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Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen.
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da die Nachrichten fowohl über die dortigen Einrichtungen, als auch über die Beweggründe zu den verfchiedenen Mafsregeln in Bewaffnungsfragen fich oft in directem Widerfpruche befinden.
Sicher ift es, dafs die ruffifche Regierung, welche vordem Stahlgefchütze grofsen und kleinen Kalibers von Deutſchland bezogen hatte, um fich vom Auslande unabhängig zu machen, vor einigen Jahren zwei Stahlwerke gründete, oder auf eigene Rechnung übernahm, und nun diefelben mit Aufbietung grofsartiger Mittel für ihren Bedarf befchäftigt. Sicher ift es weiters, dafs Rufsland mehrere Batterien mit beringten Stahlrohren und eine ganz anfehnliche Zahl ftählerner 4- und 9- Pfünder älteren Modelles befitzt, fowie dafs die Werke zu Perm und Oboukhoff für die Erzeugung beringter Feldrohre nach Gadolin's Theorie eingerichtet find. Während nun von der einen Seite behauptet wird, dafs Rufsland den Stahl als Materie für Feldkanonen- Rohre gänzlich aufgegeben habe und wieder zur Bronce zurückgekehrt fei, wofür der ausgeftellte 4- Pfünder zeuge, glaubt man auf der anderen Seite das Erfcheinen diefes Gefchützes auf der Ausftellung dadurch erklären zu können, dafs die früher genannten Stahlwerke im gegenwärtigen Augenblicke mit Aufträgen auf grofse Rohre für Marine- und Küftenbewaffnung derart überhäuft feien, dafs die Heeresleitung, welche für alle Fälle gerüftet fein will, es vorzieht, die Ergänzung der Feldartillerie einftweilen auf dem fchnelleren Wege der Herftellung von Broncegefchützen in den alten kaiferlichen Gefchützfabriken bewerkstelligen zu laffen.
Wir find aufser Stande feftzuftellen, welche diefer beiden einander diametral entgegengefetzten Angaben die richtige fei, und find daher der Anficht, dafs Rufsland dermalen als Beiſpiel eines tonangebenden Staates weder von den Vertheidigern des Stahls noch von jenen der Bronce benützt werden kann, nachdem die näheren Umstände und Motive feines Vorgehens eben nicht zweifellos bekannt find, und es Rufsland wahrfcheinlich nichts daran gelegen war, auf der Welt. ausftellung einen Einblick in die zukünftige Geftaltung feiner Feldartillerie zu ermöglichen. Es fcheint indeffen, als wären die Ruffen mit ihren Broncerohren nicht fo ganz zufrieden, da fie diefelben durch folche aus Phosphorbronce erfetzen wollen, mit welch' letzterer fie zahlreiche Verfuche und, wie verlautet, mit nicht ungünftigen Refultaten abgeführt haben.
Bleibt alfo Frankreich. Während des letzten Krieges, der bekanntlich zum Verlufte beinahe der gefammten franzöfifchen Feldartillerie führte, wurde ein broncener Hinterlader von ziemlicher Schwerfälligkeit( Laffete und Rohr wiegen zufammen nahezu 1200 Kilogramm) erzeugt, welcher mit 6 gefchofsfchwerer Ladung bis auf Diftanzen von 6500 Meter mit einer dem alten preufsifchen 6- Pfünder gleichkommenden Genauigkeit fchiefst. Um auch ein leichtes Gefchütz zu haben, conftruirte man hiezu eine 5- Kilogramm- Kanone, die mit/ gefchofsfchwerer Ladung die Präcifion des alten preufsifchen 4- Pfünders befitzt, jedoch beträchtlich gröfsere Diftanzen erreicht. Diefe Gefchütze, welche in Frankreich blofs als artillerie de tranfition gelten, mufste man eben herftellen, um nicht gänzlich unbewaffnet zu fein. Dafs man Bronce nahm, ift erklärlich, nachdem fich kein anderes Material fo gut für eine rafche und mit geringen techniſchen Hilfsmitteln ausführbare Gefchützerzeugung eignet. Aber trotz der Eile, mit welcher an der Renovirung der Artillerie gearbeitet werden musste, wurden Verfuche zur Verbefferung der Bronce angeftellt, und errangen die von Laveiffiere gegoffenen Gefchütze durch die gröfsere abfolute Feftigkeit, Härte und Elafticität ihres Materials den Vorzug vor allen Anderen.
Die franzöfifchen Artillerieofficiere rechnen übrigens ungeachtet des verhältnifsmäfsig guten Rohrmaterials bei den zu grofsen Anftrengungen der Rohre auf keine befondere Ausdauer derfelben.
Die Einführung von Stahlgefchützen ift daher in Frankreich nur mehr eine Frage der Zeit, und der Entfchlufs hierzu bereits als feftſtehend zu betrachten. Es wird felbftverftändlich einige Zeit vergehen, ehe diefs Thatfache wird,