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Allgemeine Bewaffung und Artilleriewesen : (Gruppe XVI, Section 2) ; Bericht / von Gustav Semrad u. Johann Sterbenz
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Guftav Semrad und Johann Sterbenz.

Schweden. Die Klingen der Eskiltuna- Actienge fell fchaft liefsen vorzügliches Material und präcife Arbeit erkennen, und find ungeachtet ihrer ftarken Dimenfionen fehr elaftifch. Die Klingen der Artilleriefäbel haben nebft doppeltem Hohlfchliff noch eine zum Rücken parallel laufende fchmale Rinne* Das fchweizerifche Militärdepartement hatte je einen Säbel der berittenen Mannfchaft, der berittenen Officiere und der Officiere der Fufs­truppen, dann Stichbajonnete ausgeftellt.

Die eidgenöffifchen Säbelklingen find Solinger Fabricat, und hinfichtlich ihrer Form den öfterreichifchen fehr ähnlich, nur fchwächer in den Dimenfionen und daher merklich leichter; fie haben beiderfeitigen Hohlfchliff und Körbe aus Stahlblech, die bei den Officiersfäbeln nach einer fehr hübfchen Zeichnung durch­brochen find. Das Gefäfs des Infanterie- Officiers- Säbels ift etwas fchwächer als jenes der berittenen Chargen.

Die in der Ausftellung gewefenen Bajonnete repräfentirten zumeist die in den verfchiedenen Armeen eingeführten Modelle und waren theils Stich-, zum gröfsten Theile aber Säbelbajonnete.

Neue Projecte für Bajonnete hatten eingefendet der fchwediſche Major Wahlfelt und der amerikanifche General Elcho und zwar erfterer ein Dolch b'ajonnet, letzterer ein Säbelbajonnet, deffen Rücken zunächft des Griffes mit einer doppelten Reihe von Sägezähnen verfehen war.

Die Klinge des Dolchbajonnetes glich jener des ordonnanzmäfsigen fchwe difchen Bajonnets, war fammt der 4 Centimeter langen Dille blofs 19 Centimeter lang, und an der Dille um die Hälfte fchwächer dimenfionirt. Die Sperrvorrich tung, welche aus einer Schiene beftand, die fich in der gefalzten Hülfennuth auf und abwärts bewegen liefs, und deren Bewegung durch eine Schraube begrenzt wurde, fchien einfach und folid. Zu den bemerkenswertheren Projecten gehörte noch das Spatenbajonnet von J. S. Alexander aus Philadelphia. Dasfelbe bildete ein Schaufelblatt aus Stahl, welches zum Aufftecken auf eine Säbelbajonnet- Scheide eingerichtet war. Das Schaufelblatt war von nicht bedeu­tender Gröfse, ungefähr 20 Centimeter hoch, und am Rücken 16 Centimeter breit. Dasfelbe mag fich ganz gut zur Ausführung kleinerer Erdarbeiten eignen.

Lanzen waren auf der Ausftellung faft gar nicht zu fehen, und es war daher keine Gelegenheit geboten, über die Conftruction der Klingen derfelben, über das Schaftmaterial und die Ausftattung diefer Waffen überhaupt Vergleiche anftellen zu können.

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Im Allgemeinen kann man fagen, dafs das an blanken Waffen Vorhandene bezüglich des Materials der Klingen durchgehends gut, zum Theil fogar, wir weifen hier auf Toledo und Solingen hin von erfter Qualität war; ein befonderer Fortfchritt liefs fich aber weder in diefer Beziehung, noch in Hinficht auf Conftruction feit der letzten Parifer Ausftellung conftatiren. Was wir an fertigen Hieb- und Stichwaffen oder an Beftandtheilen auf der gegenwärtigen Ausftellung gefehen haben, war gröfstentheils nach den Modellen der bei den verfchiedenen Armeen gebräuchlichen Waffen ausgeführt.

Zu bemerken wäre noch, dafs mehrere Armeen an den geraden Klingen, den fogenannten Pallafchen, einem Ueberkommnifs aus älteren Zeiten, feft­halten, deren mindere Eignung für den fchnellen und ungefchulten Hieb, wie er beim gewöhnlichen Reiter im Chock meiftens geführt wird, doch anerkannt ift.

Hand- Feuerwaffen.

Auf keinem Gebiete des Waffenwefens hat fich der Erfindungsgeift in den letzten Jahren productiver erwiefen, als auf jenem der Hand- Feuerwaffen.

* Die Factorei erzeugt auch Fleuretklingen, Schwerter, Bajonnete und fremdländifche namentlich dänifche Säbel. Das Material, Uchatius- Gufsftahl, wird aus der Wik manshütte in Hedemora bezogen.