Dokument 
Allgemeine Bewaffung und Artilleriewesen : (Gruppe XVI, Section 2) ; Bericht / von Gustav Semrad u. Johann Sterbenz
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen

28

Guftav Semrad und Johann Sterbenz.

Was die balliftifche Leiftungsfähigkeit diefer Gefchütze von Kaliber II Millimeter betrifft, fo wollen wir hier nur erwähnen, dafs zehn bis zwöl Ladeplatten à 37 Schufs, mit 370 bis 444 Schufs per Minute abgegeben werden können. Maximaldiftanz 15- bis 1600 Schritt.

Hinfichtlich der Kriegsbrauchbarkeit der Mitrailleufen beziehen wir uns auf das in der Einleitung Gefagte; wir glauben, dafs weder die Manövri fähigkeit der fraglichen Gefchütze bis zu einer gewiffen Grenze, noch deren entfprechende Wirkungsfähigkeit, eine gute Munition, gefchulte Bedienung und richtige Führung natürlich vorausgefetzt, für beſtimmte Fälle der heutigen Krieg führung angezweifelt werden darf. Doch aber dürften fie fich beffer für die Defen five als für die Offenfive eignen, und im Feftungskriege eine hervorragendere Rolle als im Feldkriege fpielen.

Deutfches Reich. Friedrich Krupp Gufsftahlfabrik in Effen Krupp hatte aufser Mufter feines Eiſenbahn- und Schiffsmafchinen- Materials eine umfaffende Sammlung von Gefchützen nach Wien gefendet, ein fyftematiſch geord netes Ganzes, wie es von keinem der übrigen Ausfteller in diefer Branche hie vorhanden war.*

Dreizehn Gefchütze, vom kleinften bis zum gröfsten der gegenwärtig im Gebrauche befindlichen Kaliber fammt Laffeten, Rahmen und Munition, über fichtlich geordnet, gaben ein Bild von dem grofsartigen Fortfchritte der Neuzeit in der Gefchützerzeugung. wie es inftructiver kaum gedacht werden konnte.

Das zu Anfang der fechziger Jahre immer gefteigerter hervortretende Bedürfnifs nach widerftandsfähigen Gefchützen grofsen Kalibers für die Armirung der Kriegsfchiffe und Küftenplätze hatte dem Etabliffement Krupp's einen Induftrie zweig von grofser Bedeutung eröffnet. Bis zu welch' hohem Grade der Vollendung derfelbe gebracht werden könne, hat Krupp bereits auf der Parifer Ausftellung 1867 durch den bekannten 1000- Pfünder dargethan. Seither ift die Fabrik unermüdlich in ihren Beftrebungen gewefen, und hat nicht nur eine immenfe Lieferungsfähigkeit bewiefen, fondern, was Neuconftructionen betrifft, auch a Laffetirungen fehr Werthvolles gefchaffen.

Der riefige Auffchwung der Effener Kanonenfabrication wird am befter dadurch illuftrirt, dafs die Krupp'fchen Gefchütze, welche auf der letzten Parifer Ausftellung gewiffermafṣen nur als Individuen erfchienen waren, in Wien fchon ein fertiges Syftem repräfentirten. Nicht minder bedeutend zeigte fich der Fortfchritt im Baue der Laffeten, da die englifchen, ehedem unübertrefflichen Laffeten fowohl in Bezug auf Neuheit der Idee als auch hinfichtlich der Ausführung durch die Krupp'fchen Conftructionen bereits überflügelt worden find.

Zum Kanonengufs wird in Effen eine zu diefem Zwecke befonders geeignete Gattung Tiegelgufs- Stahl verwendet. Sobald der Stahl den geforderten heifs

* Das Etabliffement, welches im Jahre 1810 durch Friedrich Krupp errichtet wurde bedeckt heute einen Flächenraum von über 400 Hektaren, und befchäftigt über 12.000 eigene Arbeiter und 2000 verfchiedene Bau- Unternehmer; in der Hütten- und Grubenverwaltung ftehen aufserdem noch 5000 Arbeiter in Lohn. Die Zahl der Beamten beträgt 739.

Im Jahre 1872 betrug das Quantum des durch Gufs producirten Stahles 135 Milliones Kilogramm. Mit Schlufs des letzten Jahres waren vorhanden: 920 Oefen verfchiedener Conftruction, 275 Coaksöfen, 221 Schmiede- Effen, 307 Dampfkeffe ( mit einer Gefammt- Heizfläche von circa 16.000 Quadratmeter), 71 Dampfhämmer mit 2- bis 1000 Centner Gewicht, 286 Dampfmafchinen von 2 Pferdekräften angefangen bis zu 500 800 und 1000.

Der Kohlen- und Coaksverbrauch erreichte die jährliche Quantität von 500, refpec tive 125 Millionen Kilogramm.

Die Bergwerks- Verwaltung umfafst 414 Eifenftein- Gruben mit einem Grubenfelde von mehr als 2 Millionen Quadratmeter.

Die Hüttenverwaltung umfafst 5 Hütten mit 11 Hochöfen, eine Coakerei mit 140

im Betriebe und 120 Oefen im Bau.

Oefen

Die Production der Hütten beträgt per Monat nahezu 12 Millionen Kilogramm

Roheifen.