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Sprengtechnik.
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Das„ Dynamit", deffen höchft explofiblen Beftandtheil das Nitroglycerin bildet, ift in der Befchaffenheit, wie es anfänglich im Handel vorkam, eine Erfindung des fchwedifchen Ingenieurs Alfred Nobel.
Die Darftellung von grofsen Mengen Nitroglycerins, feit dem Jahre 1864 auch unter den Namén Nobel'fches Sprengöl bekannt, gefchieht nach einer vom genannten Ingenieur erfundenen Methode, welche Fabriksgeheimnifs ift.
Im Allgemeinen wird das Nitroglycerin aus Glycerin, durch eigenthümliche Behandlung desfelben mit einem Gemifche von Salpeter und Schwefelfäure erhalten. Es ift eine ölige, blafsgelbe Flüffigkeit, welche durch Wafchen mit einer bafifchen Salzlöfung vollſtändig entfäuert werden mufs, um verfendet oder längere Zeit aufbewahrt werden zu können.
Vollkommen entfäuertes Nitroglycerin bleibt Jahre hindurch unverändert, und ift bis jetzt, wenigftens beim Nobel'fchen Sprengöl, noch keine Selbftzerfetzung nachgewiefen worden. Die vielen Unglücksfälle, welche das Sprengöl bisher verurfachte, hatten ihren Grund hauptfächlich in dem Ausrinnen des Oeles aus den Verpackungsgefäfsen. Nobel hat daher, um für den Transport die Gefahren des flüffigen Sprengpräparates möglichft zu befeitigen, zuerft verfucht, diefs durch Methylifirung des Nitroglycerins zu erreichen, indem er dasfelbe in einer Mifchung von 15 bis 20 Percent Methylalkohol( Holzgeift) löfte und auf diefe Art das unexplofible Sprengöl erhielt. Bei der Verwendung diefes unexplofiblen Präparates mufste zuerft in einem Gefäfse die entſprechende Menge davon mit dem fechsbis achtfachen Volumen Waffer behandelt werden, wobei fich das reine Nitroglycerin ausfchied, und abgelaffen wurde.
Allein die Erfahrung lehrte, dafs felbft diefes Mittel nicht genüge, die Gefährlichkeit des flüffigen Sprengöles vollkommen zu befeitigen. Die Folge davon war die geringe Verwendung des Nitroglycerins in der Sprengtechnik, und dasfelbe hätte wahrfcheinlich keine Zukunft gehabt, wenn Nobel nicht im Jahre 1867 dahin gelangt wäre, durch innige mechanifche Mengung des Nitroglycerins mit Kiefelguhr( aus einer löslichen Kiefelerde beftehende Diatomaceen- Hüllen von capillarer Befchaffenheit) das„ Dynamit" darzuftellen.
Es ift eben das Verdienft Nobel's durch Beigabe von Kiefelguhr, welche ein fehr grofses Flüffigkeits- Auffaugungsvermögen befitzt, das Nitroglycerin in eine Form übergeführt zu haben, in der es leicht verarbeitet und verwendet werden kann. Die Beigabe von Kiefelguhr fichert auch bei jeder Verpackungsweife den einzelnen Nitroglycerin- Theilchen eine genügende Verfchiebbarkeit, um felbft fehr heftige mechanifche Erfchütterungen ertragen zu können, ohne zu explodiren, da in diefem Präparate jedes Nitroglycerin- Tröpfchen in einer von den capillaren Kiefelpanzern gebildeten elaftifchen Hülle eingefchloffen erfcheint. Das Hauptverdienft Nobel's beſteht aber in der Erfindung, wonach ungefrorene Ladungen feines Präparates nur durch Anwendung von kleinen Mengen eines ftarken Knallpräparates, wie z. B. des Knallqueckfilbers, mit Sicherheit und Leichtigkeit zur Explofion gebracht werden können; jedoch unter der Vorausfetzung, dafs die das Knallqueckfilber enthaltende Kapfel,„ Nobel's Sprengkapfel", in unmittelbarer Berührung mit dem Dynamit zur Explofion gebracht wird. Ohne diefe Erfindung wäre es eigentlich unmöglich, das Nitroglycerin in der Sprengtechnik anzuwenden, und ohne diefelbe wäre es Dr. Brocon nicht gelungen, die volle Kraftentwicklung der comprimirten Schiefswolle zu erzielen.
Die ungeheure Zerftörungskraft, welche das Dynamit befitzt, erregte in Oefterreich umfomehr die Aufmerkfamkeit des beftandenen k. k. Genie- Comités, als bis zu jener Zeit gerade die militärifch wichtigften Objecte der neueren Baukunft, die eifernen Brücken, völlig unverwundbar oder nur fehr fchwer zerftörbar waren, es daher immer mehr wünfchenswerth wurde, ein brifanteres Sprengpräparat als das Schwarzpulver für Sprengungen im Kriege zu erlangen.
Reichs Kriegsminifter Feldzeugmeifter Baron Kuhn, die Wichtigkeit und Nothwendigkeit eines kräftigen Präparates für die Ausrüftung der technifchen