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Dr. Mofetig von Moorhof.
Schiffstauen gewonnen wird, und defshalb auch Theercharpie( étoupe gondrounée) genannt wird. Amerika gebrauchte fie im letzten Kriege, und führte fie unter dem Namen Oakum in die Chirurgie ein.
Diefes getheerte Werg wird trocken oder beffer einfach in warmes Waffer getaucht auf die Wunden gelegt. Dank dem Theer enthält es ein desinficirendes Princip, welches die Infectionskeime abhält, ihre fchädlichen Wirkungen zu ent falten, und erfpart man demnach bei ihrer Anwendung jedes andere desinficirende Medicament.
Weifs man nun, wie die in Feldlazarethen zur Verwendung kommende Charpie häufig ausfieht, welcher Schmutz, Staub und Unrath darinnen fteckt, weifs man, dafs in Kriegszeiten ein vorangehendes Reinigen der zu benützenden Charpie oft geradezu unmöglich ift, fo dürfte das viel billigere, reinlichere und leichter zu befchaffende Oakum wohl nicht zu verwerfen fein, ja es hat vor der Charpie noch die Vortheile, dafs es die Wundfecrete leichter durchfliefsen läfst, dafs es den Wunden weniger feft anklebt, weil nicht hygrofkopifch, und dafs es viel feltener gewechfelt zu werden braucht, indem es jede Zerfetzung der Wundfecrete abhält. Das Oakum hat endlich einen fehr angenehmen Geruch, reizt die Wundflächen nicht im geringften, ift den Refpirationswegen vermöge des Theergeruches eher zuträglich als nachtheilig, und purificirt, wenn angehäuft, ganz entfchieden die Luft der Krankenfäle. Zu Schnüren, Peitfchenfchmifs ähnlich gedreht, bildet die Theer charpie ein viel befferes Mittel, das Abfliefsen der Wundfecrete aus Hohlgängen zu erleichtern, als die Leinwand oder Charpiewicken, da letztere durch ihr Aufquellen gewöhnlich die Wundfecrete eher zurückhalten, indem fie die Hohlgänge verftopfen. Das Nichtaufquellen der Theercharpie- Schnüre und der Umftand, dafs fie die Zerfetzung der Wundfecrete eher verhindern als befördern, ermög licht es auch, fie in den Hohlgängen lange liegen laffen zu können, wodurch fie im Nothfalle felbft den Mangel an Drainageröhren zu erfetzen vermögen.
Durchzüge oder Untertücher( alèze), id est halbe Leintücher oder jedenfalls grofse Tücher, welche den Zweck haben, unter das Becken des Kranken gelegt zu werden, um die Bettlaken vor rafcher Verunreinigung zu fchützen. Luftpolfter aus Kautfchuk- Leinwand zur bequemen Bettung von Kranken, die an Druckbrand leiden.
Kopfnetze aus groben Baumwoll- Fäden gehäkelt und einem Zugbande am Rande zum Verbinden von Kopfwunden.
Watte und zwar ungeleimte zur Polfterung von Schienen, Bein- und Armladen etc.
Wafferdichte Stoffe zu Unterlagen zum Schutze der Bettwäfche und zum Bedecken feuchter Umfchläge, als Wachstuch, Guttapercha- Papier, Kautfchuk leinwand, gefirnifstes Seidenpapier etc.
Schwämme von allen Gröfsen, wohl ausgekocht und gereiniget und von guter weicher Qualität, da fie meiftens zu Operationen gebraucht werden. Eisbeutel aus Kautfchuk oder Pergamentpapier.
Wunddouchen( Irrigatoren) von Blech mit elaftifchem Schlauch und Zinn oder Beinfpitze. Sie dienen zum Abfpülen der Wunden und haben längt die zu diefem Zwecke früher verwendeten Schwämme und Wundſpritzen ver drängt. Letztere find jedoch nicht zu umgehen, wenn man Flüffigkeiten mit einer gewiffen Kraft in Höhlen oder Canäle des Körpers hineintreiben will.
Eiterbecken, nierenförmig und von verfchiedenen Gröfsen aus Meffing, Eifenblech oder Hartkautfchuk. Letztere find vorzuziehen, da fie beim Anlegen am nackten Körper den Bleffirten weniger unangenehm afficiren als das kalte Metall.
Badewannen zu conftanten Bädern, continueller Irrigation der oberen oder unteren Extremität.
Chloroform-Apparate. Die Esmarch'fchen Modelle, wohl die ein fachften und zweckentfprechendften, beftehen bekanntlich aus einem Eiſendraht