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Marinewesen : (Gruppe XVII, Section 1 bis 4) ; Bericht / von Alexander Friedmann, Civiling. in Wien
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Marinewefen.

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Gefahr vorhanden ift, fteigen fie gar felten wieder in den Schiffsraum hinab, um die Rettungsgürtel zu holen, können diefs auch meift gar nicht, weil die nach dem Deck flüchtenden Paffagiere die Stiege occupiren. Die Rettungsgürtel müfsten am Verdeck und dort nicht etwa in wohl verfchloffenen Kiften, fondern in leicht zugänglicher Weife untergebracht fein.

Die Eintheilung eines Schiffes in wafferdichte Compartiments ift im Principe eine vorzügliche Sicherheitsvorkehrung und follte für Perfonendampfer obligatorifch fein, doch müfste fie auch immer richtig durchgeführt werden. Die Abtheilungswände find oft nicht feft genug und ift vorgekommen, dafs fie be eintretendem Wafferdrucke durchriffen. Jetzt find die Compartiments meift durch offene kleine Thüren oder Schieber in Verbindung; das geht noch an, wenn die Handhaben fich in den oberen Schiffsräumen befinden, ift aber fehr bedenklich, wenn diefelben, wie mitunter der Fall, in den unterften Schiffsräumen an Stellen angebracht find, von denen dem Manne, der mit dem Schliefsen der Oeff­nungen beauftragt wird, während der Gefahr ein Entkommen fchwer erfcheint.

Die Art und Weife, wie jetzt die Rettungsboote von den Schiffen in die See gelaffen werden, bietet viele Mängel. Bei unruhiger See ift Gefahr, dafs das Rettungsboot durch die Schwankungen des Schiffes während des Herablaffens an die Schiffswand anfchlägt und zerfchellt; berührt das Boot bereits die Waffer fläche, fo wäre es wichtig, dafs dasfelbe von den zwei Takeln, an denen es hängt gleichzeitig losgelöft werde, da fonft, befonders bei einem in Bewegung befindlichen Schiffe, das Rettungsboot, zumal wenn das vordere Seil zuerft gelöft wird, leicht mit dem Bug unters Waffer fahren oder umfchlagen kann; endlich find die Boote felbft nicht immer fo in Stand gefetzt, dafs fie im Momente des Bedarfes für die See vollkommen geeignet wären. Es waren nun diefsbezüglich mehrere Vorfchläge zur Ausftellung gebracht, welche im Wefentlichen darauf hinzielten, dafs die beiden Haken, an welchen das Rettungsboot aufgehängt ift, gleichzeitig durch eine gemeinfchaftliche Zugleine von einem der mit dem Boote herabgelaffenen Leute gelöft werden können. Der Hauptnachtheil diefer Vorrichtung ift, dafs, wenn der Mann im Boote die betreffende Zugleine anzieht, bevor noch das Rettungsboot im Waffer fchwimmt, ein Fall, der in den Momenten grofser Gefahr und grofser Verwirrung gar leicht vorkommen kann, das Boot und die zu Rettenden erft recht verloren find. Die wefentliche Bedingung aber, dafs die Haken fich zweifellos erft dann löfen können, wenn das Rettungsboot bereits im Waffer richtig fchwimmt, ift durch keinen der gemachten Vorfchläge realifirt.

Rettungsboote und Rettungsgürtel kommen übrigens erft ins Treffen, wenn die anderen Sicherheitsvorkehrungen für das Schiff felbft nicht ausreichend waren. Unter diefen nun fpielen die Pumpen, welche für den Fall einer Leckbildung oder einer Ueberfluthung durch Sturzwellen das Waffer aus dem Kielraume zu fchaffen haben, die fogenannten Schiffsleck- Pumpen, eine Hauptrolle.

Für diefe gilt ganz befonders, was früher angedeutet wurde, dafs fie nämlich nicht nur verlässlich wirken, fondern auch fo disponirt fein follten, dafs zu ihrer Ingangfetzung oder, wenn die Saug fiebe fich verftopfen, zu deren Reinigung nicht erft in den Kielraum hineingekrochen werden mufs, denn in Momenten entfchiedener Gefahr bewahrt felbft der Befonnenfte doch nur an folchen Stellen feine Ruhe und hält nur dort aus, wo er beſtimmte Hoffnung hat, für den Fall der Unwirk­famkeit feiner beften Bemühungen rafch ins Freie gelangen zu können. Die Ingang­bringung einer Schiffsleck- Pumpe mufs in der einfachften Weife wie durch einen Ruck gefchehen können und darf nicht, wie fchon vorgekommen, ein Schiff defshalb untergehen, weil bei der Ingangfetzung der Dampfpumpe in der Eile ein Purgirhähnchen zu öffnen vergeffen und in Folge deffen der Cylinderdeckel durchgeftofsen und die Wafferförderung behindert wurde. Die Pumpe mufs fo befchaffen fein, dafs die Verunreinigungen des Kielwaffers, wie Kohlen­klein u. dergl., welche das Saugfieb paffiren können, auch durch die Pumpe, ohne

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