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Allgemeine Bewaffung und Artilleriewesen : (Gruppe XVI, Section 2) ; Bericht / von Gustav Semrad u. Johann Sterbenz
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Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen.

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einer gewiffen Schnelligkeit aus feinem Lager gezogen, und damit ein befferes Auswerfen der ausgefchoffenen Patronenhülfe erzielt. Das Zurückdrücken des Griffbügels vermittelte das Schliefsen der Verfchlufsklappe.

In der Ausftellung des Mufeo de Artilleria befand fich ferner ein fehr fchön ausgeftattetes Hinterladungs- Gewehr aus dem Jahre 1739, angefertigt von Gabriel Algora, Büchfenmacher in Madrid, von welchem wir, wenngleich es keine kriegsmäfsige Feuerwaffe war, doch aus dem Grunde Notiz nehmen, weil der Erfinder diefes Gewehres fchon die Nothwendigkeit einer gasdichten Patrone erkannt, und eine folche in einer principiell der jetzigen Metallpatrone fehr nahe kommenden Weife zu realifiren verfucht hat. Das Gewehr befitzt ein Feuerftein- Schlofs. Der Lauf läfst fich wie bei den Lefaucheux- und Lancaſter­Jagdgewehren um ein vor dem Griffbügel befindliches Charnier nach abwärts drehen, worauf eine circa fünf Zoll lange eiferne, genau in den Lauf paffende Ladekammer mittelft der an derfelben befindlichen Pfanne herausgenommen wird. Diefe Kammer kann nun entweder mit ledigem Pulver und Blei oder auch mit einer vorbereiteten Papierpatrone geladen werden, worauf fie wieder in den Lauf gefteckt und das Gewehr gefchloffen wird.

Amerika. In wahrhaft prachtvoller Auswahl hatte E. Remington Gewehre feines Syftemes, und zwar nach den in Amerika für die Landtruppen und die Marine eingeführten, dann nach dem dänifchen, fchwediſchen, fpanifchen und egyptifchen Modelle ausgeftellt, und damit die weite Verbreitung diefes als Kriegs­waffe ausgezeichneten Gewehres dargethan.

Aufser den bekannten Syftemen von Peabody, Colt und Berdan fah man in der amerikaniſchen Abtheilung: Springfield- Gewehre für die Transformirung mit einer Art Wänzl- Verfchlufs, alle Stadien der Schäftung und der Erzeugung der einzelnen Gewehrbeftandtheile, verbefferte Sharpe's Gewehre und Karabiner mit Blockverfchlufs, bei welchen die verticale Bewegung des Letzteren durch die Drehung des Griffbügels gefchieht, Ward- Burton'fche Selbftfpanner mit Kolbenverfchlufs, deffen Feftftellung durch eine getheilte Schraube ermöglicht wird, endlich Laidley- Gewehre, welche eine Modifi­cation des Remington'fchen Syftemes find und auch fchon auf der letzten Parifer Ausftellung vorhanden waren.

Die Metallpatronen der Union cartridge company gaben Zeugnifs von der hohen Stufe der Vollkommenheit, auf welcher fich diefer Fabrications­zweig in Amerika befindet.

Wenn wir jedoch das Facit auch der amerikanifchen Kriegswaffen- Expo­fition ziehen, fo lautet dasfelbe wie bei den meiften anderen Staaten nur dahin: Fabrication auf der Höhe der technifchen und militärifchen Anforderungen ftehend, das Vorgeführte aber durchgehends bekannt; auch in Bezug der Repetir­waffen, welche doch in Amerika zur Zeit des Seceffionskrieges ziemlich rafch lebensfähig geworden waren, auf der Ausftellung kein Fortfchritt bemerkbar.

Es fcheint uns aber hier die Stelle, eines zur letzterwähnten Waffengattung zählenden Gewehres Erwähnung zu thun, welches zur Zeit der Ausstellung, jedoch nicht als ein für diefelbe beftimmtes Object von dem amerikaniſchen Capitän Meigs nach Wien gebracht und hier mehrfachen Proben unterzogen wurde.

Diefes Gewehr gehört in die Claffe jener Repetirwaffen, welche das Magazin im Kolben haben. Letzterer vermag in Folge feiner eigenthümlichen Einrichtung einen mit 50 Patronen gefüllten eifernen Cylinder aufzunehmen, aus welchem die Patronen durch einen einfachen Mechanismus in den Lauf gebracht werden. Nähere Andeutungen über diefen Mechanismus zu geben, geftattet uns die Rück­ficht auf das geiftige Eigenthum des Capitäns Meigs nicht, doch müffen wir con­ftatiren, dafs der Erfinder zu wiederholtenmalen in Gegenwart von Commiffionen aus Fachmännern das Verfchiefsen fämmtlicher im Kolben befindlicher Patronen in dem Zeitraume von 22 bis 25 Sekunden ausführte. Das Laden, Abfeuern und