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Militär-Sanität und freiwillige Hilfe im Kriege : (Gruppe XVI, Section 3) ; Bericht / von Mosetig von Moorhof, k.k. Primararzt und Universitätsdocent
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Miliiärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege.

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Nichtgebrauche umklappen oder zurückfchieben könne, wodurch die Länge der Trage wefentlich verringert wird. Ebenfo können die Füfse, vier an Zahl und den Ecken des Rahmens entſprechend, fix oder umklappbar fein.

Ich nenne die foeben angeführten Vorrichtungen unentbehrliche oder abfolut nothwendige zum Unterfchiede der fpäter zur Rede kommenden, relativ

accefforifchen.

Manche der Lefer werden mir vielleicht hierin widerfprechen, im Glauben, dafs die Füfse einer Tragbahre ganz gut entbehrlich feien, ja ihr Mangel fogar zur Vereinfachung des Ganzen beitrage und doch ift es nicht fo, denn drei Umstände verlangen fie auf eine peremptorifche Weife. Man beachte nämlich, dafs die Trag­bahre, wenn fie einen am Boden liegenden Verwundeten aufnehmen foll, auf den Boden geftellt werden mufs, und diefer, falls er nafs ift, die Lagerftätte von rück­wärts her befeuchtet und befchmutzt; man beachte ferner, dafs das Terrain, auf welchem man operirt, fehr häufig uneben ift und dadurch der flach aufliegenden Bahre keine genügend fefte und fichere Unterlage bieten kann; man bedenke fchliefslich, dafs das Erheben einer Laft um fo fchwieriger wird, je tiefer man fich bücken mufs, um diefelbe zu erfaffen.

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Man hat auch vom Kopfpolfter oder den Kopfftützen behauptet, dafs fie ganz gut entbehrlich wären, indem in Friedenszeiten bald ein hiezu geeigneter Gegen­ftand aufzufinden fei, und im Felde der Tornifter oder der Mantel des Bleffirten als Unterlage für den Kopf verwendet werden könne, als ob diefer die genannten Objecte immer bei fich hätte. Beim Gefechte hat der Soldat Tornifter und über­haupt alle für den Augenblick unnützen und die freie Körperaction behindernden Bürden in den meiften Fällen abgeworfen, längft bevor, gewifs aber wenn er ver­wundet wurde; der Mantel aber geht im Sommer gleich dem Tornifter verloren und im Winter trägt ihn der Soldat am Leibe und darf diefer im kranken Zuftande feiner ſchützenden und wärmenden Umhüllung unter gar keiner Bedingung beraubt werden.

Zu den relativ accefforifchen Beftandtheilen einer Tragbahre rechnet man Fixirgurten zur Befeftigung des Transportirten, Fufslehnen zur Siche­rung feiner Lage beim Bergabtragen und die Bedachung der Trage, um den Transportirten vor Witterungsverhältniffen zu fchützen. Der Ausdruck relativ wird verftändlich werden, wenn einmal von der Art der Benützung der Trage die Rede fein wird.

Der Rahmen einer Tragbahre ift wohl gewöhnlich aus Holz, denn Eifen hiezu verwenden zu wollen wäre fehr unpraktifch. Sind die Rahmenftangen aus maffivem Eifen, fo erhöhen fie das Gewicht der Bahre auf eine fehr bedenkliche Weife, und die Bedingung: eine beladene Trage folle durch zwei Men­fchen ohne Ueberanstrengung getragen werden können, ift dann unmöglich zu erfüllen. Sind aber die Rahmenftangen hohl und hiedurch leicht, dann haben fie fchwerlich die genügende Widerftandsfähigkeit, abgefehen davon, dafs fie bei etwas roher Handhabung fich verbiegen und unbrauchbar werden. Endlich ift der Moment des Roftens nicht zu vergeffen. Die Lagerftätte der Trage wird gewöhnlich durch ein Bahrtuch aus fefter, ungebleichter oder auch wafferdichter Leinwand, oder durch eine dünne Rofshaarmatratze gebildet, je nach der Verwendung, welche die Bahre bekömmt. Da man Tragbahren im Frieden fowohl als im Kriege benützt fo theilt man fie ein, in Stadt und in Feld Tragbahren. An beide Arten ftellt man nun verfchiedene Forderun­gen, und werden wir defshalb diefe Eintheilung bei der ferneren Befprechung ftrenge einhalten, und beide Gruppen befonders behandeln müffen.

Stadt- Tragbahren. In einer Stadt transportirt man vom Domicil in das Spital, oder von einem Spitale in das andere allerlei Kranke: Tobfüchtige und Delirante, Verwundete, Verftümmelte, mit ekelerregenden Ausfchlägen Behaftete und Andere mehr. Die Aufgabe, welche hiebei die Tragbahre zu