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Genie- und Pionnierwesen : (Gruppe XVI, Section 3) ; Bericht ; Militär-Unterrichtswesen : (Gruppe XVI, Section 5) ; Bericht / von Moriz Brunner ; Johann Lauer ; Emerich Zinner
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Das Pionnierwefen.

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begegnen, welche gleichartig unter fich, aber von den bei uns gebräuch­lichen Formen total verfchieden find.

Ihr Schaufelblatt ift in feiner Längenrichtung nicht gebogen, alfo gerade, dafür aber in feiner Breitenmitte etwas hohl gebogen, im Ganzen grofs und was befonders bemerkenswerth ift, rechteckig geformt, nur die fcharfen Ecken find etwas gerundet. Der Stiel ift kurz, etwas gebogen und befitzt am oberen Ende entweder eine Krücke oder eine oval ausgefchnittene Handhabe.

Es dürfte fich doch der Mühe lohnen, diefes Werkzeug der praktifchen Engländer und Amerikaner behufs Erprobungen auch zur Hand zu nehmen.

Wir befchliefsen nun unfere Wanderungen in der Ausftellung in dem Pavillon der königlich ungarifchen Staats- und Domänenforfte, in welchem wir bei früheren Befuchen fchon Manches zur Befprechung werth gefunden haben.

Wir ftehen vor zwei Schränken, welche eine anfehnliche Zahl von gebrochenen oder geknickten Holzftäben enthalten. So wenig anmuthend diefe zwei Objecte auch für den erften Augenblick dem Befchauer fich präfentirten, fo erblickt doch der Kenner bald, dafs er es hier mit einem intereffanten Gegenftande zu thun hat.

Mit jenen Stäben nämlich, wurden im Auftrage der königlich ungarifchen Regierung vom Profeffor Jenny am Wiener Polytechnicum im Ver­eine mit dem General Domäneninfpector und gegenwärtigen Ausstellungscommiffär Herrn Weffely Unterfuchungen über die Feftigket der Hölzer aus den Ländern der ungarifchen Krone aus­geführt. Für uns Pionniere ift diefer Gegenftand umfomehr im gegenwärtigen Zeit­punkte vom Intereffe, weil auch wir in diefer Richtung in der jüngftvergangenen Zeit nicht unthätig waren.

Für diejenigen alfo, welche fich für diefen gewifs wichtigen Gegenftand intereffiren, führen wir hier an, dafs durch das königlich ungarifche Finanz­minifterium über das Ergebnifs jener Unterfuchungen, das erfte Brochuren­heft unter dem Titel: Unterfuchungen über die Feftigkeit der Hölzer aus den Ländern der ungarifchen Krone, Buda- Peft 1873, bereits

erfchienen ift.

Nach diefem erften vorliegenden Hefte, welches die beiden fchon genannten Herrn zu Verfaffern hat, wurden eine gröfsere Anzahl von gleichartigen Stäben, aus Fichten-, Tannen-, Lärchen- und Buchenholze, und zwar aus allen Theilen Ungarns, aus verfchiedenen Bodengattungen erwachfen, und von verfchiedenem Alter, unterfucht.

Diefe Verfuche befchränkten fich nur auf die Unterfuchung der Feftigkeit von Stäben allein, und zwar wurde die Zug- und Druckfeftigkeit der felben an der Elafticitäts- fowie an der Bruchgrenze beftimmt. Da hier die Unterfuchung einer grofsen Anzahl von Stäben vorliegt, und in den betreffenden Tabellen alle nöthigen Daten, als: Standort, Bodenart, Alter, Anzahl der Jahres­ringe u. f. w. erfcheinen, ferner eine weitere Folge folcher Unterfuchungen in Ausficht genommen ift, fo wird fich hiedurch eine neue Bereicherung der bis­herigen Verfuche über die Feftigkeit von Hölzern ergeben.

Der Forftmann kann hiedurch auf fehr intereffante Schlufsfolgerungen über den Einfluss von Boden, Alter, Dichtigkeit u. f. w. auf die Feftigkeit der Hölzer gelangen. Wünfchenswerth zur weiteren Aufnahme in die Tabellen empfiehlt fich vielleicht auch noch jene von Daten über das Klima, fowie über die Forft­

cultur felbft.

Weniger Werth dürften folche Verfuchsergebniffe für den Baucon­ftructeur haben. Denn entweder bezieht diefer fein Holz von Holzhändlern, dann find ihm diefe Daten unbekannt, und er wird immer wieder mit Feftigkeits- Coëffi­cienten zu thun haben, die innerhalb weiter Grenzen fchwanken, da auch die Art