­zuweifen hatte. Die grofsen Vorzüge diefer Geigen find theils auf Rechnung der Gefchicklichkeit des Erbauers zu fetzen, theils auf die Vortrefflichkeit des Materials. Das letztere befteht in einem Holz, welches bereits ein Säculum überdauert hat, und damit ift auch die Garantie gegeben, dafs diefe Inftrumente bei guter Behand lung mit der Zeit nur an Werth gewinnen werden. Die Violinen ftehen, die eine, die nach Guarneri im Preife zu 300 Gulden, die andere, die nach Stradivari, im Preife zu 200 Gulden, das Cello nach Stradivari zu 300 Gulden.

Hervorragendes leiftete auch F. A. Pfabs, ebenfalls aus Hamburg, mit der von ihm ausgeftellten Violine; man könnte fie nach ihrem hellen und zugleich weichen Ton eine fogenannte Meiftergeige heifsen.

Zwei ganz vortreffliche Violinen, die eine Imitation nach Nikol. Amati, die andere nach Giuſeppe Guarneri, hat Anton Haff aus Augsburg in Baiern geliefert; jede derfelben, einfchliefslich des Kaftens koftet 80 Gulden. Aus Regensburg fendeten Schulze& Kerchfteiner ein Quartett zu 400 Thaler, ferner vier Vio­linen und zwar die erfte eine Copie nach Jofef Guarneri 100 Thaler, die zweite eine Copie nach Peregrino Zanetto mit fchön eingelegter Arbeit zu 100 Thaler, die dritte eine Copie nach Maggini zu 100 Thaler, die vierte eine Copie nach Stradivari zu 100 Thaler. Die genannten Inftrumente find von guter Factur und zeichnen fich durch einen warmen, echt italienifchen Ton aus.

Auch Mittelwalde, jenes kleine Gebirgsftädtchen in Baiern, hart an der Tiroler Grenze, welches durch feine Geigenfabrication gewiffermafsen einen hifto­rifchen Ruf erhalten, fand fich in der deutfchen Abtheilung reichlich vertreten. Die Kunft des Geigenbaues wurde dorthin fchon im XVII. Jahrhundert durch einen Schüler Stainer's, nämlich Egydius Klotz und deffen Sohn Matthäus über­führt und bildet noch heute eine Erwerbsquelle der Bewohner. Die Fabrication gefchieht nach dem Princip der Arbeitstheilung; jeder Arbeiter hat immer einen