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Allgemeine Bewaffung und Artilleriewesen : (Gruppe XVI, Section 2) ; Bericht / von Gustav Semrad u. Johann Sterbenz
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Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen.

3.

auf folche zuerft Bedacht nahm, deren Erfinder Landeskinder waren, kann um fo weniger getadelt werden, als beinahe in allen Ländern und gleichzeitig ver­fuchswürdige Projecte auftauchten.

Die meifte Verbreitung unter allen Syftemen fand jenes von Remington ( Amerika, Schweden, Norwegen, Dänemark, Spanien und Andere) und es würde fich wahrfcheinlich noch weitere Kreife erobert haben, wenn zur Zeit feines Entftehens die Metallpatrone bereits auf der heutigen Stufe der Voll­endung geftanden wäre.

Hat fich aber einmal ein Staat für ein Syftem entfchieden, fo ift aus finan­ziellen Gründen und wegen Verluft an Zeit eine Umkehr nicht leicht mehr mög­lich, eine Thatfache, von der allerdings Rufsland, welches mit feinen Gewehr­fyftemen binnen wenigen Jahren mehrmals gewechfelt hat, bis es endlich definitiv bei Berdan blieb, mit feinen exceptionellen Budgetverhältniffen eine Ausnahme bildet.

Was nun die exiftirenden Syfteme anbelangt, fo laffen fich diefelben hin­fichtlich der im Gebrauche ftehenden Munition in folche mit Papier- und Metallpatronen unterfcheiden; bezüglich des Verfchlufsmechanismus gibt es jedoch drei von einander durchaus verfchiedene Typen und zwar:

Kolbenverfchlüffe mit Zündnadel oder mit Zündftift, je nachdem das Gewehr für den Gebrauch von Papier- oder Metallpatronen eingerichtet ift. Zu erfterer Gattung gehören das Chaffe pot und das preufsifche Zünd­nadelgewehr; zu letzterer das niederländifche Beaumont-, italie­nifche und fchweizerifche Vetterli, und das ruffifche Gewehr des Syftems Berdan II.

Charnierverfchlüffe, bei denen das mit dem Zündftifte verfehene Verfchlufsftück beim Oeffnen entweder vorwärts( belgifches Albini- Brändlin, ruffifches Berdan I. und öfterreichifches Wänzlgewehr), abwärts( eng­lifches Henry- Martini, baierifches Werder und fchweizerifches Pea­bodygewehr), rückwärts( nordamerikaniſches, fpanifches, fchwedifches und dänifches Remingtongewehr) oder nach feitwärts( Snider, à la tabatière, Krnka) bewegt wird.

Wellenverfchlüffe mit einem zur Aufnahme des Zündftiftes einge­richteten und einer Laderinne verfehenen maffiven Verfchlufscylinder, welcher fich um eine im Gehäufe feft gelagerte Achfe dreht( öfterreichifches Wernel­gewehr).

Verfchlufs- und Schlofsmechanismus find entweder getrennt( das Trans­formationsfyftem Albini- Brändlin, dann Peabody, Werndl) oder es find die Functionen von Schlofs und Verfchlufs, wie bei den meiften neuen Ordonnanz­modellen in einem Mechanismus vereinigt.

Die Feuerfchnelligkeit der eben genannten Syfteme variirt zwi­fchen 12 und 16 Schufs in der Minute, je nachdem das Spannen des Schloffes fepa­rat gefchehen mufs, oder beim Oeffnen und Schliefsen des Verfchluffes erfolgt. ( Selbftfpanner.)

In balliftifcher Beziehung leiften von den verfchiedenen Syftemen jene mit dem Kaliber von 10 5 und 11 Millimeter ein Mehres als die mit II 43 Milli­meter, wozu Remington und Henry Martini gehören. Der Unterfchied ift indeffen innerhalb der angeführten Kalibergrenzen kein erheblicher, und hat in der Praxis umfoweniger zu bedeuten, als die Gröfse der beftrichenen Räume felbft auf den entfernteren Diftanzen wenig von jenen differirt, die Gewehre mit II 5 und II Millimeter Kaliber ergaben.

Mit der Einführung der unter dem Namen Einlader" bekannten Hin­terladungsgewehre kann jedoch die Bewaffnungsfrage der Infanterie keineswegs als abgefchloffen betrachtet werden. Ift nämlich auch die Zeit des wehrlofen Zuftandes für den Schützen im Vergleiche zu früher von bedeutend kürzerer Dauer, fo fteht doch im Hinblick auf die unleugbare Wichtigkeit des Schnellfeuers in