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Das Heerwefen.
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durch das Eifen verdrängt und felbft die Räder wurden fchon vielfach aus demfelben Metalle conftruirt; doch kehrte man immer wieder zu den Holzrädern zurück, und fuchte diefelben durch eiferne oder bronzene Achsbüchfen, dann durch Verfpannung der Felgen fefter und elaftifcher zu machen.
Lazarethwagen waren faft von allen Nationen ausgeftellt und kamen die verfchiedenften Syfteme und Ideen zur Geltung, die aber alle in dem einen edlen Streben ihren Brennpunkt fanden, den Unglücklichen, die fie benützen müffen, die Leiden und Schmerzen auf das möglich geringfte Mafs zu reduciren. Nächft den Fuhrwerken ift die Holzinduftrie noch bei Erzeugung des Brückenmateriales thätig, und waren Proben desfelben nur in Schweden, Rufsland und Spanien, bei erfterem im Originale, bei letzteren in Modellen ausgeftellt, und fchliefst fich dasfelbe dem öfterreichifchen verbefferten Birago'fchen Syfteme an, welches mit geringen Variationen faft in der ganzen Welt eingeführt ift. In Schweden war noch ein Brückenwagen für Infanterie- Pionniere ausgeftellt, auf deffen Protze das kurze Vorderftück eines auf dem Wagen- Hintertheile ruhenden eifernen Pontonftückes befeftigt ift, in welchem zugleich die Schanzzeug- Requifiten für 20 Mann, eine complete Schiffsausrüftung, fowie ein in zwei Theile umlegbarer vier Klafter langer Steg für zwei Mannsbreiten transportirt wird.
Noch fei die Erzeugung von hölzernen Feldflafchen erwähnt, welch letztere einft fehr verbreitet waren, nun aber den gläfernen weichen mufsten. Doch fucht die Induftrie des erfteren Artikels das Feld wacker zu behaupten; und namentlich Ungarn lieferte in feinen Csutora's wahre Meifterwerke an Gröfse, Güte und Ausftattung, während in Italien federleichte hölzerne Feldflafchen ausgeftellt waren, die luftdicht verfchliefsbar, das Getränke frifch erhalten, und bei eigenthümlicher Imprägnirung des Holzes deffen Faulwerden, fowie die Mittheilung des widerlichen Holzgefchmackes an das Getränke verhindern follen. Aus der Gruppe IX:
Thon-, Glas- und Steinwaaren,
liefert zunächft die öfterreichifche Glasinduftrie für die eigene Armee jährlich an 80.000 Stück Feldflafchen in Gefammtwerthe von mehr als 6.000 fl.; dann finden Cement und Béton bei fortificatorifchen Bauten häufige Anwendung, und waren beide künftlichen Gefteinsproducte zahlreich in allen Ländern, befonders glänzend in Deutfchland und Oefterreich ausgeftellt; doch mufs deren fpecififch militärifche Würdigung dem allgemeinen Intereffe weichen, und fei fomit nur die Fühlung des Heerwefens auch mit der Induftrie der Erzeugung künftlicher Gefteine conftatirt.
Die Gruppe X:
Kurzwaaren,
umtafst ein aufserordentlich weites Gebiet. Sie liefert jene zahllofen Kleinigkeiten, die zum Ganzen unumgänglich nothwendig find, dasfelbe überhaupt erft brauchbar machen. Es wäre vergebliche Mühe, ein auch nur annäherndes Bild der fehr innigen Beziehungen zwifchen Heerwefen und Kurzwaareninduftrie geben zu wollen; darum feien nur jene Zweige hervorgehoben, welche für die Gefundheit und den Comfort im Lager forgen, nämlich Zelte und compendiöfe Feldrequifiten liefern. Auch hierin ward Vieles und Vorzügliches geboten. Namentlich die praktiſchen Engländer, durch ihre Kreuz- und Querzüge in allen Ländern der Welt an Feld und Lager gewöhnt, haben wahre Meisterwerke in foliden, eleganten und dabei wirklich praktiſchen Feldrequifiten gefchaffen. Es gab da Zelte, transportable Betten, Speife, Spiel-, Wafch- und Verband
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