Dokument 
Allgemeine Bewaffung und Artilleriewesen : (Gruppe XVI, Section 2) ; Bericht / von Gustav Semrad u. Johann Sterbenz
Entstehung
Seite
90
Einzelbild herunterladen

90

Guftav Semrad und Johann Sterbenz.

im Wefentlichen aus einer broncenen Mutter mit darin laufender Richt fpindel mit Handrad, und aus zwei durch ein Gelenkftück mit einander ver bundenen, zwifchen den Laffetenwänden um Bolzen beweglichen Gabeln. Auf der oberen ruht das Rohr, während die untere mit der Richtfpindel ver bunden ift.

Die Protze, welche eine ftählerne Achfe mit prismatifchem Achsftocke und die nämlichen Räder wie die Laffetè hat, befitzt in ihrer Conftruction das Eigenthümliche, dafs der Protznagel durch zwei parallellaufende eiferne Schienen geht, und einer dreh- und verfchiebbaren Platte als Führung dient, die mittelft eines Bolzens in zwei verfchiedene Stellungen gebracht werden kann, von denen die eine beim Manövriren, die andere beim Fahren auf gebahnten Wegen gegeben wird. Die Manövrirftellung geftattet die volle Deichfelfreiheit und überhaupt die möglichfte Beweglichkeit des Syſtems, während bei der zweiten die fehr vorgewichtige Deichfel æquilibrirt wird.

Der Munitionswagen befteht aus der Gefchützprotze und dem Hinterwagen. Das Untergeftell des letzteren bilden zwei Tragwände aus Eifenblech, welche unter dem Kaften parallel laufen, dann gegen den Protzftock zu, welcher jenem der Laffete ganz gleich ift, convergiren.

Der Hinterwagen hat blofs einen zum Abheben eingerichteten, nach vorne zu öffnenden Kaften. Die Bremfe des Wagens ift jener der Laffete gleich und von hinten aus dirigirbar; hinter dem Kaften fteckt in fchräger Richtung ein Referverad auf einer eifernen Halbachfe.

Die Hohlgefchoffe des 7.5 Centimeter- Gefchützes find von cylindro­ogivaler Form, und haben am cylindrifchen Theile einen mit vier Wülften verfehenen dünnen Bleimantel; die beiden unterften Nuthen find mit einer Wachstauche ausgefüllt. Behufs gleichmäfsiger und vollständiger Zertheilung durch die Sprengladung hat die Höhlung die Form eines fechsfeitigen Prisma, welches durch vier ringsum laufende Einfchnitte durchfetzt ift. Die Höhlung ift mit Oelfarbe überzogen. Der Zünder ift dem preufsifchen Percuffionszünder conform, nur beftehen deffen Theile, fowie der Vorftecker aus Meffing oder Bronce.

Das Shrapnel hat einen cylindrifchen, glatten Hohlraum, dünnere Wände und eine geringere Länge als das Hohlgefchofs. Die Spreng. ladung befindet fich in einer meffingenen, in der Axe des Gefchoffes ein gefetzten Röhre. Die Füllkugeln werden durch einen Kolophoniumausgufs feftgelagert.

Der zu diefen Shrapnels gehörige Percuffions- Ringzünder if in der Fig. 26 dargeftellt, und befteht aus dem Zünderkörper a und der mit dem Percuffionsapparate verfehenen Tempirfcheibe b.

Fig. 26.

d

f

g

b

a

6

7

9

11

12