Dokument 
Das Heerwesen auf der Weltausstellung 1873 in seinen Beziehungen zu Gewerbe und Industrie : (Gruppe I bis XXVI) ; Bericht / von Rudolf Baron Potier des Echelles, Hauptmann im 72. Infanterie-Regiment
Entstehung
Seite
20
Einzelbild herunterladen

20

Rudolf Baron Potier des Echelles.

In neuerer Zeit ift der Verfuch, durch fchiefe Beleuchtung die Erhebung des Bodens reliefartig darzuftellen, vorzüglich gelungen, und lieferte namentlich die Schweiz- nebft anderen wahre Meisterwerke diefes Genres. Doch fo vorzüglich diefes Syftem für Darſtellung der allgemeinen Formen ift, fo genügt es doch nicht, um die Höhen auszudrücken. Um diefs zu erreichen, legte man die Erdoberfläche in Horizontalfchichten mit gleichen Abständen und waren Karten diefer Gattung zahlreich namentlich in Oefterreich, der Schweiz und Frankreich ausgeftellt.

-

Dafs die Photographie nicht ohne Einwirkung auf die Entwicklung des Kartenwefens bleiben werde, war vorauszufehen; und in der That ift es gelungen, photographifche Copien von Karten und Zeichnungen auf Stein, Kupfer, Zink oder Glas zu übertragen, und galvanoplaftifch zu erzeugen, deren Abdrücke in Reinheit dem Stiche gleichkommen, und durch welches Verfahren auch die Karten viel rafcher und billiger producirt und vervielfältigt werden können.

Diefe neuefte Errungenfchaft wird bereits in allen Staaten im weiteften Mafse verwendet; ganz befondere Verdienfte hat fich aber das k. k. militärifch- geographifche Inftitut erworben, deffen Kartenwerke jeder Art und Gattung fchon längft einen Weltruf geniessen, und auf der Ausstellung wieder mit dem höchften Preife gekrönt wurden.

Auch in den andern Staaten ift die Anfertigung von topographifchen Karten dem Generalftabe übertragen; und hatten Holland, Belgien, Däne­mark und Schweden befonders intereffante Proben verfchiedener Vermeffungs­und Erzeugungsarten gefendet, während von Amerika noch eine Militär- Dis­locationskarte, von Paraguay eine fehr primitiv gehaltene Generalkarte,- von Spanien unter anderem eine vorzügliche Marfch- und Dislocationskarte, dann Reliefs der Schlacht von Baylen und der Belagerung von Saragoffa,- und von Italien eine fchöne Reliefkarte des Golfes von Spezzia, fowie mehrere geologifche Karten ausgeftellt waren.

Rufslands Kartenwerke, in allen Genres reich vertreten und vorzüglich ausgeführt, fanden in jeder Beziehung die wohlverdiente Würdigung, und erweckten namentlich die graphifchen Darftellungen der bisher ganz unbekannt gewefenen Gebiete Central- Afiens ganz befonderes Intereffe.

England hatte nur einige Schul- und Seekarten der Colonien gefendet. Um fo reicher war dafür Frankreich vertreten, und bot deffen Expofition aufserordentlich viel Anregung und Belehrung.- Neben der grofsen in Oel gemalten Wandkarte, welche die ganze Küfte Frankreichs beleuchtet, die Städte durch Metallknöpfe, die Eifenbahnen durch weifse Linien markirt zeigt, feffelten die grofse geologiſche Karte, die Pläne der Darftellung des Verfahrens bei Erzeugung von Ueberdruck, Kupferftich und Rectificirung alter Kupferplatten, fowie die fehr gelungenen Unterrichtsreliefs verfchiedenfter Gattung und Gröfsen die allgemeine Aufmerkfamkeit.

Deutfchland war mit einer geradezu geiftblendenden Collection von geographifchen Hilfsmitteln aller Art vertreten, und find es befonders die Schul­Wand- und Reliefkarten, welche faft in allen Welttheilen Verbreitung gefunden haben. Als fehr intereffant mag eine Reliefkarte der ganzen Welt( in Mercators Projection) Erwähnung finden, welche die Erhebungen vom Meeresgrunde und dem Feftlande in fehr charakteriftifcher Weife darftellte.

Die Kartographieausftellung O efterreichs war, abgefehen von dem hier ,, hors concours" ftehenden Leiftungen des militärifch geographifchen Inftitutes fowohl in Reliefs als Karten eine muftergiltige im beften Sinne, und bewies auch in diefem Fache den günftigften Erfolg der angebahnten Emancipation vomAuslande. Von Reliefs wären zu erwähnen: die von Hauptmann Fifcher gearbeitete Darſtellung der Belagerung von Paris im Jahre 1870 bis 1871 mit Angabe aller Stellungen und Arbeiten von beiden Seiten; dann eine grofse, von Hauptmann