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Das Heerwesen auf der Weltausstellung 1873 in seinen Beziehungen zu Gewerbe und Industrie : (Gruppe I bis XXVI) ; Bericht / von Rudolf Baron Potier des Echelles, Hauptmann im 72. Infanterie-Regiment
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Das Heerwefen.

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detaillirte Würdigung aber, wie fo vieles Andere, leider aufserhalb des gezogenen Rahmens fällt.

Den Transport der Verwundeten vom Verbandplatze zur Ambulanz zu erleichtern, war die Aufgabe der Wagenbaukunft und hatte diefelbe zahl­reiche Syfteme von Apotheker- und Lazarethwagen aus allen Ländern, fogar aus Spanien ausgeftellt, unter welchen fich namentlich die Wagen Oefterreichs, Rufslands, Italiens, dann jene des Wiener patrioti­fchen Damenvereines und des deutfchen Ritterordens durch Leich­tigkeit und praktiſche Einrichtung befonders auszeichneten.

Vielleicht ift es nicht ohne allgemeines Intereffe, die Wirkfamkeit des eben genannten Ordens zu markiren. Derfelbe ftellt dem Staate vierzig vollkommen ausgerüftete, mit dem ärztlichen Perfonale verfehene Sanitäts colonnen à fechs vierfpännige Wagen unentgeltlich zur Dispofition, übernimmt die Verpflegung fämmtlicher Bemannung und Befpannung, und zahlt aufserdem noch eine Ent­fchädigung für Abnützung der Montur und Rüftung. Aus Ordensmitteln werden nach und nach fämmtliche Truppenfpitäler mit chirurgifchen Handbeftecken, dann alle Cafernen der Monarchie mit Rettungskaften und Räderbahren verfehen, und übernimmt der Orden die einheitliche Leitung des Hilfswefens im Kriege.

Der grofse Uebelftand, erft nach dem Einrücken in die Station kochen oder backen zu können, hat die Induftrie zur Erbauung von fahr baren, während des Transportes arbeitenden Feldküchen und Feld­backöfen veranlafst, und waren fehr praktiſche Gattungen diefer Fuhr­werke aus Deutfchland, O efterreich und Italien, fowohl im Originale als im Modelle ausgeftellt.

Ein höchft wichtiger Zweig der Sanitätspflege ift ferner der Transport mittelft Bahn, und ift es diefem im Jahre 1859 in Oefterreich zuerft ein­geführten Zerftreuungsfyftem allein zu danken, dafs die letzten Maffenkriege keine Epidemien im Gefolge hatten. Und wer jemals die unfägliche Pein erleiden musste, fchwer verwundet auf dem harten, mit wenig Stroh bedeckten Boden eines fchlecht fchliefsbaren, nothdürftig gereinigten Laftwaggons, nicht viel beffer wie ein Frachtftück transportirt zu werden, der wird dankbar die ungeheuren Fortfchritte der Induftrie zu würdigen wiffen, welche jene praktifchen, mit Recht fo viel bewunderten Eifenbahn- Lazarethzüge und Waggons erfonnen und aus­geführt hat, die von Frankreich, Deutfchland und Amerika( im letzteren blos im Modell) exponirt waren.

Was aber im Sanitätspavillon befonders wohlthuend berührte, war die erhebende Thatfache, dafs alle in demfelben ausgeftellten, rein humanitären Zwecken gewidmeten Objecte der Privat- Initiative zu danken find, dafs die werkthätige Privathilfe eingetreten ift, um die Schrecken des Krieges zu mildern. Alle Daheimgebliebenen, das ganze Volk, gedenkt ja der Söhne und Brüder draufsen, die ihr Beftes, ihr Leben einfetzen zum Schutze der Heimat, welche wieder opferfreudig Hilfe bringt. Nicht nur Männer widmen Zeit, Kraft und Mittel dem Gelingen edler humanitärer Beftrebungen: auch die Frauen, nicht fcheuend die Mühen und Schrecken der Spitäler, nehmen werkthätigen Antheil an der Pflege der Verwundeten, und mit zarter Sorge, wie nur Frauen es vermögen, erhellen fie den Jammer der Krankenftube durch die beglückende Theilnahme wahrer Nächftenliebe.

Der Pavillon Krupp war ein Ruhmestempel des

menfchlichen

Geiftes; im Sanitätspavillon aber bot das menfchliche Herz feine koftbaren Schätze, feierte der Genius der Menfchenliebe die fchönften, erhe­bendften Triumphe!!