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Militär-Sanität und freiwillige Hilfe im Kriege : (Gruppe XVI, Section 3) ; Bericht / von Mosetig von Moorhof, k.k. Primararzt und Universitätsdocent
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Dr. Mofetig von Moorhof.

plattenähnliche Holzftücke aus Brettern gezimmert und mit Lehm verfchmiert. Sie find infoferne empfehlenswerth, als man mit ihnen leicht und ſchnell jede

Barake luft- und wafferdicht verfchallen kann.

Nr. 121. a) Heinfen Huch, Braunfchweig. Petroleum- Kochapparate als Erfatz jener durch Spiritus oder Gas zu heizenden. Ob bei längerem Gebrauche der Petroleumgeruch nicht läftig fallen oder gar den Speifen fich mittheilen dürfte, kann nur das Experiment lehren.

Nr. 121. b) Baierifcher Landes- Hilfsverein. Bekleidung und Aus­rüftung eines freiwilligen Sanitätsmannes an einer Puppe in Lebensgröfse, nach Hirfchberg's Angabe ausgeführt. Sehr zweckmäfsig, praktiſch und compendios. Die übrigen Nummern, Filtrirapparate für Waffer, comprimirte Gemüfe und Conferven, chirurgifche Präparate und Abbildungen, transportable Röhrbrunnen, Wafchmafchinen und ein Univerfal- Möbelfchrank mögen einfach nominell angeführt fein. Mehr oder auch weniger gut und praktiſch, entziehen fie fich dennoch voll­ftändig einer näheren Befchreibung und namentlich der Aufgabe und dem Zwecke des vorliegenden Berichtes; dagegen wollen wir dem Apparate von Brunetti zur Verbrennung der Todten einige Zeilen widmen, und dabei auch als quasi hiezugehörig, eines Tableaux Erwähnung machen, deffen Titel ift:

Nr. 113. Hugedé P L., boulevard bonne nouvelle. Paris. Expofition des deffins d'un fyfteme d'inhumations des morts fur les champs des batailles. Warum Profeffor Brunnetti mit feiner Leichenverbrennungs- Methode der Gruppe XVI fich zugewandt habe, ift mir nicht fehr klar, da ja diefelbe, fo vor­züglich fie auch fein möge, dennoch zu complicirt und zeitraubend ift, um an den vielen Taufenden von Leichen, welche ausnahmslos die Schlachtfelder der Neuzeit bedecken, in Anwendung gebracht zu werden.

Anders verhält es fich mit deren Benützung für einzelne Leichen und Aefer in Friedenszeiten. Bekanntlich ift der Gedanke, Leichen zu verbrennen, anftatt fie einfach zu verfcharren und der natürlichen Verwefung zu überlaffen, nicht neu, denn fchon die Völker des Alterthums, Griechen und Römer, verbrannten einzelne ihrer Leichen und confervirten dann pietätvoll deren Afche in koftbaren Vafen und Gefäfsen. Das Mittelalter verbrannte wohl Lebende, aber nicht Todte. woran namentlich religiöfe Bedenken die Schuld trugen. Letztere erhielten fich in der neueren und neueften Zeit, und die Kirche widerfetzte fich hartnäckig jeder Wiederaufnahme diefer heidnifchen Procedur. In der allerjüngften Zeit jedoch nahm man mit der Verbrennung der Leichen wieder Verfuche auf. Bekanntlich hat man fich auf den blutgetränkten Schlachtfeldern von Sedan an Pferde­leichen damit verfucht, und verwandte dazu Petroleum als Brennmaterial, allein der Verfuch mifsglückte; man röftete damit wohl die Aefer, verwandelte fie jedoch nicht förmlich zu Afche. Ebenfo gelang es nicht auf Holzftöfsen diefs zu bewerkstelligen, und die Urfache des Mifslingens lag wohl hauptfächlich darin, dafs man den Verbrennungsact in freier Luft vornahm.

Es hat das Verbrennen in freier Luft neben dem gröfseren Verbrauche an Brennmaterial noch den Uebelftand, dafs die Verbrennungsgafe die Umgebung auf grofse Diftanz hin verpeften. Brunnetti hat diefen Uebelftand richtig auf gefafst, und conftruirte einen Apparat, worin die Leichen in gesperrtem Raume verbrannt werden können.

Hiedurch wird viel Brennmaterial erfpart, da die Verbrennungsgafe der Leiche, zumeift Leuchtgas, wider als felbftftändiges Brennmaterial dienen. In Brunneti'fchen Apparate wird demnach die Leiche nicht blofs verkohlt, fondern fie brennt vollständig mit Flamme, und wird dadurch Alles zerftört, was organifches Gewebe heifst. Es verbleiben nur die unorganifchen Stoffe in der Form von Afche. Der Apparat befteht aus einer Art gefchloffenen Roftes aus Eifen, welcher von Mauerwerk unterſtützt und getragen wird. Bezüglich des eigentlichen Brenn­materiales erklärte Brunnetti, dafs hiezu etwa zwei Francs Holz vollkommen ausreichen. Dafs der Zweck, thierifche Körper vollständig einzuäfchern, durch den