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Guftav Semrad und Johann Sterbenz.
Die hölzerne Blockfchleife hat eine Lagerhöhe von 210 Millimeter und eine einfache Elevationsfchraube, welche Richtungen von 30 bis 75 Grad zuläfst. Zum Laden des Mörfers, wozu, wie fchon erwähnt, der Flug aus dem Zapfenftück herausgefchraubt und zur Seite gefchlagen wird, dient eine hölzerne Ladebüchfe, welche in die Bohrung des Zapfenftückes eingefetzt und nach dem Einführen der Patrone und des Gefchoffes wieder herausgenommen wird. 1/30 Gefchofsgewicht; Die gröfste Wurfladung beträgt 200 Gramm= die derfelben entsprechende Gefchwindigkeit wird mit circa 200 Meter ange. 1/200 Gefchofsgewicht und foll geben; die kleinfte Ladung ift 50 Gramm= ungefähr 80 Meter Gefchwindigkeit ergeben. Mit der erfteren Ladung und dem Elevationswinkel von 45 Grad gedenkt man 5300, mit der kleinften Ladung und einem Winkel von 75 Grad 400 Schritt zu erreichen.
Die Abficht der Conftructeure ging augenfcheinlich dahin, für den Feftungs krieg einen leicht transportablen Mörfer mit einer, den Hinterladungsmörfer zukommenden Schufspräcifion zu fchaffen. Leiftet nun diefer Mörfer das, was ihm zugemuthet wird, fo ftünde auch feiner Verwendung zu gedachtem Zwecke nichts entgegen, und glauben wir, dafs derfelbe fowohl beim Angriffe, als bei der Ver theidigung in vielen Fällen fehr gute Dienfte leiften würde, nachdem das indi recte Feuer immer mehr an Bedeutung gewinnt, und der Mörfer fich vermöge feiner Theilbarkeit überall leicht hinfchaffen läfst. Die Einfallwinkel der Kanonen find zu klein, um alle durch Traverfen und die Bruftwehre gedeckten Räume des Wallganges oder der Trancheen und Angriffsbatterien wirkfam beftreichen zu können; die glatten, leichten Mörfer haben zwar einen gröfseren Sprengeffect aber zu kurze Wurfweiten und zu geringe Präcifion, um fie auch fchon in den erften Perioden der Belagerung, in welchen das indirecte Feuer am häufigften zur Anwendung kommt, benützen zu können, und fchwere Mörfer zum Bekämpfen der Truppen auf den Wallgängen oder in den Trancheen zu verwenden, kann wohl Niemandem beifallen.
Die Feuerfchnelligkeit des befprochenen Gefchützes ift allerdings eine geringe und auch die Manipulation eine complicirtere, als bei glatten Mörfern Nachtheile, die aber durch gröfsere Wurfweite und Präcifion aufgewogen werden. Immerhin fcheint die Idee lebensfähig, zumal wenn eine noch einfachere Con ftruction der Verbindung realifirt werden könnte.
Bochumer Verein für Bergbau- und Gufsftahl- Fabrication. Der Bochumer Verein* hatte vier Gefchütze ausgeftellt, über welche die auf Seite 45 folgende Tabelle einige Daten enthält.
Die beiden Feldgefchütze find von der nämlichen Conftruction, wie jene, welche der Bochumer Verein im Jahre 1871 der ottomanifchen Regierung in gröfserer Anzahl geliefert hat. Das Conftructionsfyftem der Rohre ift das preufsifche; fie haben jedoch den Broadwell'fchen Flachkeil- Verfchlufs.
Die beiden fchweren Rohre gehörten der Ringconftruction an; das 21- centimetrige war vollſtändig ausgefertigt und hatte den Krupp'fchen Rundkeil Verfchlufs. Das 15- centimetrige war blofs bis auf den Verfchlufs fertig geftellt. Ein 15- Centimeter- Ringrohr( Küftengefchütz), genau wie das eben erwähnte, wird zur Zeit in Tegel bei Berlin von der königlichen preufsifchen Artillerie- Prüfungscommiffion Schiefsverfuchen unterzogen. Bei ungefähr 600 Schufs zeigte es bisher eine ganz befondere Trefffähigkeit und ein in jeder Bezie hung befriedigendes Verhalten, wie es denn auch von einem fo nahe an die
* Die Gufsftahl- Fabrik des Bochumer Vereins befteht feit 30 Jahren. Die Production derfelben belief fich im Jahre 1872 auf 96 Millionen Pfund Gufsftahl im Geldwerthe von 6 Millionen Thaler. Die Fabrik erzeugt Beffemer- und Tiegelftahl. Der Katalog gab, ohne fich jedoch auf officielle Daten zu beziehen, an, dafs überhaupt die erfte Gufsftahl- Kanone aus der Bochumer Gufsftahl- Fabrik im Jahre 1847 hervorgegangen, in der Fabrik von Kamp & Comp. in Witten gebohrt und fertig geftellt und fchliefslich in Bochum Schiefs- und Spreng verfuchen unterzogen worden ift.
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