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Rudolf Baron Potier des Echelles.
Diefe Ueberzeugung würde noch entfchiedener zum Durchbruche gelangt fein, wenn die verfchiedenen, militärifchen Zwecken dienenden Objecte in einer Gruppe vereint aufgetreten wären. Der Umftand jedoch, dafs fie in verfchiedenen Induftriegruppen eingetheilt waren, liefs zwar ihre Reichhaltigkeit erkennen. erfchwerte aber die Ueberficht und Vergleichung in hohem Grade.
Es foll nun der Verfuch gewagt werden, die Beziehungen des Heerwefens zu Gewerbe und Induftrie, wie fie auf der Weltausftel. lung zum Ausdrucke gelangten, überfichtlich darzuftellen. Selbſt. verständlich kann es fich dabei nicht um wiffenfchaftliche Erörterungen und kritifche Vergleichungen handeln. Nicht das Wie, fondern nur das Was foll
berührt werden.
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Einem Wandelbilde gleich foll die Weltausstellung an dem geiftigen Auge vorüberziehen; doch diefsmal in ernften Tableaux die Werkzeuge und Hilfsmittel des Krieges entrollen, welche in ihrer Gröfse und Mannigfaltigkeit ein beredtes, glänzendes Zeugnifs geben von der erhabenen Schöpfungskraft des menfchlichen Geiftes und zugleich einen Fortfchritt im humanitären Sinne markiren, indem die Errungenfchaften der Kriegstechnik auch dem friedlichen Schaffen zugute kommen, und mit der erreichten Vollkommenheit der Kriegsinftrumente auch deren Verwendung immer feltener werden, und einft fo mögen wir wenigftens hoffen ganz aufhören wird.
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Und wie der Decorationsmaler nur in fcharf markirten Zügen das Bild fixirt, alle Details bei Seite laffend, fo kann fchon mit Rückficht auf den zu Gebote ftehenden Raum und die übergrofse, ja faft erdrückende Reichhaltigkeit des Materiales nur das Intereffantefte und Wichtigfte, nach Gruppen und Ländern geordnet, hervorgehoben werden.
In der Gruppe I:
Berg- und Hüttenwefen,
ift es vorzüglich die Sprengtechnik, welche fchon in den älteften Zeiten als Hilfsmittel für Kriegszwecke Verwendung fand und einen eigenen Zweig der Kriegsorganifation bildete. Und dafs es in der Gegenwart nicht anders geworden ift, beweifen nicht nur die Erfahrungen der letzten Kriege. Ja, in allen Haushaltungen Wiens empfindet man freilich etwas ftark indirect den Werth militärifcher Hilfeleiftung bei Gefteinsfprengungen, indem ohne diefelbe die Refidenz das erquickende Nafs der Alpen noch lange entbehren müfste.
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Was nun die Vertretung der Sprengtechnik auf der Weltausftellung betrifft, fo konnten nach der Natur der Sache nur die Werkzeuge und Hilfs mittel, fowie die Refultate der Anwendung der letztern zur Ausftellung gelangen.
Erftere fallen vorwiegend in Gruppe III und XIII, während die Objecte felbft in Gruppe IX rangirt waren. Es dürfte aber die Ueberficht erleichtern, wenn Urfache und Wirkung zufammengeftellt erfcheint, foweit diefs nämlich Bohrmaschinen, Gefteinsproben und Rettungsapparate für MinenArbeiter betrifft, welch letztere in Deutfchland und O efterreich exponirt
waren.
Von erfteren haben faft alle Staaten mehrere und verfchiedene Exemplare ausgeftellt, und feffelte namentlich die im Pavillon von Mahler und Efchenbacher exponirte reichhaltige Sammlung der beften und neueften Bohrmaschinen das Intereffe fowohl des Laien als des Fachmannes.
Nebst den einfachen Minenbohrern, welche der leichten Transportfähigkeit und des handfamen Gebrauches wegen hauptfächlich im Felde Verwen dung finden, dann den in Bergwerken gebräuchlichen Bohrmaschinen, war auch jenes complicirte, einen hohen Triumph menfchlicher Erfindungsgabe bildende Bohrwerk ausgeftellt, welches, die Gnomen der Unterwelt bezwingend, dem